Resultate:  1

Cassirer / Gemäldegalerie des Kölnischen Kunstvereins
  • © Berlinische Galerie / Wolfgang Wittrock
  • Repro: Berlinische Galerie
Transkription / Beschreibung
Weiterführende Links
Zugehörige Objekte
Weitere Abbildungen

CASSIRER
GEMÄLDEGALERIE DES KÖLNISCHEN KUNSTVEREINS

Adresse: KÖLN, Preussen/Rheinprovinz (Nordrhein-Westfalen), Domkloster 3, 1. Etage
Inhaber: Paul Cassirer
Mitarbeiter: Walter Klug
Bestand: 1913-1914
Charakteristik: Kunsthandlung, Kunstausstellung

Ausstellungen:
1913: Eröffnungsausstellung mit Werken von u. a. Max Beckmann, Theo von Brockhusen, Julius Bretz, Paul Cézanne, Lovis Corinth, Gustave Courbet, Vincent van Gogh, Georg Grasegger, Rudolf Großmann, Ernst Isselmann, Franz M. Jansen, Eugen Kampf, Willy Kukuk, Wilhelm Lehmbruck, Walter Leistikow, Max Liebermann, Edouard Manet, Claude Monet, Heinrich Nauen, Ernst Te Peerdt, Camille Pissarro, Paul Prött, Auguste Renoir, Alfred Sisley, Max Slevogt, Henri de Toulouse-Lautrec, Friedrich Weinzheimer, Hans Wildermann
1914: Alessandro Magnasco; Vincent van Gogh

