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Galerie Banger
  • © Berlinische Galerie / Wolfgang Wittrock
  • Repro: Berlinische Galerie
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BANGER
GALERIE BANGER
RICHARD BANGER
R. BANGER
KUNSTSALON BANGER

Adresse: WIESBADEN, Preussen/Provinz Hessen-Nassau (Hessen), Taunusstrasse 6 (1895- 1903); Luisenstrasse 9 (ab 1903), Zweigstelle Wilhelmstrasse 8 (um 1927/1930); BAD NAUHEIM, Hessen (Hessen), Parkstrasse (ab 1910)
Inhaber: Richard Banger; Gustav Banger
Bestand: Gründung 1894
Charakteristik: Kunsthandlung
„Kunstsalon Banger. Kunsthandlung & permanente Kunst-Ausstellung. Wiesbaden. Taunusstr. No. 6“ (Plakat von Ludwig Hohlwein [vor 1900]); „Galerie Banger Inhaber: Gustav Banger Gegr. 1894 Wechselnde Ausstellungen Gemälde Graphik Plastik Wiesbaden, Luisenstr. 9 (Geschäftsbriefpapier, 1928)

Ausstellungen:
1901: Edmund Steppes
1902: Adolf Hölzel, Ludwig Dill; „Schwedische Kunstausstellung“ (dabei u. a. Anders Zorn)
1904: Alfred Kubin
1905: Kunst aus Wiesbadener Privatbesitz;
1908: Stuttgarter Künstlerbund; Oscar Matthiesen; Georg Tappert
1910: Neue Künstlervereinigung München (dabei u. a. Paul Baum, Wladimir Bechtejeff, Erma Bossi, Adolf Erbslöh, Alexej Jawlensky, Wassily Kandinsky, Moissej Kogan, Gabriele Münter, Marianne Werefkin); John Bergling
1911: Otto Hettner; Max Mayrshofer; Werke der „Pan-Presse“; „Deutsche Porzellankunst“ (dabei die Werkstätten Rosenthal, Friedrich Kaestner, Emeran Lidl, Schwarzburger Werkstätten); Münchner Künstlergruppe „Die Scholle“
1912: Ludwig Knaus; Puppen (Käthe Kaulitz, Lotte Pritzel)
1913: „Portät-Ausstellung aus Wiesbadener Privatbesitz“; Daniel Greiner (Gemälde, Plastiken); Friedrich Kaltwasser; Exlibris (dabei u. a. Emil Orlik, Albert Welti, Willi Geiger)
1914: William Straube
1915: „Deutsche Graphik“ (dabei u. a. Fritz Boehle, Lovis Corinth, Willi Geiger, Friedrich Kallmorgen, Gustav Kampmann, Ernst Liebermann, Max Liebermann, , Hans Meid, Max Oppenheimer, Hermann Struck, Hans Thoma, Hans Richard von Volkmann, Heinrich Vogeler):
Kurt Hoppe (Architektur)
1917: Heinrich Vogeler (Gemälde, Graphik, Zeichnungen), Martha Vogeler (Kunstgewerbe); Frühjahrsausstellung (dabei u. a. Gustav Johannes Buchner, Fritz Burger, Sophie Burger-Hartmann, Ludwig Dill, Hermann Dumler, Lina Hausmann, Robert Hoffmann, Adolf Hölzel, Ada von Pagenhardt, Luise Schneider-Dörffel, Rudolf Schramm-Zittau, Heinrich Vogeler)
1919: Hans Christiansen
1920: Münchener Künstler (dabei u. a. Robert Böninger, Colombo [Columbus Josef Max], Fritz Erler, Hugo Kreyssig, Ernst Liebermann, Fritz Scherer); Frühjahrsausstellung (dabei Werke von u. a. Peter Bayer, Gustav Hofmann-Grötzingen, Wilhelm Trübner); Graphik (dabei u. a. Conrad Felixmüller, Erich Heckel, Oskar Kokoschka, Emil Nolde, Carl Theodor Protzen, Paul Adolf Seehaus, Georg Tappert, Eberhard Viegener); Olaf Christiansen; Josef Seché (Graphik)
1921: Peter Bayer; Gustav Hofmann-Grötzingen; Karl Glaeser; Toni Elster
1926: „Freie Frankfurter Künstlergruppe“; Philipp Modrow
1927: Arthur Grimm; Mely Joseph
1929: Leopold Günther-Schwerin (Aquarelle); Lina Cornill-Dechent (Plastik), Else Luthmer (Gemälde), Maria Pfeiffer-Urspruch (Gemälde)

