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Heinrich Staadt
  • © Berlinische Galerie / Wolfgang Wittrock
  • Repro: Berlinische Galerie
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STAADT, Heinrich
HEINRICH STAADT
GRAPHISCHES KABINETT HEINRICH STAADT
BUCH UND KUNST HEINRICH STAADT

Adresse: WIESBADEN, Hessen-Nassau (Hessen), Bahnhofstrasse 6; Wilhelmstrasse 18 (Zweigstelle)
Inhaber: Heinrich Staadt sen.; Heinrich Staadt sen., Heinrich Staadt jun.
Bestand: 1895 Übernahme einer 1878 gegründeten Buchhandlung durch Heinrich Staadt, 1919 Eröffnung eines Graphischen Kabinetts
Charakteristik: Buchhandlung, Verlag, Antiquariat, Kunsthandlung verbunden mit Graphischem Kabinett

Ausstellungen:
1919: Deutsche Radierungen (dabei Lovis Corinth, Max Slevogt, Hans Meid und „Expressionisten“); Käthe Kollwitz
1920: Anders Zorn
1923: Sepp Frank, Hans Kohl

Verlag:
Von der umfangreichen Verlagsproduktion werden nur die Titel mit Beziehung zur bildenden Kunst aufgeführt. Das Verlagssignet zeichnete John Jack Vrieslander.
John Jack Vrieslander: Wiesbaden. Zwanzig Handzeichnungen (Lichtdrucke), 1912
Heitere Märchen und Geschichten aus Tausend und eine Nacht. Dem Arabischen nacherzählt von Adolf Kohut. Mit Bildern von J. J. Vrieslander.- 1913. (Wiesbadener Volksbücher. 165)
Friedrich Schneider: Kurmainzer Kunst. Hrsg. v. Erwin Hensler.- 1913
Wilhelm Rath: Der Weg zum Buchhändler. Mit Illustrationen von Josef Eberz, W[ilhelm] Schmid, Edmund Fabry, Georg Groß [George Grosz] [1917]
F[erdinand] Luthmer: Nassau: Wanderungen durch Kunst u. Geschichte 1917
Hermann Löns: Eulenspiegeleien. Eingeleitet und herausgegeben von Traugott Pilf [1917]

Bemerkung:
Die 1878 gegründete Buchhandlung wurde am 16. März 1895 von Heinrich Staadt sen. (1864-1929) übernommen und später in die Bahnhofstrasse 6 verlegt. Anfangs bestand neben dem Buchhandel auch das Angebot von Papier, Schreibwaren und Büroartikeln.
In der Folge erweiterte sich das Angebot um einen Verlag, ein Antiquariat und eine Lehrmittelhandlung. Später wurde Staadt zum „Hofbuchhändler“ ernannt und erweiterte seine Geschäftsräume, die im Ersten Weltkrieg von dem in Wiesbaden lebenden Maler und Architekten Edmund Fabry (1892-1939) ausgestattet wurden. 1917 erschien eine kleine Werbeschrift „Der Weg zum Buchhändler“, die von Wilhelm Rath verfasst wurde und in der sich der Buchhändler als Kulturvermittler und „Schatzkammer-Bewahrer des menschlichen Geistes“ sah. (Rath 1917, S. 5.) Man sei keine „Abfertigungshalle für nüchternen Kauf und Verkauf“ sondern „eine anregende Stätte geistig-künstlerischen Verkehrs“. (Rath 1917, S. 17) Dieser „anregenden Stätte“ wurde im Herbst 1919 im Obergeschoss ein Graphisches Kabinett angegliedert. „Somit erhält dieser Kunstzweig in Wiesbaden eine besondere Pflegestätte“ (Der Cicerone. H. 19 v. 2. 10. 1919, S. 631). Drei Monate später berichtet Mela Escherich aus Wiesbaden: „Die Pflege moderner Graphik scheint in Wiesbaden erfreulicherweise Bedürfnis zu werden. Das graphische Kabinett […] hat sich gut eingeführt und übt durch seine wechselnden Ausstellungen, in denen auch alte Graphik vertreten ist, Anziehungskraft aus.“ (Der Cicerone. H. 1 v. 15. 1. 1920, S. 37)
1921 veröffentlichte das Graphische Kabinett Staadt mit dem „Katalog 1. Moderne Sammler-Graphik“ einen Lagerkatalog (Anzeigen in: Kunst und Künstler. H. 2 v. November 1921, Anzeigenseite 6; Die Kunst. H. 2 v. November 1921, Anzeigenseite XXVIII), „der moderne Graphik in seltener Vollständigkeit umfaßt, sind doch über 800 Nummern verzeichnet, und mancher der beliebtesten Graphiker ist gleich mit einer ganzen Reihe von Arbeiten vertreten, so Corinth, Gavarni, Erich Heckel, L. v. Hofmann, Klinger, Kokoschka, Käthe Kollwitz, Max Liebermann, Mayrshofer, Meid, Nolde, Oppler, Slevogt, Thoma. Dr. Guido Bagier schrieb ein Vorwort ‚Der Sieg der Graphik’“. (Kunstchronik und Kunstmarkt. Nr. 8 v. 18. 11. 1921, S. 149).
Weitere Angebotskataloge folgten, wie beispielsweise der Katalog 7: Luxusdrucke, Privatpressendrucke, illustrierte Bücher mit moderner Graphik (Anzeige in: Das Sammlerkabinett. H. 1, 1923/24, Anzeigenteil). Dazu passte auch die Einführung von „Bibliophilen Abenden“, an denen beispielsweise Christian Heinrich Kleukens, der Leiter der „Kleukens-Presse in Frankfurt (--> TIEDEMANN & UZIELLI) einen Vortrag hielt. (Der Sammler. Nr. 8 v. 19. 2. 1921, S. 10).
1925 wurde unter dem Namen „Buch und Kunst Heinrich Staadt“ ein zweites Geschäft in der Wilhelmstrasse 18 eröffnet, dessen Inhaber Heinrich Staadt sen. und Heinrich Staadt jun. waren, wo auch Auktionen von Graphik und Mappenwerken veranstaltet wurden. (Das Sammlerkabinett. H. 10, 1924/25, S. 35 und H. 11/12, S. 47; Monatshefte für Bücherfreunde und Graphiksammler. H. 5, 1925, S. 244; Kunst und Künstler. H. 2 v. November 1925, S. 84). Die Zweigstelle wurde um 1927 wieder geschlossen.
Am 6. Juli 1929 musste Staadt Konkurs anmelden (Börsenblatt für den deutschen Buchhandel. Nr. 174, 1929), am 27. November 1929 wurde die Buchhandlung von Jacob Klassert und Kurt Stöckmann übernommen und unter dem alten Namen weitergeführt. Um 1933 übersiedelte die Buchhandlung in die Langgasse 3, wo sie, mit wechselnden Inhabern, bis 2004/2005 bestand.

Nachweise:
Adressbuch des Deutschen Buchhandels; Dressler 1923; Pantheon 1926; Handbuch des Kunstmarktes 1926; Maecenas 1927; Dressler 1930

Wilhelm Rath: Der Weg zum Buchhändler.- Wiesbaden: Heinrich Staadt [1917]
75 Jahre Heinrich Staadt, Buchhandlung, Antiquariat, Wiesbaden 1878-1953.- Wiesbaden 1953
Rainer Stamm: George Grosz auf dem Weg zum Buchhändler. Marginalien zu zwei vergessenen Zeichnungen.- in: Aus dem Antiquariat. Nr. 4 v. April 1996, S. A 161 - A 164