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Kleiner Raum Clasing
  • © Berlinische Galerie / Wolfgang Wittrock
  • Repro: Berlinische Galerie
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CLASING
KLEINER RAUM CLASING

Adresse: MÜNSTER, Westfalen (Nordrhein-Westfalen), Corduanenstrasse 1
Inhaber: Elisabeth Clasing, Heinz Clasing
Bestand: 1935-heute
Charakteristik: Galerie, Kunsthandlung, Rahmenwerkstatt
„Clasing. Corduanenstr. 1. Buchbinderei, Bildereinrahmung, Kleiner Raum Clasing“ (Galerieaufkleber 1935); „Kleiner Raum Clasing. Ausstellung moderner Kunst“ (Einladungskarte 1937)

Ausstellungen:
1935: Eröffnungsausstellung: Ernst Bahn, Leo Burgholz, Carl Busch, Ludwig Chastinet, Ernst Hase, Theo Junglas, Albert Mazzotti, Hans Pape, Schäfer (Keramik), Arnold Schick, Adolf Wamper; Ernst Bahn, Hans Pape, Bernhard Peppinghege; Josef Horn, Hans Langen, Otto Pankok, Karl Petry; Emil Hartwig, Hans Wienhausen, Bernhard Wulfers; Kurt Döbrich, Werner Gilles; Aloys Röhr; Hans Pape; Ernst Hase
1936: Theo Hölscher; Ludwig Chastinet, Wilhelm Palmes; Ernst Bahn; Carl Busch; Wilhelm Renfordt; Karl Hofer; Christoph Drees, Joseph Piper, Hans Wienhausen; Werner Scholz;
Franz Wucherpfennig d. J., Ernst Hermanns, Aloys Röhr; Elisabeth Schmitz; Wilhelm Palmes
1937: Edvard Munch; Karl August Tinti; Eberhard Viegener; Otto Andreas Schreiber, Hans Werdemann; Margareta Thamm; Bernhard Miesch; Max Schulze-Sölde; Gustav Deppe, Bernhard Wulfers; Lydia Ruppel; Ludwig Chastinet; Franz Rederer
1938: Aloys Röhr; Fritz Wotruba; Eberhard Viegener; Peter August Böckstiegel, Joseph Wedewer; Bernhard Peppinghege; Wilhelm Götting; Joseph Pollak; Joachim Karsch, Bernhard Schulze, Heinz Theuerjahr, Hans Wienhausen; Bernhard Bröker; Carl Busch
1939: Ludwig Chastinet, Herbert Deutsch; Josef Horn, Clemens Wischebrink; Ernst Weiers; Eberhard Viegener; Max Schulze-Sölde; Will Stocké
1940: Josef Hegenbarth, Will Stocké; Eberhard Viegener; „Freie Künstlervereinigung Schanze“ (dabei Ernst Bahn, Bernhard Bröker, Leo Burgholz, Ernst Hermanns, Bernhard Homoet, Theo Junglas, Hermann Kissenköter, Bernhard Peppinghege, Arnold Schlick, Paul Waldow); Norbert Gerd Hartmann; Helmut Gockel, Karl Miller; Will Sohl
1941: Bernhard Peppinghege
1942: Max Schwimmer

