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tom Kyle
  • © Berlinische Galerie / Wolfgang Wittrock
  • Repro: Berlinische Galerie
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TOM KYLE
KUNSTHAUS „TOM KYLE“
THESING & CO. ALTE UND NEUE KUNST

Adresse: KIEL, Preussen/Provinz Schleswig-Holstein (Schleswig-Holstein), Dänische Strasse 9; Filiale in HAMBURG, Schmilinskystrasse 8
Inhaber: Thesing & Co. (Arnold Thesing, A. O. H. Roeder)
Mitarbeiter: Richard Blunck, künstlerischer Leiter und Geschäftsführer
Bestand: 1921-1925
Charakteristik: Kunsthandlung
„Bilder, Graphik, Innenarchitektur, Kunstgewerbe. Monatl. wechselnde Gemäldeausstellungen“ (Anzeige in: Das Kunstblatt. H. 7 v. Juli 1922, Anzeigenseite)

Ausstellungen:
1921: Paula Modersohn-Becker; Paul Thesing; Emil Rudolf Weiß
1922: Werner Lange; Otto Schubert; Karl Peter Röhl; Johannes Molzahn; Christian Rohlfs

Bemerkung:
Der Kunsthandel in der Dänischen Strasse 9 hatte bereits eine Geschichte, die ins 19. Jahrhundert zurückreicht: Seit dem Neubau um 1865 durch den Vergolder und Modelleur Christoph Hulbe (1810-1884) war im „Hulbe-Haus“ eine Rahmenhandlung mit angeschlossenem Kunsthandel etabliert, die 1884-1908 von seinem Sohn Christoph Hulbe (1848-1923) und 1908-1918 von dessen 1918 verstorbenen jüngeren Bruder Wilhelm Hulbe geführt wurde (Christoph Hulbe 1959).
In diesem traditionsreichen „Hulbe-Haus“ eröffnete im September 1921 eine neue Kunsthandlung unter dem Namen „tom Kyle“. Der Name leitete sich ab vom ursprünglichen Namen der Stadt Kiel „Holstenstadt tom Kyle”. Das Angebot der Galerie waren „Bilder, Graphik, Innenarchitektur, Kunstgewerbe“(Anzeige in: Das Kunstblatt. H. 7 v. Juli 1922, Anzeigenseite), die „monatlich wechselnden Gemäldeausstellungen“ wurden am 14. September 1921 mit einer Ausstellung von Paula Modersohn-Becker begonnen. Von dieser Künstlerin ist auch ein Verkauf von „tom Kyle“ an das Kupferstichkabinett Berlin nachgewiesen (Deutsche Expressionisten 1992, Kat. Nr. 3).
Die Neugründung wurde von der örtlichen Presse als „ein erfreuliches Zeichen für Kiels Vorwärtsstreben auf kulturellen Bahnen“ begrüsst (Kieler Neueste Nachrichten, 16. 9. 1921; zitiert nach Kunstwende 1992, S. 57). Die meisten Ausstellungen der Jahre 1921 und 1922 sind aus der nur bruchstückhaft erhaltenen Korrespondenz der Kunsthandlung im Nachlass von Richard Blunck (Schleswig-Holsteinische Landesbibliothek Kiel) nachzuweisen. Der Autor Richard Blunck (1895-1962) war der literarische Herold der „Kieler Expressionisten“, Mitarbeiter und Redakteur verschiedener expressionistischer Zeitschriften („Menschen“, „Kündung“, „Die schöne Rarität“) sowie künstlerischer Leiter und zeitweise Geschäftsführer von „tom Kyle“. 1921 erschien sein Buch „Der Impuls des Expressionismus“ mit einem Holzschnitt-Umschlag von Werner Lange, der 1922 bei „tom Kyle“ ausgestellt hatte.
1922 stellte auch Christian Rohlfs aus (Das Kunstblatt. H. 4 v. April 1922, S. 182) und von diesem Künstler sind eine Reihe von Werken in der Sammlung des Mitbesitzers, A. O. H. Roeder, nachgewiesen (Rohlfs 1925, Kat. Nr. 15, 26, 68).
Ende 1922 expandierte „tom Kyle“ nach Hamburg und eröffnete unter dem Name „Thesing & Co.“ eine Filiale in der Schmilinskystrasse 8. (Anzeige in: Das Kunstblatt. H. 12 v. Dezember 1922, Anzeigenseite V). Hier wurde die Rohlfs-Ausstellung 1923 gezeigt (Der Kunstwanderer. 1. Juniheft 1923, S. 418; Internationale Sammler-Zeitung. Nr. 14 v. 15. 7. 1923, S. 110).
Das „Hulbe-Haus“ wurde 1925 teilweise abgebrochen und durch einen Neubau ersetzt.

Nachweise:
Dressler 1923 (Hamburg); Maecenas 1927 (Hamburg)

Christian Rohlfs. Ausstellung zum fünfundsiebzigsten Geburtstag.- Berlin: Nationalgalerie 1925
Christoph Hulbe: Erinnerungen an das Hulbe-Haus.- in: Mitteilungen der Gesellschaft für Kieler Stadtgeschichte. H. 4 v. Oktober 1959, S. 81-96
Deutsche Expressionisten. Aquarelle und Zeichnungen im Berliner Kupferstichkabinett.- Berlin 1992
Kunstwende. Der Kieler Impuls des Expressionismus 1915-1922.- Neumünster 1992