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Kunst- und Kunstgewerbehaus Worpswede GmbH
  • © Berlinische Galerie / Wolfgang Wittrock
  • Repro: Berlinische Galerie
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KUNST UND KUNSTGEWERBEHAUS WORPSWEDE -> VOGELER
KUNST- UND KUNSTGEWERBEHAUS WORPSWEDE G. M. B. H.
KUNSTSCHAU PHILINE VOGELER
AUSSTELLUNG PHILINE VOGELER
KUNSTAUSSTELLUNG WORPSWEDE

Adresse: WORPSWEDE, Hannover (Niedersachsen)
Inhaber: G. m. b. H. (1906-1913), Geschäftsführer Franz Vogeler; Philine (Philippine) Vogeler; Philine (Philippine) Vogeler (ab 1915)
Bestand: Gründung 1906
Charakteristik: Kunsthandlung, Kunstgewerbehandlung
„Kunstausstellung Worpswede. Unsere Ausstellung von Gemälden und kunstgewerblichen Arbeiten hiesiger Künstler ist während der Sommer- und Herbstmonate täglich geöffnet. Kunst- u. Kunstgewerbehaus Worpswede G. m. b. H.“ (Anzeige in: Die Kunst für Alle. H. 20 v. 15. 7. 1906, 2. Umschlagseite); „Ausstellung von Werken der Worpsweder Künstler, Kunsthandlung, Buchhandlung, Kunstverlag“ (Geschäftsbriefpapier 1911, Abb. in: Archiv 1981. S. 149 )

Ausstellungen
Einzelausstellungen des im Sommer bis Herbst betriebenen Kunst- und Kunstgewerbehauses sind kaum überliefert. Neben Gemälden und Graphik wurden auch Keramik verschiedener Künstler sowie Möbel von Heinrich Vogeler ausgestellt. 1920 stellte sich hier die kurzlebige Künstlervereinigung „Das neue Worpswede“ (Bernhard Hoetger, Carl Emil Uphoff, Fritz Uphoff) vor, 1922 ist eine Einzelausstellung der etwa 1920-1926 in Worpswede lebenden Hilde Hamann überliefert, etwa zur selben Zeit stellte auch Hans Trimborn aus .

Verlag
Heinrich Vogeler: 10 Originalradierungen aus der Mappe An den Frühling, 1907 [Die Erstauflage erschien 1899 bei Schuster & Löffler]. (Neuigkeiten 1907. S. 114); Die Nymphe, Originalradierung, 1907 (Neuigkeiten 1907. S. 114); Die Radierungen von Heinrich Vogeler-Worpswede aus den Jahren 1890-1907, 1908 (Elze 1997, S. 166).
Die Radierungen wurden zum Teil 1909 vom Verlag Ludwig  MÖLLER, Lübeck in Vertrieb übernommen. (Möller 1909, S. 95-96)

