Results:  1

Heinrichshofen'sche Buch-, Kunst-, Musikalien- u. Pianofortehandlung
  • © Berlinische Galerie / Wolfgang Wittrock
Transcription / Description
Further links
Related Objects

HEINRICHSHOFEN
HEINRICHSHOFEN’SCHE BUCH-, KUNST-, MUSIKALIEN- u. PIANOFORTE-HANDLUNG

Adresse: MAGDEBURG, Preussen/Provinz Sachsen (Sachsen-Anhalt), Breiter Weg 171-172
Inhaber: Wilhelm Heinrichshofen, Theodor Heinrichshofen, Adalbert Heinrichshofen, Otto Heinrich Noetzel
{Mitarbeiter: Dr. Wilhelm August Luz (1925)}
Bestand: 1796 (Buchhandlung und Verlag), 1863 (Kunsthandlung)
Charakteristik: Buchhandlung, Verlag, Musikalienhandlung, Kunsthandlung
„Grosse Auswahl in Ölgemälden, Stichen, Aquarellen, Photographien, Radierungen etc. in allen Grössen und Preislagen. Rahmungen geschmackvoll und billigst. Acht grosse Ausstellungs-Räume“ (Anzeige in: Jahrbuch der Bildenden Kunst. Jg. 5, 1906/07, Anzeigenteil); „Moderne Gemälde, Graphik & Magdeburgica“ (Maecenas 1927); „Ausstellung von Ölgemälden und Graphik, 3 Säle, mehrere kleine Räume“ (Dressler 1923)

Ausstellungen:
1925: Der Sächsische Kreis (Max Klinger, Richard Müller, Otto Dix); Hans von Volkmann; Aus dem Kreis der Münchner Künstlergenossenschaft
1927: Alfred Ahner
1932: Bruno Beye
1935: Wilhelm Höpfner, Hans Pistorius

Verlag:
Von der umfangreichen Verlagsproduktion (Schwerpunkt Musik) werden nur die Titel mit Beziehung zur bildenden Kunst aufgeführt.
Oswald Pohl, Die Schöpfung. 8 Radierungen [1911]
Die vom Deutschen Verein für Exlibriskunst und Gebrauchsgraphik herausgegebene Zeitschrift „Exlibris, Buchkunst und angewandte Graphik“ erschien 1909 bis 1919 bei Heinrichshofen

Bemerkung:
Die Buchhandlung wurde 1796 in Leipzig durch Georg Christian Keil gegründet und im selben Jahr nach Magdeburg verlegt. 1806 übernahm Wilhelm Heinrichshofen (1782-1881) Buchhandlung und Verlag, die seitdem in Familienbesitz sind. Inhaber waren in der Folge Theodor Heinrichshofen (1886-1931), Adalbert Heinrichshofen (1859-1932) und dessen Enkel Otto Heinrich Noetzel (1909-1987)
Während die Buchhandlung bis in die Sechzigerjahre weiterbetrieben wurde, siedelte der Verlag 1948 nach Wilhelmshaven um, wo er auch heute noch besteht.
Zeitweise bestand Heinrichshofen aus drei selbständigen Firmen: Heinrichshofen’sche Buch- u. Musikalienhandlung, Heinrichshofen’sche Kunsthandlung und Heinrichshofen’s Verlag. (Adressbuch des Deutschen Buchhandels 1907). Während in den Biographien der einzelnen Familienmitglieder ausführlich über den Buch- und Verlagshandel referiert wird (Heinrich 2002, S. 278-280), gibt es kaum Aussagen über die Kunsthandlung. Auch in einer 1937 erschienenen Firmenfestschrift wird das Thema Kunsthandel lediglich gestreift. So heisst es beispielsweise über Adalbert Heinrichshofen: „Selbst ein begeisterter Kunstkenner und -sammler nutzte er seine reiche Erfahrung für den Ausbau der Kunsthandlung und Gemälde-Galerie und verschaffte ihr durch ständige Ausstellung einen führenden Namen.“ (140 Jahre Heinrichshofen, 1937, S. 5)
Der Schwerpunkt der Firma lag nicht nur im Musikverlag (Schaal 1972; Die Musik 1986, S. 77-78), sondern auch in der Musikalienhandlung, im Instrumentenverkauf, in der zeitweise betriebenen Konzertagentur und ab den Zwanzigerjahren auch im Handel mit „Rundfunkgeräten und Sprechmaschinen“ sowie 1923 bis 1925 im Betrieb des ersten Magdeburger Rundfunksenders.
Die eher konservative Ausrichtung der Kunsthandlung (oder ihres Kundenkreises) belegt eine Suchanzeige aus dem Jahr 1921: „Original-Radierungen und Handzeichnungen von Klinger, Greiner, Staufffer-Bern, Spitzweg kauft Heinrichshofen, Kunsthandlung, Magdeburg“ (Die Kunst. H. 9 v. Juni 1921, Anzeigenseite S. XIX).
{1925 wurde der Kunsthistoriker Wilhelm August Luz, der zuvor im Stuttgarter -> KUNSTHAUS SCHALLER tätig war (und Mitte der Dreissigerjahre eine eigene Kunsthandlung in Berlin gründete) Mitarbeiter bei Heinrichshofen (Der Cicerone. H. 9, 1925, S. 488).}
Über Ausstellungen ist nahezu nichts überliefert. Die viel beklagte „völlige Interesselosigkeit des Magdeburger Publikums“ (Die Kugel 1993, S. 12-13) mag ebenso Schuld daran gehabt haben wie die konservative „Magdeburger Zeitung“, über die sich der Maler Alfred Ahner anlässslich seiner Ausstellung 1927 in seinem Tagebuch beschwert: „eine teilnahmslose und unverstandene Kritik […] Nicht einmal eine Zeichnung habe ich verkauft.“ Tagebucheintragungen v. 2. 11. und 9. 12. 1927. Ahner 1979, S. 6). Von zwei Künstlern der 1921 bis 1923 bestehenden Magdeburger Künstlergruppe „Die Kugel“, Bruno Beye und Wilhelm Höpfner sind 1932 und 1935 Ausstellungen dokumentiert.

Nachweise:
Adressbuch des Deutschen Buchhandels; Dressler 1909; Dressler 1923, Handbuch des Kunstmarktes 1926; Pantheon 1926; Maecenas 1927; Maecenas 1930

140 Jahre Heinrichshofen 1797 bis 1937.- Magdeburg 1937
Richard Schaal: Musiktitel aus fünf Jahrhunderten. Sonderdruck zum 175jährigen Bestehen des Hauses Heinrichshofen 1797-1972.- Wilhelmshaven 1972
Helmut Scherf: Alfred Ahner.- Dresden 1979
Die Musik in Geschichte und Gegenwart. Band 6, Kassel 1986
Die Kugel - eine Künstlervereinigung der 20er Jahre. Spätexpressionistische Kunst in Magdeburg.- Magdeburg 1993
Wilhelm Höpfner 1899-1968. Druckgraphik und Aquarelle. Gesamtverzeichnis.- Stendal 1980
Guido Heinrich, Günter Schandera: Magdeburger Biographisches Lexikon 19. und 20. Jahrhundert.- Magdeburg 2002