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Galerie Remmler & Co.
  • © Berlinische Galerie / Wolfgang Wittrock
  • Repro: Berlinische Galerie
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REMMLER
REMMLER & CO.
GALERIE REMMLER & CO.
MODERNE GALERIE REMMLER & CO.
GRAPHISCHES KABINETT DEHNE & REMMLER

Adresse: LEIPZIG, Sachsen, Tröndlinring 3 (1919-1937); Pfaffendorfer Strasse 2 (1938); Körnerplatz 6 (1940)
Inhaber: Alfred Remmler (1919); Alfred Remmler, Willy Franke (bis 1928); Alfred Remmler (1929-1940)
Bestand: 1919-(1940)
Charakteristik: Kunsthandlung und Gemäldeausstellung
„Moderne und alte Meister. Galerie Remmler & Co. Leipzig, Tröndlinring Nr. 3“ (Anzeige in: Der Cicerone. H. 10 v. Mai 1920, Anzeigenseite)

Ausstellungen:
1919: „Eröffnungs-Ausstellung Herbst 1919“ mit „Sonderausstellung Dresdner Künstler“. Neben Einzelwerken von mehr als einhundert lebenden Künstlern vorwiegend aus München und Dresden wurden auch kleinere Kollektionen der folgenden Münchner Maler ausgestellt: Josef Burger, Ernst Dargen, Fritz Gärtner, Karl Heffner, Hans Lietzmann, Lothar Meilinger, Albert Spethmann sowie eine Reihe von Werken des Karlsruher Malers August Rumm. In der „Sonderausstellung Dresdner Künstler“ waren vertreten: Siegfried Berndt, Richard Birnstengel, Eugen Bracht, Erich Buchwald-Zinnwald, Ferdinand Dorsch, Georg Gelbke, Paul Groß, Emanuel Hegenbarth, Wenzel Labus, Siegfried Mackowsky, Georg Oehme, Peter Pöppelmann, Richard Scholz, Paul Wilhelm
1920: Max Pechstein; Gemälde Münchner Künstler, Curt Meyer-Eberhardt (Graphik); Gemälde und Graphik von u. a. François Millet, Carl Spitzweg, Fritz von Uhde; August Rumm; Graphik eines Leipziger Verlages [wohl der „Friedrich Dehne Verlag für moderne Graphik“]; Gemälde Münchner Meister
1921: Gemälde Münchner Meister; Werke von u. a. Eugen Bracht, Max Rabes, Richard Müller
1924: Josef Hegenbarth (Aquarelle, Handzeichnungen, Druckgraphik)
1925: Wilhelm Georg Ritter