Bemerkung
Die „Wümme-Zeitung“ berichtet am 19. April 1906: „Die Worpsweder Künstler eröffneten am ersten Ostertag hierselbst ein Kunst- und Kunstgewerbehaus. Die Ausstellung befaßt sich nur mit Kunstwerken von Worpswedern oder mit Worpswede verknüpften Künstlern und Kunstgewerblern.“ Die Ausstellung war in einer von dem Architekten Carl Eeg umgebauten Remise neben der Villa Monsee, in der das Ehepaar Franz und Philine Vogeler seit 1905 wohnte, untergebracht (Peter Benje 1992, S. 138). Initiator war der in Worpswede lebende Maler, Grafiker, Innenarchitekt und Kunstgewerbler Heinrich Vogeler-Worpswede (1872-1942), der damit der zunehmenden Kommerzialisierung des aufstrebenden Ortes entgegenwirken wollte. Als Geschäftsform wurde die G. m. b. H. gewählt, sein Bruder Franz Vogeler (1876-1915) war neben Marie Louise Vogeler Gesellschafter und wurde mit der Geschäftsführung betraut, dessen Frau Philine (Philippine) Vogeler, geborene Scholz (1877-1952) folgte ihm nach. Die Gründung wurde sogar in überregionalen Kunstzeitschriften registriert, so schrieb beispielsweise die in München erschienene Halbmonatszeitschrift „Die Kunst für Alle“: „Hier ist unter der Firma ‚Kunst und Kunstgewerbehaus Worpswede’ ein Kunstsalon entstanden, der wechselnde Ausstellungen der Worpsweder Künstler veranstaltet. Zur Zeit weist die Ausstellung Werke von [Fritz] Mackensen, [Otto] Modersohn, [Heinrich] Vogeler, [Karl] Krummacher, [Richard] Hartmann, [Wilhelm Ludwig] Scholkmann auf.“ ( H. 18 v. 15. 6. 1906, Anzeigenseite S. II) Eine Abbildung der Kunsthandlung findet sich in Heinrich Vogeler 1983, S. 104 und in Kunst und Kunstgewerbe 1925, Abb. [41]. Angeschlossen war ein Kunstverlag und eine Buchhandlung und 1907 wurde in Tarmstedt eine „Werkstätte des Kunstgewerbehauses Worpswede GmbH zu Tarmstedt“ gegründet, aus der wenig später die „Worpsweder Werkstätte“ hervorging, die Möbel von Heinrich Vogeler, Karl Krummacher und Alfred Schulze erzeugte (Peter Benje 1992).
Franz Vogeler - er war Mitglied des „Deutschen Werkbundes“ - starb 1915 und seine Frau führte den Kunsthandel weiter. 1938 zog sie in Worpswede in das von Bernhard Hoetger erbaute „Philine Vogeler-Haus“ in der Bergstrasse 13, in dem sich heute die "Worpsweder Touristik und Kulturmarketing GmbH" befindet. Aus den Dreissigerjahren ist noch bekannt, dass der Maler und Bildhauer Carl Emil Uphoff als Ortswart der nationalsozialistischen Organisation „Kraft durch Freude“ Ausstellungen bei Philine Vogeler organisiert hat. (Kirsch 1987, S. 208)
In späteren Jahren war Philine Vogeler in den Wintermonaten für Ludwig Roselius in Bremen tätig, wo sie die Kunstabteilung des Paula Modersohn Becker-Hauses leitete, das 1920 als -> BREMER KUNSTSCHAU eröffnet wurde.
Auch in dem 1925 eröffneten, von Bernhard Hoetger erbauten -> CAFÉ WORPSWEDE wurde ein Ausstellungsraum eingerichtet, der von Philine Vogeler geleitet wurde (Kunst und Kunstgewerbe 1925, Abb. [42])

Nachweise:
Neuigkeiten des deutschen Kunsthandels. Nr. 9 v. Oktober 1907
Ludwig Möller. Verlags-Katalog. 2. Nachtrag Herbst 1909
Kunst und Kunstgewerbe in Worpswede. Katalog hrsg. von der Wirtschaftlichen Vereinigung Worpsweder Künstler.- Worpswede 1925
Das Archiv des Westfälischen Kunstvereins und des Provinzialvereins für Wissenschaft und Kunst. Bearbeitet von Werner Frese.- Münster 1981
Heinrich Vogeler. Kunstwerke, Gebrauchsgegenstände, Dokumente.- Berlin 1983
Hans-Christian Kirsch: Worpswede. Die Geschichte einer deutschen Künstlerkolonie.- München.-1987
Peter Benje: Die Worpsweder Werkstätte Franz Vogelers.- in Von der Volkskunst zur Moderne. Kunst und Handwerk im Elbe-Weser-Raum 1900-1930.- Stade 1992, S. 138-153
Peter Elze: Heinrich Vogeler. Buchgraphik. Das Werkverzeichnis 1895-1935.- [Lilienthal] 1997
Theo Neteler: Der Buchkünstler Heinrich Vogeler. Mit einer Bibliographie.- Ascona, Unterreit 1998