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Riesemann & Lintaler
  • © Berlinische Galerie / Wolfgang Wittrock
  • Repro: Berlinische Galerie
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RIESEMANN & LINTALER
KUNSTSALON RIESEMANN & LINTALER
KUNSTSALON RIESEMANN & LINTALER G. M. B. H.

Adresse: KÖNIGSBERG I. PR., Preussen/Provinz Ostpreussen (Kaliningrad/Калининград, Russland), Französische Strasse 5 (ab 1907); Bergplatz 15 (nach 1931 in Schiefer Berg umbenannt) (ab etwa 1929)
Inhaber: Paul Riesemann, Max Lintaler; später eine G. m. b. H.
Mitarbeiter: Paul Riesemann, Max Lintaler (Geschäftsführer)
Bestand: 1907-1944
Charakteristik: Buchhandlung, Kunsthandlung, Kunstsalon, Kunstverlag
„Permanente Kunst-Ausstellung der bildenden und angewandten Kunst. Reich assortiertes und gut gewähltes Lager an Stahlstichen, Kupferätzungen, Aquarellgravuren, gerahmt und ungerahmt. Kunstgewerbe. Skulpturen. Jahreskarte Mk 2.- “ (Anzeige in: Kunstverein Königsberg. 45. Kunstausstellung 1909. S. [57]; „Monatlich wechselnde Ausstellungen. Großes Lager an künstl. Wandschmuck jeder Art.“ (Anzeige in: Kunstverein Königsberg. [46.] Kunstausstellung 1911. S. [47]); „Größte Auswahl in moderner Graphik“ (Anzeige in: Kunstverein Königsberg. 54. Kunstausstellung 1919. S. [35]); „Buch- u. Kunsth. nebst Kunstsalon. Spez.: Schöne Literatur, Geschichte, Politik, Kunst u. Kunstgewerbe, Vorzugsdrucke u. Mod. Graphik. Erbitten direkte Nachr. über Neuerscheinungen von Vorzugsdrucken u. Mod. Graphik. Verlag von Königsb. Original-Radierungen.“ (Adressbuch des Deutschen Buchhandels 1928, S. 495); Riesemann & Lintaler. Kunstsalon. Königsberg i. Pr., Französische Str. 5 (Galerieaufkleber); {„Große Auswahl von Arbeiten ostpreußischer Künstler haben die Kunsthandlungen Riesemann & Lintaler, Schiefer Berg 15, und Bernh. Teichert, Gr. Schloßteichstraße 8, vorrätig“ (Führer durch Königsberg und Umgebung. 8. Auflage 1938, S. 121} (Dank {an Felicitas Brachert-Schneider, XXXXXXXXXX,} für diesen Hinweis)

Ausstellungen:
1907/1908: Wenzel Hablik; Arthur Grunenberg; Hugo Walzer; Emil Grau; Rudi Hammer; Bruno Krauskopf; Adolph Menzel
1908/1909; {Otto Beyer; Fritz und Wanda Dägling; Emil Dörstling; Rudolf Krauskoff; Max Neumann; M. Seek; Arthur Weiss}
1909: Gertrud Eichhorn; Robert Budzinski; Wilhelm Rohr
1911: Theodor Schindler; Arwed Seitz; Hans von Bartels
1913: Otto Heichert; Hans Kallmeyer; Bernhard Maximilian Sturmhöfel; Leopold Graf von Kalckreuth; Karl Thiemann; Robert Richter; Fritz Cohrs; Schüler von Olof Jernberg [seit 1901 Lehrer an der Kunstakademie Königsberg] (dabei u. a. Paul Frost, Hermann Heesch, Oswald Boche)
1914: Max Pechstein; Wilhelm Leibl, Walter Firle, Peter Paul Müller, A. Weise, Hermann Fenner-Behmer
1921: Alexander Kolde
1923: Alexander Kolde
1926: Ernst Rimmek
1929: Alexander Kolde
1931: Ingrid Starke
1933: Gerhard Eisenblätter
1935: Erika (Eisenblätter-)Laskowski
1936: Alexander Kolde

Verlag:
Während des 1.Weltkrieges begann die Kunsthandlung mit der Verlagsproduktion. („Neuerscheinungen moderner Graphik“, Anzeige in: Kunstverein Königsberg. [51.] Kunstausstellung 1917. S. [19]). Von folgenden Künstlern konnte Originalgraphik festgestellt werden: Robert Budzinski, Luise Dannehl, Robert Friese, Paul Emil Gabel, Theodor Urtnowski, Margarete Wedel und Heinrich Wolff.
Im „Adressbuch des Deutschen Buchhandels“ nannte sich Riesemann & Lintaler später „Verlag von Königsberger Original-Radierungen“ (z. B. 1926). 1925 erschien eine Postkartenserie mit Königsberger Motiven nach Federzeichnungen von Paul Emil Gabel, 1927 erschien die Mappe Masuren. 32 Zeichnungen von Julius Freymuth, Dichtung von E. Kurt Fischer.

