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Richmod Galerie
  • © Berlinische Galerie / Wolfgang Wittrock
  • Repro: Berlinische Galerie
    • Werner J. Schweiger (1949 - 2011)

  • TitelRichmod Galerie[Eintrag für geplante Publikation "Lexikon des Kunsthandels der Moderne im deutschsprachigen Raum 1905-1937"]
  • Datierung2005 - 2011
  • GattungManuskripte
  • Materialdigital
  • KonvolutKunstarchiv Werner J. Schweiger
  • InventarnummerBG-WJS-M-1,168
  • CreditlineZustiftung Christa M. Schweiger, Wien und Wolfgang Wittrock, Berlin, 2016
  • AusgestelltNein
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RICHMOD GALERIE

Adresse: KÖLN, Preussen/Rheinprovinz (Nordrhein-Westfalen), Richmodstrasse 3
Inhaber: Casimir Hagen
Bestand: 1926-1927
Charakteristik: Kunsthandlung
„Richmod Galerie Casimir Hagen. Neue Kunst: Jankel Adler, Gerd Arntz, Max Ernst, Marta Hegemann, Heinrich Hoerle, Anton Räderscheidt, Franz W. Seiwert, Gert H. Wollheim; Alte Kunst: Gemälde, Plastik, Möbel“ (Anzeige in: Das Kunstblatt. H. 10 v. Oktober 1926, Umschlagseite 4)

Ausstellungen:
1926: Eröffnungsausstellung (dabei Jankel Adler, Gert Arntz, Max Ernst, Martha Hegemann, Heinrich Hoerle, Anton Räderscheidt, Franz W. Seiwert, Gert H. Wollheim)

Bemerkung:
„Die Richmod-Galerie, Casimir Hagen, ist seit Oktober eröffnet. Die Bestrebungen der Galerie gehen dahin, die neue rheinische Kunst, besonders der lebenden Kölner Maler, zu zeigen, daneben aber auch alte gute Kunst. Das erste Bilderheft ist soeben verschickt worden.“ (Antiquitäten-Zeitung. H. 21 v. 1. 11. 1926, S. 204)
Über die Eröffnungsausstellung schreibt Alfred Salmony: „Das noch nicht sehr rege bildkünstlerische Leben der westlichen Hauptstadt wird einen neuen Antrieb durch die soeben eröffnete Richmod-Galerie erhalten. Sie ist höchst neutral nach der Straße benannt. So merkt man nicht sogleich, daß sie den radikalsten und deshalb sympathischsten Künstlern des Westens dienen will.“ (Der Cicerone. H. 24 v. Dezember 1926, S. 810)
Zur Eröffnung erschien der erste (und derzeit einzig nachgewiesene) Katalog unter dem Titel
„Neue Kunst - Alte Kunst“ und Casimir Hagen schreibt darüber: „Über die Ausstellungen habe ich ein Büchlein mit 28 Abbildungen von Gemälden und Porträtphotos der Maler und einiger meiner älteren Kunstgegenstände herausgegeben. Durch diese neuartige drucktechnische Aufmachung fand es allgemeine Beachtung, besonders durch die darin gezeigten Gemälde, die für 1926 sehr herausfordernd waren.“ (Hagen 1955, S. 28)
Der ehemalige Postinspektor, Kunsthändler und Sammler Casimir Hagen (1887-1965) berichtet über die Gründung der Galerie in seinen Erinnerungen: „Im Jahre 1926 verlegte ich meine Wohnung in den Mittelpunkt von Köln in ein altes Patrizierhaus, in der Richmodstraße, eine Nebenstraße des Neumarktes […] Da ich in meiner neuen Wohnung sehr viel Raum besaß, kam ich auf den Gedanken, den 1. Stock des Hauses einer fortschrittlichen Malergruppe als Ausstellungsräume zur Verfügung zu stellen. Unter dem Namen ‚Richmod-Galerie’, deren Rührigkeit eine starke Wirkung nach außen hervorrief, habe ich mich für die moderne Malerei sehr eingesetzt. […] Ich konnte den Malern verschiedene Arbeiten an Sammler und Museen, ohne jeden geldlichen Gewinn für mich, vermitteln. Der Verkehr mit den Künstlern war sehr erfrischend und brachte mir neue Anregungen, auch die Möglichkeit, Moderne Bilder zu erwerben. Schon 1926 zeigt ich Gemälde von damals noch wenig, heute aber um so mehr geschätzten Malern: Paul Klee, Oskar Kokoschka, E. L. Kirchner, Max Beckmann, Otto Dix, Maurice Vlaminck, Christian Rohlfs, Edward Munch.“ (Hagen 1955, S. 28-30)
Hagen, der nach 1922 vier Semester Kunstgeschichte an der Universität Köln studiert hatte, veränderte 1927 das Programm seiner Galerie, worüber der „Kölner-Stadt-Anzeiger“ am 14. 10. 1927 berichtet. „Die Galerie Casimir Hagen […] die im vergangenen Jahr Vertreter der jungen Kunst […] durch Ausstellungen zu fördern suchte, wird in Zukunft in erster Linie wieder die Pflege alter Kunst in ihr Arbeitsprogramm setzen.“ Und die „Antiquitäten-Zeitung“ schreibt: „Einst enfent terrible an Modernität, zeigt diese Galerie nunmehr ein neues, d. h. eigentlich ein altes Gesicht. Denn es handelt sich um Mittelalter, Barock, Volkskunst, kurz um alte Kunst, die sie zeigt.“ (H. 23 v. 1. 12. 1927, S. 171)
Wie lange Casimir Hagen den Kunsthandel in der Richmodstrasse betrieb, ist nicht überliefert. 1934 bezog er mit seiner immer umfangreicher werdenden Sammlungen eine Wohnung in der Hohe Strasse.
Trotz grosser Kriegsverluste rettete Hagen Teile seiner Sammlungen über den 2. Weltkrieg und errichtete zwischen 1957 und 1964 zahlreiche Stiftungen in den Städten Köln, Bonn, Wesel, Oberhausen und Rheine.

Nachweise:
Handbuch des Kunstmarktes 1926 (als Sammler); Maecenas 1927 (als Sammler); Maecenas 1930 (als Sammler)

Neue Kunst - Alte Kunst. Jankel Adler, Gerd Arntz, Max Ernst, Marta Hegemann, Heinrich Hoerle, Anton Räderscheidt, Franz W. Seiwert, Gert H. Wollheim.- Richmod Galerie Casimir Hagen 1926
Kasimir Hagen: Aus Kunst und Leben. Meine 50jährigen Erfahrungen als Kunstsammler. Erster Band. Gemälde des 19. und 20. Jahrhunderts.- Köln 1955
Vom Dadamax zum Grüngürtel. Köln in den 20er Jahren.- Köln 1975
Franz W. Seiwert 1894-1933. Leben und Werk. Text und Werkverzeichnis Uli Bohnen.- Köln 1978
Marta Hegemann (1894-1970). Leben und Werk.- Köln 1990
Liebe Macht Kunst. Künstlerpaare im 20. Jahrhundert. Hrsg. v. Renate Berger.- Köln 2000