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Dürerhaus
  • © Berlinische Galerie / Wolfgang Wittrock
  • Repro: Berlinische Galerie
    • Werner J. Schweiger (1949 - 2011)

  • TitleDürerhaus[Eintrag für geplante Publikation "Lexikon des Kunsthandels der Moderne im deutschsprachigen Raum 1905-1937"]
  • Date2005 - 2011
  • CategoryManuskripte
  • Materialdigital
  • FondsKunstarchiv Werner J. Schweiger
  • Inventory NumberBG-WJS-M-1,179
  • CreditlineZustiftung Christa M. Schweiger, Wien und Wolfgang Wittrock, Berlin, 2016
  • On DisplayNo
Transcription / Description
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DÜRERHAUS

Adresse: LINZ, Oberösterreich, Landstrasse 8 (Taubenmarkt)
Inhaber: Stephan Seidler
Bestand: 1919-(1923)
Charakteristik: Buch- und Kunsthandlung

Bemerkung:
Der aus Olmütz stammende Stephan Seidler (1893-1966) war ursprünglich Lehrer und kehrte aus dem 1. Weltkrieg als Oberleutnant nach Linz zurück. „Nach der Heimkehr aus dem Krieg baute er sich eine neue, in seiner bürgerlichen Umwelt ungewöhnliche Existenz auf und gründete zu Jahresbeginn 1919 in dem Linzer Barockhaus Landstraße 9 (Taubenmarkt) eine Kunsthandlung mit der romantischen Geschäftsbezeichnung ‚Dürerhaus’.“ (Stephan Seidler 1993, S. 6)
Der Graphiker und Kunsthändler Oskar -> SACHSPERGER, der beinahe gleichzeitig seine Kunsthandlung in Linz gründete, erinnerte sich 1953 an die Anfänge und an seinen Kollegen Seidler: „Das Dürerhaus hielt […] eine gemäßigte Linie in seinen Hauptpersönlichkeiten: Klemens Brosch, Demeter Koko, [Fritz] Dietl, Karl Haydt, Viktor Adler, [Max] Hirschenauer, Franz X. Weidinger, Sedlaczek [Franz Sedlacek], R[ichard] Diller, W[ilhelm] Höhnel usw. […] Beide Linzer Kunstunternehmen, mein eigenes wie das Dürerhaus arbeiteten so, daß die ‚Tagespost’ 1919 berichten konnte, daß beide Unternehmen in lebhafter Konkurrenz sich bemühen, dem Publikum gute Werke heimischer und fremder Künstler vorzuführen, so daß wir hier einigermaßen vom Wiener Markt unabhängig geworden sind […] Die persönlichen Beziehungen zu den Künstlern beider konkurrierender Lager war stets freundschaftlich, zumindest aber verständnisvoll.“ (Oskar Sachsperger 1953)
Die persönlichen Beziehungen von Stephan Seidler sind durch einige wenige Briefe von Künstlern aus den Jahren 1919-1923 belegt, die sich im Archiv seines Sohnes Wilhelm Seidler erhalten haben, dabei Briefe der Maler Klemens Brosch, Fritz Lach, Anton Lutz, Anton Peschka und Alfred Zoff. Eine besondere freundschaftliche Beziehung bestand auch zu dem in Linz lebenden, aus Köln stammenden Maler Matthias May, der 1920 eine eigene Kunstschule in Linz gründete (Justus Schmidt 1954). In den Aufzeichnungen des Malers über Bilderverkäufe ist eingetragen: „Kunsthändler Seidler, Linz, Dachauer Spinnerin, Oel, gegen vier Bauernkrüge, eine Schüssel und bar 380 K[ronen] Mai 1919; Spitzenklöpplerin, Pastell 200 K[ronen] Juni 1919; Dachauer Bäuerin am Spinnrad, 1922“ (Justus Schmidt 1954, S. 92-93).
Wie lange das „Dürerhaus“ bestand, ist nicht überliefert. „Mitte der Zwanzigerjahre - das genaue Datum ist nicht feststellbar - erfolgte seine Umfunktionierung im gleichen Haus in die ‚Linzer Frühstücksstube’.“ (Stephan Seidler 1993, S. 7)
1926 begann der seit etwa 1914 autodidaktisch sich als Künstler versuchende Stephan Seidler sein Studium an der Münchner Akademie. Später wurde er kaufmännischer Angestellter und gründete um 1938 die „Radio- und Elektrogroßhandlung Seidler & Co.“ Daneben wirkte er bis zu seinem Tod 1966 als Maler.

Nachweise:
Oskar Sachsperger: Erinnerungen an das Linzer Kulturleben nach dem ersten Weltkrieg.- in: Oberösterreichische Nachrichten. 23. 5. 1953, S. 22
Justus Schmidt: Der Maler Matthias May und seine Linzer Schule. Hrsg. vom Kulturamt der Stadt Linz.- Wien 1954
Otto Wutzel: Erinnerungen an Stephan Seidler.- in: Oberösterreich. H. 3, 1984, S. 71-78
Stephan Seidler 1893-1966. Leben und Werk. Text und Bildauswahl Otto Wutzel. Hrsg. v. Wilhelm Seidler.- Linz 1993