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Kunstsalon Lenobel
  • © Berlinische Galerie / Wolfgang Wittrock
  • Repro: Berlinische Galerie
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LENOBEL
KUNSTSALON LENOBEL
KUNSTSALON LENOBEL G. M. B. H.

Adresse: KÖLN, Preussen/Rheinprovinz (Nordrhein-Westfalen), Kreuzgasse 22 (1905-1909); Friesenplatz, Hansahaus (1909-1911)
Inhaber: Richard Lenobel; Kunstsalon Lenobel G. m. b. H.
Bestand: 1905-1911
Charakteristik: Kunsthandlung
„Kunstsalon Lenobel, Kreuzgasse 22. Gegr. 1905. Inhaber: Richard Lenobel. Charakter des Salons: Ausstellung von Kunstwerken der Malerei, Bildhauerei, sowie von Radierungen. Kollektivausstellungen und Einzelwerke. Eintrittsgeld: 50 Pf. Montags: 1 Mk.“ (Dresslers Kunstjahrbuch 1906. S. 509); „Kunstsalon Lenobel. Köln, Kreuzgasse 22 gegenüber dem alten Stadt-Theater. Permanente Kunst-Ausstellung. 4 vornehm ausgestattete Säle. I. Etage. Im Parterrelokal Kunsthandel, Werke moderner u. alter Meister. Übernahme v. Gemälden z. freihändigen Verkauf.“ (Anzeige in: Jahrbuch der Bildenden Kunst 1905/06, Anzeigenseite V);
„Permanente Kunstausstellung Kunstsalon Lenobel. Köln, Kreuzgasse 22. Eintritt 50 Pfenning.“ (Anzeige in: {Kölner Ausstellung 1907. Veranstaltet von der Aktiengesellschaft Flora. Anzeigenseite 12);} „Kunstsalon Lenobel G. m. b. H. Köln, Hansahaus. Friesenplatz. Antiquitäten insbesondere antike Original-Möbel jeden Stils. Antiker Hausrat in Zinn, Porzellan, Messing, Kupfer, Glas etc. Verkauf nur an Händler.- Export.“ (Anzeige in: Der Kunstmarkt. Nr. 11 v. 17. 12. 1909, S. 90)

Ausstellungen:
1905: Ferdinand Brütt; Rudolf Sieck; Zeichner des Simplicissimus (dabei Walther Caspari, Walter Georgi, Ernst Heilemann, Adolf Münzer, Bruno Paul, Ferdinand von Reznicek, Wilhelm Schulz, Eduard Thöny); Julius Paul Junghanns; Hans Thoma; Heinrich Volz; „Die Elbier“ (Dresdner Künstlervereinigung)
1906: Kollektionen von Gemälden (dabei u. a. Albert Engstfeld, Walter Firle, Walter Leistikow,
Wilhelm Schreuer, Hans Richard von Volkmann, Theodor Winter), Zeichnungen und Graphik (dabei u. a. D. Cameron, Fidus, Heinrich Reifferscheid, Edmund Steppes, Hans Wildermann), Skulpturen (Georg Grasegger, Heinz Müller); Adolf Hölzel; Emil Nolde; Wilhelm Schreuer; Edmund Steppes
1907: Kollektionen und Werkgruppen von u. a. Charles Cottet, Amandus Faure, Fidus, Wilhelm Hambüchen, Karl Hofer, Ludwig v. Hofmann, Arthur Illies, Friedrich Kallmorgen, Richard Pietzsch, Félicien Rops, Karl Schmoll von Eisenwerth, Rudolf Sieck, Eugen Spiro, Edmund Steppes, Hans Wildermann, Fritz Thaulow (†); Zeichner der Münchner Zeitschrift „Jugend“
1908: Gabriele Münter (Ölbilder); Hans Wildermann (Graphik und Plastik); Gabriele Münter (Holz- und Linolschnitte), Albert Stagura; Theodor Alt; Eugen Spiro; Graphik (dabei u. a. Otto Greiner, Max Klinger, Max Liebermann)
1909: Karl Hofer

