Results:  1

Der Neue Buchladen
  • © Berlinische Galerie / Wolfgang Wittrock
  • Repro: Berlinische Galerie
Transcription / Description
Further links
Related Objects
Additional Reproductions

NEUE BUCHLADEN, DER
DER NEUE BUCHLADEN

Adresse: KÖLN, Preussen/Rheinprovinz (Nordrhein-Westfalen), Passage 53/Ecke Brückenstrasse/Hohestrasse
Inhaber: Karl Toelle
Mitarbeiter: Wilhelm Ehglücksfurtner
Bestand: 1924-1925
Charakteristik: Buch- und Kunsthandlung
„Literatur. Kunst. Politik“ (Werbepostkarte 1924); „Soz. Literatur, Politik und Kunst. Sämtliche Erscheinungen des Malik-Verlags“ (Anzeige in: Der Stromer. H. 1 v. November 1924)

Ausstellungen:
1925: Gerd Arntz
ohne Jahr: Hans Schmitz

Bemerkung:
Die Buchhandlung wurde am 1. September 1924 in der um 1863 angelegten „Königin-Augusta-Halle“, Passage 53 von dem aus Aachen stammenden Karl Toelle eröffnet. Wilhelm Ehglücksfurtner (1898-1969) firmierte als Geschäftsführer und berichtete einem Freund von den Vorarbeiten: „Karls Geschäftsvorbereitungen machen große Fortschritte, der Innenraum ist beinahe fertig. Weiße Decke, hellgraue Wände, die Schränke englisch rot. Es sieht sehr einheitlich und gut aus.“ (Zeitgenossen 2000, S. 30) Heinrich Hoerle gestaltete den Innenraum, Franz Wilhelm Seiwert war für die aufwendig dekorierte Fassade verantwortlich (Abb. in Seiwert 1978, S. 114 und in: Zeitgenossen 2000, Kat. Nr. 32-34) und gestaltete die Werbung und Kataloge (Abb. in: Seiwert 1978, S. 246).
Ein Zeitgenosse, der Schriftsteller Hans Schmitt-Rost (1901-1978), erinnert sich an den „Neuen Buchladen“, „wo ausdrücklich zum ersten Male Literatur, Kunst und Politik als Einheit firmierten. Die Ausrichtung war marxistisch. Hier fanden die Kölner Progressiven [Heinrich] Hoerle und [Franz Wilhelm] Seiwert eine Tür zur Öffentlichkeit. Der Haussockel dieses winkligen Ladens am Ausgang der alten Passage an der Hohestraße war über und über mit konstruktivistischen Figurationen und mit Schriften in typographischer Strenge bedeckt, ein leicht alarmierendes Unikum für Köln. Hier sah ich zum ersten Male Bilder von Heinrich Hoerle.“ (Vom Dadamax zum Grüngürtel 1975, S. 23)
Das Buchprogramm war politisch links orientiert wozu auch regelmässig Vorträge der „Künstlerhilfe“ gehörten sowie „wechselnde Ausstellungen von Werken der Künstler der Internationalen Künstlerhilfe“ (Zeitgenossen 2000, S. 30). In Mappen wurden ständig Arbeiten der Künstler Gerd Arntz, Jankel Adler, Otto Freundlich, Franz Maria Jansen, Heinrich Hoerle, Hans Schmitz und Franz Wilhelm Seiwert angeboten.
1925 musste Karl Toelle, wohl aus finanziellen Gründen, die Buchhandlung aufgeben. Nachfolger wurde der Politiker und Publizist Willi/Willy (Wilhelm) Münzenberg (1889-1940), seit 1923 Inhaber des 1913 gegründeten „Neuer Deutscher Verlag“. Er schloss die Buchhandlung endgültig 1928.

Nachweise:
Vom Dadamax zum Grüngürtel. Köln in den 20er Jahren.- Köln 1975
Franz W. Seiwert 1894-1933. Leben und Werk. Text und Werkverzeichnis Uli Bohnen.- Köln 1978
Kölnischer Kunstverein. Einhundertfünfzig Jahre Kunstvermittlung.- Köln 1989
Zeitgenossen. August Sander und die Kunstszene der 20er Jahre im Rheinland.- Göttingen 2000