Bemerkung:
Die am 15. September 1919 von Alfred Remmler gegründete „Galerie Remmler & Co.“ eröffnete ihre Räume am Tröndlinring 3 im Gebäude der „Mitteldeutschen Privatbank“, zentral neben Hauptbahnhof und Börse gelegen.
Zur „Eröffnungs-Ausstellung Herbst 1919“ erschien ein umfangreicher Katalog mit 312 Nummern (und 26 Abbildungen auf Tafeln) von mehr als 140 Künstlern, davon mehr als einhundert lebenden Malern, vorwiegend aus München und Dresden. Teil der ersten Ausstellung war eine „Sonderausstellung Dresdner Künstler“ mit Werken von 14 Malern zwischen Eugen Bracht (*1842) und Georg Oehme (*1890), die anderen Künstler waren Geburtsjahrgänge um 1880. Lediglich ein einziger Künstler, Franz Hein, wurde mit dem Wirkungsort Leipzig geführt. Das Gros der Bilder waren Landschaften, daneben auch Stilleben, Interieurs und Portraits.
Auch für die Galerie Remmler dürfte gelten, was Eckard v. Sydow Ende 1920 über den Leipziger Kunsthandel schrieb: „Die Kunst-Salons Leipzigs passen sich den Bedürfnissen ihres Publikums in engster Weise an, nirgends findet man Sinn für den Geist der Modernen, ganz zu schweigen von propagandistischer oder auch nur fördernder Tätigkeit.“ (Eckard v. Sydow: Leipzig.- in: Der Ararat. Nr. 11/12 v. Dezember 1920, S. 146-148; Zitat S. 48)
Kein Widerspruch zu dieser Aussage ist die Veranstaltung einer Ausstellung von Max Pechstein, die zwischen 25. Januar und 25. Februar 1920 stattfand, denn der Veranstalter war die
1918 von Erna Klemm und der Malerin Annemarie Jacob gegründete „Vereinigung für Neue Kunst“ (Kunstchronik und Kunstmarkt. Nr. 18 v. 30. 1. 1920, S. 371). Dieser Zusammenschluss von Künstlern und Kunstfreunden (Renate Hartleb 2001; Renate Hartleb 2002, S. 18-23) veranstaltete Lesungen und Vorträge und organisierte auch gelegentlich Ausstellungen. Remmlers Verdienst war es, seine Räume zur Verfügung gestellt zu haben.
Ein Teil der ausgestellten Bilder stammte aus der Sammlung von Karl Lilienfeld (1885-1966). Der Kunsthistoriker, Sammler und spätere Kunsthändler (in Berlin und New York) war seit 1913 Leiter des Leipziger Kunstvereins. Der Rezensent Ewald Bender schrieb distanziert über die Ausstellung („ein wenig absichtlich auf das Hübsche hin komponiert“), resümierte aber, auf die Situation der bildenden Kunst in Leipzig anspielend: „Aber auch ein durchschnittlicher Pechstein ist weitaus Mehr und Notwendigeres, als irgend etwas, was zur Zeit in dieser Stadt an Malerei entsteht. So betrachtet wirkt die Pechstein-Ausstellung erfrischend und vorbildlich.“ (Ewald Bender: Leipzig.- in: Kunstchronik und Kunstmarkt. Nr. 21 v. 20. 2. 1920, S. 427-428)
Der Rezensent des „Leipziger Tageblatt“ reklamierte einen Ankauf für die Leipziger Sammlungen: „[…] Hoffentlich gelingt es der Leitung unseres Museums, ein gutes Bild des Künstlers zu erwerben. Es ist wirklich höchste Zeit, daß die lebende Kunst, die in anderen deutschen Museen längst sorgfältige Pflege findet, auch in Leipzig nicht länger vernachlässigt und zurückgesetzt wird.“ (Otto Holze: Max Pechstein, Ausstellung in der Galerie Remmler.- in:
Leipziger Tageblatt. 15. 2. 1920; Dank an Aya Soika, XXXXXX, für diesen Hinweis)
Tatsächlich wurde das Ölbild „Morgenstunde“ für das Museum um 8000 Mark erworben. Gleichzeitig erfolgte der Ankauf der Tuschezeichnung „Fabrikstadt“. Beide Werke wurden 1937 im Rahmen der „Säuberung“ der Museen aus der Sammlung entfernt (Museum der Bildenden Künste 1992, S. 56, 58).
Ausstellungen von einzelnen Künstlern dürften eher die Ausnahme gewesen sein, wenn es auch gelegentlich Kollektionen im Rahmen des Galerieangebots gegeben hat.
Wohl aus den Zwanzigerjahren ist ein undatiertes Plakat der Kunsthandlung von Louis Oppenheim mit dem Text „{Bei Remmler gekauft / Gemälde erster Meister und Graphiken“} bekannt {(Deutsches Historisches Museum, Berlin, Inv. Nr. 74/2762).}
Das Angebot der Galerie wird möglicherweise durch das charakterisiert, was Erich Kästner über die hier 1925 ausgestellten Gemälde des 1850 geborenen Wilhelm Georg Ritter schrieb: „Auch Wilh. G. Ritter gehört zu den malerischen Wohltätern, die keinem Auge wehe tun können.“ (Neue Leipziger Zeitung. 1. 9. 1925)
Neben den in den Ausstellungen bereits genannten Künstlern gehörten auch beispielsweise der Dresdner Maler und Graphiker Otto Schubert, der in Leipzig wirkende Landschaftsmaler Kurt Vogler und der Wiener Maler Viktor Planckh zum Angebot bei Remmler.
Im Gebäude der „Mitteldeutschen Privatbank“ (später „Commerz- und Privatbank“) Tröndlinring 3 befand sich zu dieser Zeit nicht nur das Buch- und Kunstantiquariat -> F. W. HASCHKE sondern auch der 1919 von Friedrich Dehne (1883-1929) gegründete Graphikverlag „Friedrich Dehne Verlag für moderne Graphik“, der sich auf Mappenwerke und Einzelblätter „führender und jüngerer Künstler“ (Anzeige in: Das Sammlerkabinett. H. 1, 1922, Anzeigenseite) spezialisierte. Zu den „führenden“ Künstlern zählten beispielsweise Lovis Corinth, Peter Halm, Ludwig von Hofmann, Alois Kolb, Käthe Kollwitz, Max Liebermann und Hermann Struck, zu den „jüngeren“ László Boris, Eduard Dollerschell, Heinrich Heuser, Curt Hoelloff, Julius Kroll, Karl Miersch, Martin E. Philipp, Max Schwimmer und William Tegtmeier (Katalog 1921).
Bereits 1920 fand bei Remmler die Ausstellung „Graphik eines Leipziger Verlages“ statt, bei der es sich wohl um die Verlagserzeugnisse von Friedrich Dehne gehandelt hat.
1925 gründeten Remmler und Dehne eine gemeinsame Firma, nannten sie „Graphisches Kabinett Dehne & Remmler“ und brachten „Lagerkatalog Nr. 1“ heraus, der Originalgraphik und Handzeichnungen von u. a. Wilhelm Busch, Käthe Kollwitz, Max Liebermann, Hans Meid, Emil Orlik und Max Slevogt zum Inhalt hatte (Monatshefte für Bücherfreunde und Graphiksammler. H. 9, 1925, S. 412 und Anzeigenseite; Der Kunstwanderer. September 1925, S. 40). Wie lange die gemeinsame Firma bestand, ist unbekannt.
Die Galerie Remmler übersiedelte 1938 in die Pfaffendorfer Strasse 2, 1940 wird sie am Körnerplatz 6 genannt.

Nachweise:
Adressbuch des Deutschen Buchhandels ; Müller, Adressbuch des Deutschen Buchhandels und verwandter Berufszweige; Handbuch des Kunstmarktes 1926; Pantheon 1926; Maecenas 1927; Maecenas 1930

Katalog des graphischen Verlags Friedrich Dehne.- Leipzig 1921
Museum der Bildenden Künste Leipzig, Kulturstiftung der Länder. Karl Hofer: Tischgesellschaft.- Leipzig 1992
Renate Hartleb: Die Malerin Annemarie Jacob und die „Vereinigung für Neue Kunst“ in Leipzig.- in: Leipziger Kalender 2001, S. 249-256
{Renate Hartleb: Annemarie Jacob 1891-1990. Leben und Werk.- Altenburg 2002}