Bemerkung:
Bereits 1911 plante der Münchener Kunsthändler Heinrich -> THANNHAUSER eine Filiale in Köln zu errichten, was jedoch am fehlenden Beteiligungskapital scheiterte (August Macke 1864, S. 58). Die für 1913 angekündigte Schliessung der seit 1881 eine Kölner Filiale betreibende Galerie -> SCHULTE, 1848 in Düsseldorf gegründet, seit 1886 mit Berliner Niederlassung, (Kunstchronik. Nr. 7 v. 15. November 1912, Sp. 97 f.) brachte neue Mitbewerber auf den Kölner Kunstmarkt: 1912 eröffnete Otto Feldmann die Kunsthandlung -> RHEINISCHER KUNSTSALON am Hansaring, für den 1. Juli 1913 meldete Paul -> CASSIRER in Berlin die geplante Eröffnung eines Kunstsalons, „so daß die Stadt für die kürzlich erfolgte Schließung des Schulteschen Salons entschädigt wird.“ (Der Cicerone. H. 9 v. Mai 1913, S. 355).
Gleichzeitig wurde mitgeteilt, dass der Kölnischer Kunstverein, der seine Ausstellungsräume im Wallraf-Richartz-Museum verlor, an der Adresse von Cassirer „dann und wann Ausstellungen abhalten will“ (Die Kunst. H. 9 v. Juni 1913, Anzeigenseite XI).
Ausschlaggebend für Paul Cassirer, eine Kölner Filiale zu etablieren, mag auch der grosse publizistische Erfolg für die vom „Sonderbund Westdeutscher Kunstfreunde und Künstler“ 1912 in Köln veranstaltete „Internationale Kunst-Ausstellung“ gewesen sein, bei der Cassirer sowohl als „Stifter“ auftrat als auch im Arbeitsausschuss vertreten war (Internationale Kunst-Ausstellung des Sonderbundes Westdeutscher Kunstfreunde und Künstler zu Cöln 1912. Illustr. Katalog. S. 11). Mitentscheidend mag auch gewesen sein, dass die bestehenden Kunsthandlungen wie die 1900 gegründete von Wilhelm -> ABELS und die seit 1908 bestehende von -> v. ELSNER & SPIEKERMANN vorwiegend auf Graphik spezialisiert waren.
Aus der geplanten Eröffnung am 1. Juli 1913 wurde nichts, möglicherweise, weil Cassirer und der Kölnischer Kunstverein bereits seit (spätestens) April 1913 darüber verhandelten, die geplanten Geschäftsräume Domkloster 3, 1. Etage gemeinsam unter der Leitung von Cassirer zu nutzen (Kölner Stadt-Anzeiger. 22. 4. 1913). Der Kunstverein hätte sich die teuren Räume alleine nicht leisten können, weshalb man sich zu einer gemeinsamen Nutzung der zentral gelegenen Räume nächst dem Dom und dem Wallraf-Richartz-Museum entschloss. Cassirer wurde die Angelegenheit schmackhaft gemacht, indem man ihm, als Nachfolger von Dr. Alfred Hagelstange, der diese Position von 1908-1913 innehatte, die künstlerische Leitung des Kölnischen Kunstvereins anbot.
Cassirer übernahm die Kosten der Einrichtung und die Betriebskosten der Ausstellungsräume, der Kunstverein die Miete, bezahlte Cassirer ein Honorar für die künstlerische Leitung und stellte dem Kunsthändler zwei der Ausstellungsräume zu seiner freien Verfügung. Der Bilderverkauf aus den Ausstellungen des Kunstvereins oblag ausschliesslich Cassirer, der dafür dem Kunstverein vier Prozent des Endverkaufspreises abzugeben hatte. Im Vertrag zwischen dem Kunstverein und dem Kunsthändler heisst es: „Nach außen hin tritt der Kunstverein als alleiniger Inhaber der Geschäftsräume und der alleinige Veranstalter seiner Ausstellungen auf, nach innen hin überläßt er jedoch neben einer Wechselausstellung die ‚permanente Ausstellung’ dem Kunsthändler Paul Cassirer.“ (zitiert nach: Kölnischer Kunstverein 1989, S. 173) Diese „Sprachregelung“ mag wohl aus dem Grund erfolgt sein, dass es immer wieder Kritik daran gab, wenn Kunsthändler sich geschäftlich bei Kunstvereinen oder Künstlervereinigungen engagierten.
Während es eine Reihe von Kunsthändlern gab, die vor ihrer Händlertätigkeit als Leiter oder Sekretäre bei Kunstvereinen oder Künstlervereinigungen wirkten (Beispiele sind Gustav -> PISKO, Wien, er war Sekretär im Kunstverein Salzburg, Franz -> HANCKE, Breslau, war jahrelang Sekretär der Wiener Secession, Hermann Hirzel (-> HIRZEL & SPANIER, Berlin) war Leiter der Ausstellungen des Berliner Künstlerhauses und Mathilde -> RABL, Berlin, war beim Verein Berliner Künstler angestellt), gab es zahlreiche Kunsthändler, die neben ihrer Kunsthändlertätigkeit bei Künstlervereinigungen geschäftlich engagiert waren. Beispiele dafür sind Oskar Beyer -> BEYER & SOHN, Leipzig, er war Sekretär des Vereins deutscher Buchgewerbekünstler, Leipzig, Theodor -> BRODERSEN war tätig bei Kunstverein Hamburg, Verein Berliner Künstler, Kunstverein Magdeburg, Deutscher Künstlerbund, Neue Künstler-Vereinigung München und LIA (Leipziger Jahresausstellung) sowie bei der Secession Hamburg, Hildebrand -> GURLITT, Hamburg, bei der Secession Hamburg, Otto Kallir, -> NEUE GALERIE, Wien beim Hagenbund, Ferdinand -> MÖLLER, Berlin, hatte die Geschäftsführung der Künstlervereinigung „Freie Secession“, Karl -> NIERENDORF, Berlin, die des Vereins Berliner Künstler/Künstlerhaus.