Bemerkung:
Der 1858 geborene Richard Banger gründete 1875 eine Musikalienhandlung in Würzburg, verkaufte diese 1894, übersiedelte nach Wiesbaden und eröffnete den „Kunstsalon Banger“ in der Taunusstrasse 6. Der Platz war gut gewählt, befanden sich doch drei der Grandhotels (Schwarzer Bock, Palasthotel, Hotel Rose) der international besuchten Kurstadt in nächster Nähe.
Banger bewarb seine neue Unternehmung mit einem Plakat von Ludwig Hohlwein (Das frühe Plakat 1980, Nr. 1315), das als die früheste Arbeit des Künstlers auf diesem Gebiet gilt. Auch die Galerieaufkleber (und wohl auch die frühen Geschäftsdrucksachen) stammen von ihm.
Wegen mangelnder eigener Ausstellungsräume fand eine Zusammenarbeit mit dem 1847 gegründeten „Nassauischen Kunstverein“ sowie der zwischen 1901 und 1917 bestehenden „Wiesbadener Gesellschaft für bildende Kunst“, die es sich zur Aufgabe gemacht hatte, zeitgenössische Kunst zu vermitteln, statt. Die Ausstellungen der beiden Vereine wurden abwechselnd sowohl im Rathaus als auch bei Banger veranstaltet (Ulrich Schmidt 1973, S. 159-160; Bildende Kunst in Wiesbaden 1997, S. 47; Heidrun Jecht 2001, S 79).
Bangers Angebot bestand vor allem aus gut verkäuflichen Landschaftsbildern. Neben den Künstlern, die in den Ausstellungen genannt werden, waren dies beispielsweise so etablierte Maler wie Hans Thoma, Wilhelm Trübner und Oskar Zwintscher aber auch weniger bekannte Künstler wie der der Maler Hermann Koenemann (der 1902 bis 1909 in Wiesbaden lebte), der Düsseldorfer Heinrich Steinike und die Münchner Gustav Johannes Buchner und Richard Kaiser, die Darmstädter Maler Georg Altheim, Adolf Beyer, Richard Hölscher, Leo Kayser und Eduard Selzam sowie der abwechselnd in München und Südtirol lebende Alexander Koester, der mit seinen „Entenbildern“ regelmässig bei Banger vertreten war. Daneben gab es Ausstellungen und Angebote von Graphik, Plastik und Kunstgewerbe.
1903 erfolgte der Umzug der Galerie von der Taunusstrasse 6 in die Luisenstrasse 9. „Hier begann Banger seine ausgedehnte Tätigkeit, indem er in den prächtigen Räumen große Sammelausstellungen veranstaltete, von denen wir hier nur die hauptsächlichsten nennen: Arnold Böcklin, Ludwig Dill, Otto Dill, L. v. Hoffmann, Max Klinger, Severin Kroyer, Walter Leistikow, August Lüdecke-Cleve, Adolf von Menzel, Segantini, Anders Zorn, Stefan Sinding, Heinrich von Zügel, Die Scholle, Die Dachauer, Christus-Ausstellung, Porträt-Ausstellung, Elite Münchener Künstler, Münchener Sezession, Gr. Berliner Ausstellung, Karlsruher Künstlerbund, Wiesbadener und Rhein-Main-Ausstellung usw.“ (Richard Banger 85 Jahre; Dank an Stefan Pucks, Bergfelde, für die Kopie des Artikels)
Vom Mai bis Oktober 1909 fand rund um den Bahnhof die „Erste große Kunst-Ausstellung Wiesbaden 1909“ statt, bei der auch die Galerie von Richard Banger beteiligt war.
1910 machte die Wanderausstellung der Künstlergruppe „Neue Künstlervereinigung München“, die im Dezember 1909 in der Münchner Galerie -> THANNHAUSER ihren Ausgang nahm, Station in Wiesbaden.
1910 expandierte Banger und eröffnete in der hessischen Kurstadt Bad Nauheim in der Parkstrasse eine Filiale: „In dem kürzlich vollendeten Kunstpavillon hat der Kunsthändler Richard Banger aus Wiesbaden für die Saison sein Heim aufgeschlagen und eröffnete den Kunstpavillon am 5. Juni mit einer qualitativ glänzenden ‚Hessischen Kunst- und Kunstgewerbeausstellung’.“ (Die Kunst. H. 10 v. Juli 1910, Anzeigenseite VI)
Mit der Ausstellung von William Straube kam auch Wiesbaden mit dem Expressionismus in Berührung. Der Künstler war Mitglied der „Rheinischen Expressionisten“ und hatte mit diesen beispielsweise 1913 Ausstellungen im -> KUNSTSALON FRIEDRICH COHEN in Bonn und im -> RHEINISCHER KUNSTSALON in Köln beschickt. Über seine Ausstellung bei Banger schrieb Mela Escherich: „Sein Stil ist bereits entwickelt […]. Er verkündet ein Bekenntnis, das von ganzen Künstlergenerationen geleugnet wurde: daß die sinnliche Ausdruckskraft gleichbedeutend mit der höchsten Vergeistigung ist. Nur wo der Körper lebt, redet der Geist. Straube verfügt über eine starke Kraft in der Wiedergabe der animalischen Materie und Gebärde.“ (Der Cicerone. H. 5 v. März 1914, S. 182, gez.: ch.)
Sieht man von den gelegentlichen Graphik-Ausstellungen ab, bei denen auch moderne Künstler wie Conrad Felixmüller, Erich Heckel, Oskar Kokoschka, Emil Nolde, Paul Adolf Seehaus, Georg Tappert oder Eberhard Viegener gezeigt wurden, war das nur sehr lückenhaft überlieferte Ausstellungsprogramm eher konservativ geprägt. Gelegentlich wurden auch Künstlerinnen - grösstenteils heute unbekannt - präsentiert wie beispielsweise die Malerinnen Lina Hausmann, Else Luthmer, Ada von Pagenhardt, Maria Pfeiffer-Urspruch, Luise Schneider-Dörffel, die Plastikerinnen Sophie Burger-Hartmann und Lina Cornill-Dechent und die Kunstgewerbekünstlerinnen Käthe Kaulitz, Lotte Pritzel und Martha Vogeler.
Während die Ausstellungen in der Luisenstrasse 9 veranstaltet wurden, gab es in den Zwanzigerjahren eine Zweigstelle in der Wilhelmstrasse 8 (um 1927/1930), wo Gemälde, Graphik, Kunstgewerbe und alte Möbel angeboten wurden.
Ein undatiertes Plakat (Exemplar in der Kunstbibliothek Berlin) von Max Henze-Dessau (wohl Ende der Dreissigerjahre) belegt die „Kunst-Ausstellung Hessen-Nassau“, die vom „Reichsverband e. V. Gau Westdeutschland“ mit Gemälden, Graphiken, Plastiken und Kunstgewerbe beschickt wurde. 1944 fand eine Gedächtnisausstellung für den Maler Hans Völcker statt.
Gustav Banger, der die Kunsthandlung nach dem Ersten Weltkrieg übernommen hatte, fiel 1943 im Zweiten Weltkrieg und Richard Banger übernahm, 84jährig, wieder die von ihm gegründete Kunsthandlung (Richard Banger 85 Jahre).
Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde der Kunsthandel sowohl in Wiesbaden, Seerobenstrasse 29 (Deutsches Kunstadressbuch 1950) als auch in Bad Nauheim weitergeführt, wo beispielsweise 1046 die Max-Beckmann-Sammlung von Fridel und Ugi Battenberg ausgestellt wurde.

