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Lipsius & Tischer
  • © Berlinische Galerie / Wolfgang Wittrock
  • Repro: Berlinische Galerie
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LIPSIUS & TISCHER
KUNSTSALON LIPSIUS & TISCHER

Adresse: KIEL, Preussen/Provinz Schleswig-Holstein (Schleswig-Holstein), Falckstrasse 9
Inhaber: Gottfried Heinrich Lipsius, Herr Tischer (ab 1876); Gottfried Heinrich Lipsius (ab 1877); Hanns Lipsius, Fritz Lipsius (ab etwa 1913)
Bestand: 1876-2006
Charakteristik: Buchhandlung, Antiquariat, Kunsthandlung, Leihbibliothek, Verlag
„Originalgraphik bester zeitgenössischer Künstler, Gravüren, Lithographien, Licht- und Kohledrucke nach Gemälden alter und neuer Meister. Edelstes Kunstgewerbe aus Glas, Silber, Messing, Fayence, Seide.“ (Anzeige in: Schleswig-Holsteinisches Jahrbuch 1920.- Hamburg [1919], Anzeigenseite); „Gemälde-Graphik. Deutsche und ausländische Expressionisten.“ (Anzeige in: Der Cicerone. H. 19 v. Oktober 1920, Anzeigenseite)

Ausstellungen:
1915: Sommerausstellung Holsteinischer Künstler (dabei Alexander Eckener, Ernst Eitner, Carl Ludwig Jessen, Momme Nissen, Hans Olde, Ingwer Paulsen, Christian Rohlfs, Heinz Weddig, Meldorfer Museumsweberei, Nordschleswiger Verein für Hausindustrie)
1916: Alte und neue Buchkunst (304 Nummern)
1920: Max Beckmann; Graphik-Ausstellung (dabei u. a. Ernst Barlach, Karl Schmidt-Rottluff)

Verlag:
Da der „Lipsius & Tischer Verlag“ (Kiel, Leipzig) mit den Schwerpunkten Marine, Technik, Medizin, Naturwissenschaften und Schleswig-Holstein eine eigene Rechtsform hatte, findet er hier keine Darstellung. Den Bezug zur bildenden Kunst stellen die beiden folgenden Titel her:
Wolfgang Lehmus: Wir sind jung! Mit Einbandzeichnung von Heinrich Vogeler-Worpswede. 1901
Luise Wintermeyer: Die ersten Menschen. Mappe mit 8 Holzschnitten. 1921

Bemerkung:
Die am 1. Februar 1867 gegründete Buchhandlung „Lipsius & Tischer“ ging bereits ein Jahr später in den alleinigen Besitz von Gottfried Heinrich Lipsius über. 1879 bezog man ein neu erbautes, eigenes Haus in der Falckstrasse 9. Der Buchhandlung und dem Antiquariat wurde ein Verlag (mit einer, wie damals üblich, Niederlassung in Leipzig) angegliedert. Das Sortiment wurde ausgeweitet, eine Leihbibliothek und eine Lehrmittelhandlung angeschlossen. 1899 bis 1914 bestand eine Filiale in Tsingtau (Deutsch-China), zeitweise gab es mehrere Filialen in Kiel (Schlossgarten 11, Sophienblatt 1).
Erwähnenswert ist noch, dass Paul -> GRAUPE bei Lipsius & Tischer Erfahrungen für sein 1907 in Berlin gegründetes eigenes Geschäft sammelte (Adressbuch der Antiquare 1926, S. 16).
Das Antiquariatsangebot wurde in Katalogen (festgestellt etwa 150 bis 1938) und Listen mit dem Namen „Kieler Bücherfreund“ (festgestellt 80 bis 1938) angeboten, der „Kunstsalon Lipsius & Tischer“ begann 1920 mit der Herausgabe von Lagerkatalogen unter dem Namen „Der Stichel“. Die I. Folge enthielt „Ein Verzeichnis graphischer Blätter erster Meister in frühen Drucken. Mit Einleitung und zahlreichen Abbildungen“ (Anzeige in: Die Kunst für Alle. H. 21/22 v. August 1920, Anzeigenseite VII). Weiters wurden „Handzeichnungen von Ludwig Neu, Schmelzeisen, Hofer, Betzler, Hans Uhl u. a.“ angeboten (Der Cicerone. H. 19. v. Oktober 1920, Anzeigenseite). Aber auch Plastik war im Angebot: 1923 ist der Verkauf eines Bronze-Fohlens von Renée Sintenis zu belegen. (Neumeisters Moderne 1998. Nr. 652)
Auf Anregung des Oberbürgermeisters Dr. Emil Lueken fand vom 11.-19. September 1920, beworben mit einem Plakat von Theodor Riebecke, erstmals die „Kieler Herbstwoche für Kunst und Wissenschaft“ statt. Kiel wollte damit sein altes Image als preußische Kriegsmarinestadt ablegen und sich als moderne Haupt- und Kulturstadt des Landes profilieren. Neben Theater- und Opernaufführungen wurden auch Ausstellungen veranstaltet. Lipsius & Tischer beteiligten sich mit einer Präsentation von Max Beckmanns Graphik (Kunstwende 1992, S. 56).
Über weitere Ausstellungen oder andere Aktivitäten kann derzeit mangels Quellen und anderer Unterlagen nichts mitgeteilt werden, da am 26. August 1944 das Haus Falckstrasse 9 mitsamt dem Geschäftsarchiv bei einem Fliegerangriff zerstört wurde. 1950 wird an der Adresse Holstenstrasse 80 neu begonnen, wo sich die Buchhandlung, nach mehreren Inhaberwechseln, bis 2003 befand. Nach einem weiteren Umzug in die Holstenstrasse 66 wurde die Buchhandlung nach 130 Jahren am 17. Juni 2006 geschlossen.

Nachweise:
Adressbuch des Deutschen Buchhandels; Müller, Adressbuch des Deutschen Buchhandels und verwandter Berufszweige; Pantheon 1914; Pantheon 1926; Adressbuch der Antiquare;
Handbuch des Kunstmarktes 1926; Maecenas 1927; Internationales Adressbuch der Antiquare (1928-1940); Maecenas 1930

Adressbuch der Antiquare Deutschlands und des gesamten Auslandes. Mit selbstbiographischen Beiträgen bedeutender Antiquare.- Weimar 1926
Kunstwende. Der Kieler Impuls des Expressionismus 1915-1922.- Neumünster 1992
Neumeisters Moderne. Auktion 24. I. Teil. [dabei] Sammlung Paul Eipper.- München: Neumeister 13. November 1998