Zur Verbindung Paul Cassirer und Berliner Secession gab es ebenfalls immer wieder kritische Stimmen, und als publik wurde, dass Cassirer den Kölnischen Kunstverein „übernahm“, wurde wieder heftigst polemisiert: „Die schlimmen Erfahrungen, die die [Berliner] Sezession mit ihrem Cassirer als Leiter gemacht haben, scheinen den Kölnern nicht aufgestoßen zu sein. Wenigstens hat der Kölnische Kunstverein Herrn Cassirer zum künstlerischen Organisator seiner Ausstellungen berufen. Das Gefühl für gewisse Dinge scheint in Deutschland unter den Druck der kapitalistischen Umwertung völlig verloren zu gehen. Ein Händler, der diese oder jene Künstler an der Hand hat und darum poussieren muß, ein Händler, der diese oder jene alten oder neuen, erst noch zu lancierenden Meister im Keller hat - wird zum Leiter von öffentlichen Ausstellungen berufen. Das heißt alle Objektivität von vornherein in die Wüste jagen und dem Kunsthandel neue Trümpfe in die Hände zu spielen. […] Der Händler ist ja bei uns bald die einzige schöpferische Genialität. […] Er entdeckt, er macht die Künstler [und die Kunstkritik] bewundert, was der Handel ihr vorentdeckt.“ (Nach dem Abdruck eines in der Berliner Zeitung “Vorwärts“ erschienenen Artikels in: Rheinische Zeitung. 12. Juni 1913)
Die „geschäftliche Direktion“ (vor allem bei Abwesenheit von Cassirer) wurde Walter Klug (1873-1952) übertragen. Er war 1910-1913 künstlerischer Leiter der Kölner Galerie -> ABELS und 1912 Geschäftsführer der bereits erwähnten „Internationalen Kunst-Ausstellung“. Nach Cassirers Weggang aus Köln war er von 1914 bis 1939 Leiter des Kölnischer Kunstvereins.
Die letzte Ausstellung des Kölnischen Kunstvereins im Wallraf-Richartz-Museum fand im Juni 1913 statt, aber es sollte noch einige Monate dauern, bis die von den „Vereinigten Werkstätten für Kunst im Handwerk G. m. b. H.“ eingerichteten Räumlichkeiten bezugsfertig waren.
Die Ausstellungsräume im „Schaebenschen Haus“, Domkloster 3, 1. Etage wurden unter dem Namen „Gemäldegalerie des Kölnischen Kunstvereins“ eröffnet und hatten den „Charakter eines vornehmen Kunstsalons“ (Der Cicerone. H. 22 v. November 1913, S. 808).
Der Inhalt der Oktober/November 1913 gezeigten „Eröffnungsausstellung“ war ein Abbild der „Mischform“ des Unternehmens: Cassirer, der das Katalogvorwort schrieb, zeigte seine „Galerieware“ zwischen klassischem französischem Impressionismus, Berliner Secession und anderen von ihm regelmässig gezeigten Künstlern (u. a. Max Beckmann, Theo von Brockhusen, Paul Cézanne, Lovis Corinth, Gustave Courbet, Vincent van Gogh, Rudolf Großmann, Wilhelm Lehmbruck, Walter Leistikow, Max Liebermann, Edouard Manet, Claude Monet, Camille Pissarro, Auguste Renoir, Alfred Sisley, Max Slevogt, Henri deToulouse-Lautrec), daneben aber auch Werke der rheinischen Künstler (u. a. Julius Bretz, Georg Grasegger, Ernst Isselmann, Franz M. Jansen, Eugen Kampf, Willy Kukuk, Heinrich Nauen, Ernst Te Peerdt, Paul Prött, Friedrich Weinzheimer, Hans Wildermann).
Wie weit die in Folge veranstalteten Ausstellungen dem Kölnischen Kunstverein oder der Kunsthandlung Paul Cassirer zuzuordnen sind, ist heute nicht mehr feststellbar.
Während beispielsweise die Dezember-Ausstellung 1913 (Max Liebermann, Leopold von Kalckreuth) eher Cassirer zuzuordnen ist, war die Januar-Ausstellung 1914 („Rheinische Künstlervereinigung“) sicher eine Veranstaltung des Kunstvereins, während die gleichzeitig gezeigte Präsentation des von Cassirer wiederentdeckten Genueser Malers Alessandro Magnasco (1667-1749) aus der Berliner Galerie kam, wo sie im Januar 1914 zu sehen war. Die März-Ausstellung (der Rheinländer August Deusser) und die April-Ausstellung (Belgische Künstlervereinigung „L'Art Contemporain“) sind dem Kunstverein zuzuschlagen, die beiden Sommer-Ausstellungen (Mai bis Juli 1914) enthielten sowohl rheinische Künstler als auch Werke von Künstlern, die auch bei Cassirer in Berlin vertreten waren, darunter Ernst Barlach, Bernhard Hoetger, Karl Hofer, Konrad von Kardorff, Jules Pascin und Wilhelm Lehmbruck.
Im Juli 1914 wurde eine grosse, mehr als 150 Werke umfassende van Gogh-Ausstellung in Köln gezeigt, die im Juni in Cassirers Berliner Galerie zu sehen war.
Wann und wie der ursprünglich auf fünf Jahre abgeschlossene Vertrag gelöst wurde, ist unbekannt. Auch wenn Cassirer seine Tätigkeit wohl mit dem Kriegsausbruch 1914 beendet haben dürfte, ist seine Handschrift auch weiterhin bei den Ausstellungen sichtbar: So wurden beispielsweise im März 1915 u. a. mit Werken von Max Liebermann, Wilhelm Trübner, Emil Rudolf Weiß, Ulrich Hübner, Ernst Barlach und August Gaul Künstler der Berliner Galerie gezeigt, und in den Jahresberichten des Kunstvereins tauchen Abrechnungen bis einschliesslich 1920 auf (Kölnischer Kunstverein 1989, S. 175).
Der Kölnische Kunstverein blieb bis 1919 in den 1913 bezogenen Räumen, übersiedelte dann kurzfristig an derselben Adresse eine Etage höher und bezog nach einem Intermezzo in einem Ausweichquartier 1922 sein neu erbautes Heim am Friesenplatz 27.

Nachweise:
{August Macke- Franz Marc. Briefwechsel. (Hrsg. v. Wolfgang Macke und Rudolf Probst.)- Köln 1964}
Kölnischer Kunstverein. Einhundertfünfzig Jahre Kunstvermittlung.- Kölnischer Kunstverein 1989. Band 5