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Dr. Jaffe-Alice Guttmann
  • © Berlinische Galerie / Wolfgang Wittrock
  • Repro: Berlinische Galerie
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JAFFÉ/JAFFE
DR. JAFFE-ALICE GUTTMANN
GALERIE DR. JAFFE
DR. JAFFE ALTE KUNST MODERNE KUNST UND DR. BECKER-NEWMANN

Adresse: KÖLN, Preussen/Rheinprovinz (Nordrhein-Westfalen), Minoritenstrasse 21; Unter Fettenhennen 11/Burgmauer 2
Inhaber: Dr. Otto Erich Jaffe, Alice Guttmann (ab 1924); Dr. Otto Erich Jaffe (um 1927)
Bestand: 1924- (1931)
Charakteristik: Kunsthandlung
„Dr. Jaffe-Alice Guttmann. Meisterwerke alter Malerei und Plastik. Köln Burgmauer 2 I Tel. Mosel 2568, Berlin Kaiserin-Augusta-Str. 58 I Tel. Stephan 5006“ (Anzeige in: Der Cicerone. H. 10 v. Mai 1925, Anzeigenseite)

Ausstellungen:
1927: Otto Dix; Rudolf Levy, Richard Seewald
1928: Georg Kolbe; Edgar Degas (Pastelle und Zeichnungen)

Bemerkung:
Begonnen hat der Kunsthandel von „Dr. Jaffe-Alice Guttmann“ 1924 als Untermieter im -> KUNSTHAUS GOYERT in der Minoritenstrasse 21. „In einem der Räume bei Goyert haben Dr. Jaffé und Alice Guttmann eine Schau für alte Kunst eröffnet, die mancherlei Gutes bringt.“ (Die Kunst. H. 9 v. Juni 1924, S. VI).
1925 wurde in der Altstadt gegenüber dem Dom an der Adresse Unter Fettenhennen 11 das erste Kölner „Galeriehaus“ eröffnet (Vom Dadamax zum Grüngürtel 1975, S. 28), wo sich neben dem Kunsthandel von Dr. Jaffe-Alice Guttmann auch die Galerien -> SALZ, -> BECKER-NEWMANN sowie eine Zweigstelle des -> KUNSTHAUS GOYERT unter einer Anschrift befanden. Im Erdgeschoss befand sich seit 1905 das 1855 gegründete und noch heute bestehende bekannte Café Reichard.
Der Eingang in die im ersten Stock gelegene Galerie, die auf Gemälde, besonders Niederländer des 17. Jahrhunderts, spezialisiert war (Maecenas. Hrsg. v. Joachim Stern.- Berlin 1927, S. 86), befand sich um die Ecke, Burgmauer 2.
Dr. Otto Erich Jaffe (manchmal auch Jaffé geschrieben) war Kunsthistoriker, der 1922 in Leipzig mit einer Dissertation über „Die bayrische Figuralplastik des spätgotischen Barock“ seine Studien abschloss. Er war Mitarbeiter der Ende des Jahres 1922 gegründete Kölner Niederlassung der Galerie -> FLECHTHEIM, Düsseldorf, Berlin (Roman Norbert Ketterer 1989, S. 392) und machte sich 1924 mit seiner Partnerin Alice Guttmann selbständig. Aus einer im Juni 1924 geschalteten Anzeige geht hervor, dass es neben Köln auch noch eine Berliner Niederlage gab. Wahrscheinlich ist, dass Dr. Jaffe die Galerie in Köln und Alice Guttmann die Berliner Galerie leitete.
Wann sich die beiden Partner trennten, ist unbekannt, ab etwa 1926 ist nur mehr von der „Galerie Dr. Jaffe“ die Rede. Gleichzeitig ist auch eine Ausweitung des Angebots in Richtung zeitgenössischer Kunst feststellbar. In den Jahren 1927 und 1928 sind einige Einzelausstellungen nachzuweisen: 1927 stellte Otto Dix aus und die Wanderausstellung von Rudolf Levy, die 1926 und 1927 u. a. in den Galerien -> FLECHTHEIM (Berlin und Düsseldorf), -> ARNOLD (Dresden), -> COMMETER (Hamburg) und -> THANNHAUSER (München) gezeigt wurde, machte bei Dr. Jaffe in Köln Station. Danach erfolgt eine Zusammenarbeit oder ein Zusammenschluss mit der Galerie -> DR. BECKER-NEWMANN: Unter „Dr. Jaffe Alte Kunst Moderne Kunst, Köln und Dr. Becker-Newmann, Köln“ wurde im Herbst 1927 eine Personale von Richard Seewald gezeigt, 1928 folgten eine Georg-Kolbe-Ausstellung und Pastelle und Zeichnungen von Edgar Degas.
Die Bandbreite des Angebots belegen auch die Verkäufe und Geschenke an verschiedene Museen: Verkauft wurde 1928 ein Stilleben mit Mandoline des zeitgenössischen spanischen Malers Ismaël Gonzáles de la Serna an die Kunsthalle Mannheim (Entartete Kunst 1987, S. 63), im selben Jahr ein Aquarell von Emil Nolde an das Wallraf-Richartz-Museum in Köln (100 Arbeiten auf Papier 1986, S. A 38). Dasselbe Museum erhielt ein Werk des niederländischen Künstlers des 17. Jahrhunderts, Jan A. Beerstraaten als Geschenk (Hans F. Secker 1927, Tafel 5), das Museum in Duisburg erhielt 1931 eine Zeichnung von Georg Minne vom Kunsthändler geschenkt (Wilhelm-Lehmbruck-Museum Duisburg 1964, S. 22).
Über die weitere Geschichte der Galerie respektive über den Lebensweg von Otto Erich Jaffe gibt es derzeit keine gesicherten Informationen. Der Galerist musste emigrieren (Kölnischer Kunstverein 1989, Band 5, S. 124) und starb vor 1978 (Roman Norbert Ketterer in einem 1978 geführten Gespräch: „Dr. Jaffé, der unlängst verstorben ist.“ abgedruckt in: Roman Norbert Ketterer 1989, S. 392)

Nachweise:
Pantheon 1926; Maecenas 1927

Hans F. Secker: Die Galerie der Neuzeit im Museum Wallraf-Richartz. Hrsg. v. der Wallraf-Richartz-Gesellschaft in Köln.- Leipzig 1927
Wilhelm-Lehmbruck-Museum Duisburg. Band I. Wilhelm Lehmbruck-Sammlung Plastik, Malerei.- Recklinghausen 1964
Vom Dadamax zum Grüngürtel. Köln in den 20er Jahren.- Köln 1975
100 Arbeiten auf Papier aus der Graphischen Sammlung des Museums Ludwig Köln mit Bestandsverzeichnis der Zeichnungen.- Köln 1986
Entartete Kunst - Beschlagnahmeaktionen in der Städtischen Kunsthalle Mannheim 1937.- Mannheim 1987
Roman Norbert Ketterer: Dialoge. Bildende Kunst. Kunsthandel.- Stuttgart 1989
Kölnischer Kunstverein. Einhundertfünfzig Jahre Kunstvermittlung.- Köln 1989