Bemerkung:
„Der 24jährige Heinrich Clasing gründete seine Galerie im Jahre 1935. Für den durch die Bauhaus-Idee geprägten jungen Galeristen stellten sich somit gleich mehrere große Herausforderungen. Mit seinem Programm hatte er nicht nur den Spagat zwischen künstlerischer Qualität und guter Verkäuflichkeit zu bewältigen, sondern er mußte darüber hinaus abwägen, wie er seine künstlerischen Ansprüche unter der nationalsozialistischen Kunstpolitik wahren konnte, ohne Restriktionen für seine Tätigkeit zu riskieren. Mit seinem Programm beschritt er einen Weg, der auf dem schmalen Grat zwischen Anpassung und Wagemut verlief.“ (Sibylle Backmann 2003, S. 16).
Die unabdingbare formale Anpassung geschah, indem Heinrich Clasing (Allgemeines Künstlerlexikon, Band 19, 1998, S. 425; Sibylle Backmann 2003, S. 10-15) um Aufnahme in die „Reichskammer der bildenden Künste“ ansuchte, da er sonst keine Genehmigung zum Führen einer Kunsthandlung bekommen hätte.
Heinrich Clasing (1911-1989) war der Sohn des Buchbinders Anton Clasing, der 1903 in Münster sein Gewerbe anmeldete und später mit einer Rahmenhandlung erweiterte. Clasing erlernte die Buchbinderei im elterlichen Betrieb, besuchte 1928/1929 die Städtische Schule für Handwerk und Kunstgewerbe (Lehrer Hans Pape) und wechselte 1930 ins Bauhaus nach Dessau, später Berlin, wo Joost Schmidt, Walter Peterhans, Wassily Kandinsky und Josef Albers seine Lehrer waren. 1933 verliess er das Bauhaus mit Diplom und trat wenig später ins elterliche Geschäft ein, das nach dem Tod von Anton Clasing (1925) von dessen Ehefrau Elisabeth geführt wurde. 1935 eröffnete, eingerichtet von dem auch im Bauhaus ausgebildeten Architekten Kurt Diening, der „Kleine Raum Clasing“ in der Corduanenstrasse 1.
„Vorn ein Laden, in dem Bilder gerahmt werden, dahinter ein langer schmaler Raum“ (Kölnische Zeitung. 16. 1. 1936). „Der geräumige Saal mit seiner zurückhaltenden lichtgrauen Wandbekleidung leiht den Kunstwerken eine günstige Folie, und die vornehme Ausstattung fügt dem sachlichen Zweck das Anheimelnde eines Wohnraumes hinzu.“ (Münsterischer Anzeiger, April 1935, zitiert nach Sibylle Backmann 2003, S. 15)
Auf der Einladungskarte zur ersten Ausstellung im April 1935 heisst es: Wir haben einen Ausstellungsraum geschaffen, um den Künstlern und dem Publikum die Möglichkeit zu geben, gute Kunst zu zeigen, zu sehen und zu kaufen. Die Ausstellung wird eröffnet mit Arbeiten münsterischer Künstler.“ (Abb. in Sibylle Backmann 2003, S. 16)
Neben zahlreichen Künstlern aus Münster (dabei mehrere Mitglieder der „Freien Künstlervereinigung Schanze“ wie beispielsweise deren Mitbegründer Bernhard Peppinghege
mit Ausstellungen 1935, 1938, 1940, 1941) und anderen Orten Westfalens wie die auch überregional bekannten Künstler Peter August Böckstiegel (Ausstellung 1938), Eberhard Viegener (Ausstellungen 1937, 1938, 1939, 1940) oder Max Schulze-Sölde (Ausstellungen 1937, 1938) wurden auch Künstler wie Werner Gilles (1935), Karl Hofer (1936), Josef Hegenbarth (1940), Joachim Karsch (1938), Otto Pankok (1935) oder Werner Scholz (1936) in Münster präsentiert.
Zahlreiche Aussteller der Jahre 1935-1942 aber sucht man auch in den neuesten Nachschlagewerken vergeblich, wie beispielsweise Hans Wienhausen (Ausstellungen 1935, 1936, 1938), der lediglich als derjenige Zeichenlehrer der Nationalsozialistischen Erziehungsanstalt (Napola) in Haselhüne (Emsland, Westfalen) bekannt wurde, der das eminente Zeichentalent von Horst Janssen erkannte und förderte.
Während die Ausstellungen in der Tagespresse von Münster durchaus wahrgenommen wurden, gab es in dieser Zeit kaum überregionale Kunstzeitschriften mit Kunstberichten. Lediglich die Zeitschrift „Die Kunst im Dritten Reich“ brachte fallweise Ankündigungen. Beispiele sind die Anzeigen zur den Ausstellungen von Ernst Weiers (Die Kunst im Dritten Reich. Folge 3 v. März 1939), Eberhard Viegener (Folge 4 v. April 1939), Max Schulze-Sölde (Folge 5 v. Mai 1939) und Willi Stocké (F. 7 v. Juli 1939).
Über die Grösse der Galerie sind wir indirekt aus einem Brief vom 21. Januar 1940 von Josef Hegenbarth an Clasing informiert (Privatbesitz). Darin listet der Künstler die insgesamt 24 Werke (Temperabilder und Zeichnungen) auf, die für die Ausstellung im Januar/Februar in Münster bestimmt waren.
1941 und 1942 fanden nur mehr vereinzelt Ausstellungen statt. 1943 wird das Haus, in dem sich die Galerie befand, bombardiert.
Im Dezember 1945 fand die erste Ausstellung zeitgenössischer Kunst in der Privatwohnung in der Tannenbergstrasse 28 statt und programmatisch waren wieder zahlreiche Mitglieder der „Schanze“ daran beteiligt. Elisabeth Clasing (sie wurde von den Künstlern „Mutter Clasing genannt und starb 1964) wurde später für ihr Engagement zum Ehrenmitglied der „Schanze“ ernannt (Fünfzig Jahre 1969, S. XXXI).
1949 wurde der „Kleine Raum Clasing" am Prinzipalmarkt 24-26 über dem „Café Schucan“ wiedereröffnet. In der Folge wurden auch zahlreiche Künstler, die bereits zwischen 1935 und 1942 ausgestellt hatten, wieder präsentiert. 2006 ist „Kleiner Raum Clasing + Galerie Etage“ am Prinzipalmarkt 37 zu finden (http://www.galerie-clasing.de).

Nachweise:
Fünfzig Jahre Freie Künstlergemeinschaft Schanze. Münster 1919-1969.- Münster 1969
Sibylle Backmann, Birgit Gropp: Eine Hommage an den Kunsthändler Heinrich Clasing in Münster.- Münster 2003