Nachweise:
Jahrbuch der bildenden Kunst 1902 (1903, 1904, 1905/06, 1906/07, 1907/08); Seelig 1903; Dressler 1906 (1907, 1908, 1909); Pantheon 1914; Dressler 1923; Handbuch des Kunstmarktes 1926; Pantheon 1926; Maecenas 1927; Maecenas 1930; Dressler 1930; Adressbuch 1933

Richard Banger 85 Jahre.- in: Der Kunsthandel. Nr. 1/3 v. Februar 1944, S. 17
Deutsches Kunstadressbuch. Hrsg. v. Walter Kaupert.- Berlin [1950]
Ulrich Schmidt: Bürgerliche Kunstförderung in Wiesbaden. Zur Geschichte des Nassauischen Kunstvereins.- in: Nassauische Annalen. Band 84, 1973, S. 151-169
Das frühe Plakat in Europa und den USA. Ein Bestandskatalog. Band 3: Deutschland. Bearbeitet von Helga Hollmann [u. a.].- Berlin 1980
Bildende Kunst in Wiesbaden. Von der bürgerlichen Revolution bis heute. Der Nassauische Kunstverein.- Wiesbaden 1997
Heidrun Jecht: Wiesbaden - Von der nassauischen Hauptstatdt zu Weltkurstadt des Kaiserreiches.- in: Kunstlandschaft Rhein-Main. Malerei im 19. Jahrhundert 1867-1918.- Frankfurt am Main Kunst 2001. S. 75-89