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Kunstsalon Hirrlinger
  • © Berlinische Galerie / Wolfgang Wittrock
  • Repro: Berlinische Galerie
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HIRRLINGER
KUNSTHAUS ALFRED HIRRLINGER
KUNSTHAUS ALF. HIRRLINGER
KUNSTSALON HIRRLINGER

Adresse: STUTTGART, Württemberg (Baden-Württemberg), Gartenstrasse 7-9
Inhaber: Alfred Hirrlinger
Bestand als Kunsthaus: Ab1925
Charakteristik: Photograph, Kunsthandlung
„Kunsthaus Alfred Hirrlinger. Stuttgart. Gartenstraße 7 und 9. Ausstellung in 10 Räumen. Gemälde und Plastik. Bitte um Anfragen für Kollektiv- und Einzel-Ausstellung“ (Anzeige in:
Katalog der Älteren Pinakothek zu München. Amtliche Ausgabe. 15. Auflage 1925, Anzeigenseite 6; Münchener Kunstausstellung im Glaspalast 1925, Anzeigenseite 23; Kunst und Künstler. H. 2 v. November 1925, Anzeigenseite); „Benützen Sie die Gelegenheit Ihres Stuttgarter Besuches und besichtigen Sie eine Sehenswürdigkeit: Die Ausstellung des Kunsthauses Alf. Hirrlinger, Gartenstr. 7-9. Sie finden dort das Vielfältigste in der Kunst: Original-Gemälde, - Graphik und - Plastik, Kunstgewerbe, Reproduktionen, Einrahmung. Besuchszeit: Werktags 8-12 und 1 1/2-7 Uhr, Sonntags 11-1 Uhr. Eintritt frei! (Anzeige in:
Internationale Ausstellung des Deutschen Werkbundes Film und Foto Stuttgart 1929, S. 48d); „Kunsthaus Alf. Hirrlinger Stuttgart Gartenstrasse 7-9 Fernspr. 61609 Gemälde Plastik Rahmen Reproduktionen“ (Geschäftsbriefpapier, 1929)

Ausstellungen:
1925: „Junge Darmstädter Künstler“; Kirchliche Kunst in Württemberg; Erich Erler, Julius Seyler; Edmund Stierle, Ernst Graeser; „Arbeitsgemeinschaft Pfälzer Kunst“
1926: Albert Stagura, Otto Leiber; Wilhelm Schmidt (Esslingen), Alfred Renz; Mathias Gasteiger, Anna Gasteiger, Christian Oehler; Charles René Picart le Doux, Ferdinand Barth; Edmund Stierle (Ölbilder, Aquarelle), Prinz August von Preußen (Aquarelle)
1927: Rudolf Guba, Conrad Pfau
1929: „1. Vagabunden Kunstausstellung“

Bemerkung:
Wann der Photograph Alfred Hirrlinger sein im 19. Jahrhundert gegründetes Photoatelier und die Photohandlung gründete, ist unbekannt. Er war auf Photographien von Württemberg spezialisiert, die als Photokartons wie auch als Postkarten vertrieben wurden. Hirrlinger wurde zum „Königl. u. Herzogl. Hofphotograph“ ernannt. Der Firmenaufdruck auf einer Photokartonrückseite belegt seine Ausstellungstätigkeit und die dort errungenen Prämierungen in Freiburg (1887), Wien (1899), Frankfurt am Main (1900) und Stuttgart (1902).
Die Erweiterung der Geschäftstätigkeit zu einer Kunsthandlung mit dem Namen „Kunsthaus Alfred Hirrlinger“ erfolgte 1925 und Hans Hildebrandt berichtete: „Durch umfassende Umbauten ist nun auch der Kunstsalon Hirrlinger in die Reihe der Stuttgarter Unternehmen eingetreten, die sich mit Ernst der modernen Kunst annehmen. Ein Hauptraum bleibt ständig schwäbischen Künstlern der Gegenwart und des 19. Jahrhunderts gewidmet: Er beherbergt z. Z. vornehmlich unbekannte und vielfach vortreffliche Arbeiten Fr. Kellers, Pleuers, Landenbergers usw. Der zweite gehört wechselnden Ausstellungen auch auswärtiger Künstler. Auf die sehr geschlossene, doch stark von Kanoldt beeinflußte Gruppe der jungen Darmstädter folgte eine durch manche Einzelleistung interessierende Schau über die heutige kirchliche Kunst in Württemberg und endlich eine Doppelausstellung Erich Erlers und Julius Seylers.“ (Hans Hildebrandt: Stuttgarter Kunstbericht.- in: Kunstchronik und Kunstmarkt. Nr. 35 v. 28. 11. 1925, S. 569)
Aus dem Jahr 1926 ist ein Plakat von Adolf Ruedenauer bekannt. Auch der in den Anzeigen benutze Text („Bitte um Anfragen für Kollektiv- und Einzel-Ausstellung“) legt den Schluss nahe, dass die Kunsthandlung erst auf der Suche nach ausstellenden Künstlern ausserhalb Württembergs war. In zehn Ausstellungsräumen wurden Gemälde, Plastik und Graphik präsentiert, eine angeschlossene Rahmenwerkstatt und das Angebot an Reproduktionen ergänzten das Angebot.
Im Kunsthandelsadressbuch wurden vier in Württemberg geborene oder dort wirkende Künstler genannt, von denen Arbeiten im Galerieprogramm vertreten waren: Hermann Pleuer, Otto Reiniger, Carlos Grethe und Heinrich von Zügel (Maecenas. Hrsg. v. Joachim Stern.- Berlin 1927, S. 136), von denen aber nur mehr Zügel zu den noch Lebenden gehörte.
Zu Pfingsten 1929 fand in Stuttgart ein grosses Vagabunden-Treffen statt, zu dem auch eine Ausstellung, die „1. Vagabunden-Kunstausstellung“, geplant wurde, die im „Kunsthaus Hirrlinger“ stattfand und dort am 21. Mai 1929 eröffnet wurde. Die vielfältig künstlerisch tätigen „Kunden“ (es gab sogar eine eigene 1927 gegründete „Künstlergruppe der Bruderschaft der Vagabunden“) zeigten ihre Werke im Kunsthaus, und der einzige beteiligte akademisch ausgebildete Maler Max Ackermann war hier innerhalb dieser Ausstellung der „Aussenseiter“, der während des Kongresses zahlreiche „Kunden“ in seiner Atelierwohnung beherbergte (Wohnsitz: Nirgendwo 1992). Ebenfalls teilgenommen hat der nur wenige Semester an der Stuttgarter studierende Vagabunden-Maler Sepp Mahler,
Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde der Kunsthandel in der Rotenwaldstrasse 6 wieder aufgenommen (Deutsches Kunstadressbuch. Hrsg. v. Walter Kaupert.- Berlin [1950], S. 247).

Nachweise:
Handbuch des Kunstmarktes 1926; Maecenas 1927; Maecenas 1930; Dressler 1930; Adressbuch 1933

Wohnsitz: Nirgendwo. Vom Leben und vom Überleben auf der Straße. Hrsg. vom Künstlerhaus Bethanien.- Berlin 1992