Bemerkung:
Der Kunstsalon Lenobel wurde von dem Photographen Richard Lenobel im September 1905 in der Kreuzgasse 22 nächst dem Stadttheater in vier „vornehm ausgestatteten Sälen“ (Jahrbuch der Bildenden Kunst 1905/06, Anzeigenseite V) eröffnet. Der Kölner Stadt-Anzeiger begrüsste den „sehr elegant ausgestatteten“ Kunstsalon und nannte die Kunsthandlung ein „weiteres Fördermittel künstlerischer Anregungen“ in Köln (Kölner Stadt-Anzeiger. 4. 9. 1905).
Das Plakat zur Eröffnung stammte von dem Düsseldorfer Maler und Graphiker Hans Deiters, der für seine Plakate mit leichtbekleideten Mädchen berühmt und berüchtigt war. Auch für den Kunstsalon Lenobel blieb er seinem Ruf treu und zeigte eine barbusige Dame, die eine nackte Statue in der Hand hält (Historische Plakate 1995, Nr. 97) und rief damit „eine für ihre Erreger beschämende ‚Sittlichkeitsdebatte’“ hervor (Jahrbuch der bildenden Kunst. 1906/07, S. 40)
Die erste „Saison“ der Kunsthandlung besprach Arnold Fortlage: „Der […] Kunstsalon Lenobel […] setzte mit gutem Mut und sehr vielversprechend ein, hat aber doch im Laufe der Zeit leider etwas abgeflaut. Darbietungen, die ihm nicht vergessen sein sollen, und für die man ihm dankbar sein muß, waren besonders die Kollektionen F. Britt [Brütt], den Elbiern [Dresdner Künstlervereinigung Die Elbier], Edm. Steppes, Thoma und die größere Serie von Simplicissimus-Zeichnungen.“ (Jahrbuch der bildenden Kunst. 1906/07, S. 40)
1906 schickte Lenobel eine Kollektion von Bildern zur Ausstellung in den Kunstverein Heidelberg (Christmuth Präger 1994, S. 123). Im selben Jahr wurde vom Kunstsalon der Werkzyklus „zu Richard Wagners ‚Parsifal’“ von Hans Wildermann, der regelmässig ausstellte, von dem Kölner Sammler Wilhelm Heyer (1849-1913) für sein 1905 erbautes „Musikmuseum“ erworben. (Die Kunst für Alle. H. 18 v. 15. 6. 1906, Anzeigenseite S. I).
Zahlreiche Ausstellungen waren der Graphik gewidmet, Beispiele sind Präsentationen der Zeichner der Münchner Zeitschriften „Simplicissimus“ und „Jugend“ und eine 1907 veranstaltete Ausstellung des graphischen Werkes von Félicien Rops, die besonders hervorgehoben wurde, da nicht nur das bekannte Werk gezeigt wurde sondern auch, wie Arnold Fortlage berichtet, „in einem besonderen Saale, über 60 sehr selten sichtbare, die satanischen Erotica, Ausgeburten wildester, manchmal erschreckender Phantasie auf dem Gebiete des Perversen und Grausigen.“ (Die Kunst. H. 4 v. Januar 1908, S. 166).
Besonderes Verdienst erwarb sich Lenobel mit der ersten Galerieausstellung von Gabriele Münter, von der an der Jahreswende 1907/1908 eine Ausstellung mit Gemälden und 1908 eine mit Holz- und Linolschnitten gezeigt wurde (Gabriele Münter 1992, S. 12, 31, 297; Gabriele Münter 2000, S. 50-51). In den Kritiken zur Ausstellung wurde die „besondere Kühnheit und ein ungewöhnlicher Strebensernst in diesen, ohne jede Rücksicht auf die Durchschnittsanschauungen geschaffenen Bildchen“, von einer „Impressionistin echt pariserischen Stils“ und „prickelnde Lebendigkeit“ hervorgehoben (zitiert in: Münter 2000, S. 50). Die Gemäldeausstellung wanderte anschliessend nach Krefeld (Kaiser Wilhelm-Museum) und Breslau (Schlesisches Museum der Bildenden Künste), die Graphikausstellung wurde anschliessend in Bonn,  SALON COHEN gezeigt.
Die letzte festgestellte Ausstellung fand etwa April/Mai 1909 statt. „Unter den wechselnden Ausstellungen der verschiedenen Salons ist die seit langem interessanteste eine Kollektion neuerer Werke von Karl Hofer, die bei Lenobel zu sehen sind. Zwar noch wie früher spricht Hofer aus den Menschenleibern die starke Stimme der Linie und Komposition; aber zu ihr gesellt sich in den neuesten Werken mit schöner Ausdruckskraft ein süsser Schmelz der Farbe, den der Künstler seit er von Rom nach Paris übersiedelt ist, der silbrigen Seine-Luft absehen lernte.“ (Die Kunst. H. 9 v. Juni 1909, S. 427)
Wenig später wurde der Kunstsalon in eine G. m. b. H. umgewandelt, übersiedelte in das „Hansahaus“ am Friesenplatz und veränderte seinen Charakter in der Form, dass in der Folge nur noch Antiquitäten, Bronzen, antike Möbel, antiker Hausrat und Orientteppiche für Wiederverkäufer angeboten wurden (Anzeige in: Der Kunstmarkt. Nr. 11 v. 17. 12. 1909, S. 90). Aber auch diese Umstellung währte nicht lange. Am 7. und 8. März 1911 wurde die „Antiquitäten-Sammlung ausschliesslich aus dem Besitz des Kunstsalons Lenobel G. m. b. H., Köln“ von dem Frankfurter Auktionshaus Rudolf -> BANGEL versteigert.

Nachweise:
Dressler 1906; 1907; 1908; 1909

Verzeichnis der Antiquitäten-Sammlung ausschliesslich aus dem Besitz des Kunstsalons Lenobel G. m. b. H., Köln.- Frankfurt am Main: Rudolf Bangel 7.- 8. 3. 1911 (Auktion 781)
Christmuth Präger: 125 Jahre Heidelberger Kunstverein. Chronik und Materialien.- Heidelberg 1994
Historische Plakate 1890-1914. Hrsg. v. Susanne Anna.- Chemnitz 1995
Gabriele Münter 1877-1962. Retrospektive. Hrsg. v. Annegret Hoberg und Helmut Friedel. (2. verbesserte Auflage.)- München 1992
Gabriele Münter. Das druckgraphische Werk. Hrsg. v. Helmut Friedel.- München 2000