Bemerkung:
Der am 1. November 1907 gegründete „Kunstsalon Riesemann & Lintaler“ war neben der 1889 gegründeten Buch- und Kunsthandlung  TEICHERT die einzige Kunsthandlung in Königsberg, die durch einen längeren Zeitraum Bestand hatte.
Quellen und Literatur zum Kunstsalon sind derzeit kaum nachweisbar, in einer zeitgenössischen Monographie über den Königsberger Buchhandel heisst es, Riesemann & Lintaler „erwählte von Anfang an die Kunstliteratur […] und die graphischen Künste als ihren Hauptinteressenkreis“ (Frieda Magnus-Unzer 1929, S. 107; Dank für diesen Hinweis an Joachim Artz, Kurt Losch-Archiv, Berlin), eine kurze Charakteristik findet sich in der 1993 erschienenen Geschichte des Königsberger Kunstvereins: „Eine bedeutende Kunsthandlung war auch die 1907 von Paul Riesemann und Max Linthaler [!] gegründete. [Sie] führte ständig Ausstellungen von Kunstwerken lebender Künstler durch. Auch sie hatte 1944 das gleiche Schicksal der Zerstörung wie die Kunsthandlung Teichert. Beide Handlungen haben in diesem Jahrhundert den Kunstmarkt der Stadt fachkundig bestimmt.“ (Die Ausstellungskataloge 1993, S. 33)
Im ersten Bestandsjahr 1907/08 „kam neben einem experimentierenden jungen Böhmen, Wenzel Hablik, vor allem die jüngere Generation Königsberger Maler zu Wort“ (Jahrbuch der bildenden Kunst. 1908/09, S. 42), darunter Arthur Grunenberg, Hugo Walzer, Emil Grau, Rudi Hammer, Bruno Krauskopf.
Königsberger und andere ostpreussische Künstler sowie die Professoren (und Schüler) der Akadmie bestimmten vorwiegend auch das weitere Ausstellungsprogramm der Galerie und des kleinen Kunstverlags. 1921 annoncierte die Kunsthandlung, sie sei „Alleinvertreter der Künstlergruppe Der Ring“ (Anzeige in: Kunstverein Königsberg, 55. Kunst-Ausstellung 1921, S. [31]), einer um 1919 in Königsberg gegründeten Künstlervereinigung, der u. a. Gerhard T. Buchholz, Julius Freymuth, Charles Girod, Walter Koschintzki, Alexander Kolde, Arthur Kuhnau, Walter Rosenberg und Arthur Wellmann angehörten. Von einem der Gründungsmitglieder, Alexander Kolde, der seit 1919 in Königsberg lebte, sind mehrere Ausstellungen (1921, 1923, 1929) oder Beteiligungen bekannt.
Dass relativ wenige Ausstellungen nachgewiesen werden können, liegt daran, dass Königsberg in den überregionalen Kunstzeitschriften kaum beachtet wurde und bei den seltenen Meldungen die beiden Kunsthandlungen Riesemann & Lintaler und Bernhard Teichert öfter in einem einzigen Bericht abgehandelt wurden und die genannten Künstler den einzelnen Kunsthandlungen nicht immer zugeordnet werden können. (Beispiele in: Der Cicerone. H. 1, 1913, S. 21 und H. 1, 1914, S. 25) Dass es aber nicht nur an den überregionalen Kunstzeitschriften lag, berichtet Karl Lemke 1921: „Wenn heute immer noch das Kunstleben Königsbergs allen anderen Städten nachhinkt, trostlos niedrige Linie zeigt, - die Schuld trifft nicht die Künstler, Grund ist nicht Mangel an guten Künstlern, - Ursache suche man allein in der Stellungnahme der Presse! Völlige Teilnahmslosigkeit in einem Teile, obstinate Verbohrtheit ins Gegebene auf der andere Seite, das ist der traurige Stand in der Königsberger Kunstkritik.“ (Karl Lemke: Königsberg i. Pr.- in: Der Ararat. H. 3 v. März 1921, S. 119-120)
Der 1940 verstorbene Paul Riesemann, der seine Ausbildung bei -> BERNH. TEICHERT absolvierte ({Rudolf Meyer-Bremen 2002),} war Vertrauensmann für Ostpreussen im „Bund der Deutschen Kunst- und Antiquitätenhändler e. V., Fachverband der Reichskammer der bildenden Künste“.
Die Kunsthandlung wurde im August 1944 bei der Bombardierung Königsbergs zerstört.

Nachweise:
Adressbuch des Deutschen Buchhandels; Müller, Adressbuch des Deutschen Buchhandels und verwandter Berufszweige; Dressler 1913; Pantheon 1914; Dressler 1923; Handbuch des Kunstmarktes 1926; Maecenas 1927; Maecenas 1930; Dressler 1930

Frieda Magnus-Unzer: Beiträge zur Geschichte des Königsberger Buchhandels.- Königsberg 1929
Die Ausstellungskataloge des Königsberger Kunstvereins (20. Jahrhundert). Mit Künstlerregister, sowie der Geschichte der anderen Ost - und Westpreussischen Kunstvereine. Bearbeitet und hrsg. v. Rudolf Meyer-Bremen.- Köln 1993
{Rudolf Meyer-Bremen: „Wunderbares Bild in der Seele“. Entwicklung der Landschaftsmalerei auf der Kurischen Nehrung.- in: Preußische Allgemeine Zeitung. Mit Ostpreußenblatt. 5. 10. 2002}