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Artaria & Co.
  • © Berlinische Galerie / Wolfgang Wittrock
  • Repro: Berlinische Galerie
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ARTARIA
ARTARIA & COMP.
ARTARIA & CO.
KUNST-SALON ARTARIA & CO.
KUNSTHANDLUNG ARTARIA & CO.

Adresse: WIEN, Kohlmarkt 9
Inhaber: Carl August Artaria, Dominik Artaria (öffentliche Gesellschafter im Berichtszeitraum)
Bestand: 1770-heute
Charakteristik: Kunsthandlung, Kunstantiquariat, Kunstverlag
„Artaria & Co. Kunst-Salon. I. Kohlmarkt Nr. 9.“ (Anzeige in: Katalog der 1. Kunst-Ausstellung der Vereinigung bildender Künstler Österreichs [Secession] 1898. S. 61); „Kunst-Salon Artaria & Co. in Wien, I. Kohlmarkt 9. Neue Original-Radierungen und Lithographien von: Besnard, Dasio, Burger, Greiner, Grasset, Helleu, Herkomer, Liebermann, Klinger, Lunois, Mediz, Mucha, Myrbach, Pelikan-Mediz, Rops, Raffaelli, Sattler, Schmutzer, Storm van’s-Gravesande, Thoma, Vogeler etc. etc.“ (Anzeige in: Katalog der II. Kunst-Ausstellung der Vereinigung bildender Künstler Österreichs [Secession] 1898. S. 50); „Kunst-Salon Artaria & Co. in Wien, I. Kohlmarkt 9. Gemälde, Aquarelle. Neue Original-Radierungen und Lithographien, alte und moderne Stiche, Photographien nach alten Meistern.“ (Anzeige in: Wiener Rundschau. Nr. 8 v. 15. 4. 1900, Umschlagseite 4); „Kunsthandlung Artaria & Co. Wien (Kohlmarkt) im neuerbauten Geschäftshause. Gemälde u. Aquarelle, Original-Radierungen moderner Meister, Kleinplastik. Kunstbücher und Zeitschriften, Auktionskataloge, Photographien aller europäischer Sammlungen. Alle Arten von Reproduktionen. Periodische Ausstellungen“ (Anzeige in: Katalog der Modernen Galerie in Wien.- Wien 1903. Anzeigenseite); „Kunst-Antiquariat Artaria & Co. Wien I. Kohlmarkt 9. Ankauf Gemälde alter Meister besonders auch der älteren Wiener Schule. Gute Handzeichnungen älterer und moderner Künstler. Miniaturen. Gute alte Stiche.“ (Anzeige in: Der Kunstmarkt. Nr. 5 v. 8. 11. 1907, S. 37); „Österreichische Graphiker. L. Kasimir, G. v. Kempf, R. Kratky, T. Krizmann, M. M. Lusy, L. Michalek, M. Pollak, F. Pontini, O. Roux, F. T. Simon, Ferdinand Schmutzer, J. Stoitzner, O. Trauner, W. Unger u.v.a. Die Arbeiten dieser Künstler sind zu beziehen durch Artaria & Co., Kunsthandlung, Wien I Kohlmarkt 9.“ (Anzeige in: Internationale Kunst-Ausstellung des Sonderbundes Westdeutscher Kunstfreunde und Künstler zu Cöln 1912. Illustr. Katalog. Anzeigenseite XXIII)

Ausstellungen:
1897: Alphons Mucha
1898: Felician Freiherr von Myrbach
1901: Hermine Heller-Ostersetzer
1902: Eröffnungsausstellung des neuen Hauses (dabei u. a. Friedrich Gauermann, Gustav Gurschner, Carl Moll, Felician Freiherr von Myrbach, Fritz von Uhde, Ferdinand Schmutzer,
Ferdinand Georg Waldmüller; Max Klinger (Original-Skizzen zur Brahms-Phantasie, Zeichnungen und seltene Drucke)
1903: Ludwig Michalek; Margaret Macdonald-Mackintosh
1904: Österreichische Künstler (dabei Ferdinand Andri, Josef Engelhart, Rudolf Jettmar, Maximilian Lenz, Ludwig Michalek, Carl Moll, Felician Freiherr von Myrbach, Ferdinand Schmutzer, Carl Maria Schwerdtner, William Unger, Adolf Zdrasila)
1905: Medardo Rosso
1906/07: Ludwig Heinrich Jungnickel
1912: Marino M. Lusy

Verlag:
Die Verlagserzeugnisse des Buch- und Musikalienverlages finden hier keine Darstellung.
Originalgraphik:
Josef Bató: Der Krieg gegen Russland 1914/15. 23 Radierungen, 1916
Alfred Cossmann: Selbstbildnis; Der Neugierige; Schlafender; Ex Libris Alfred Cossmann; Die Wacht; Jugendlicher Mozart; Italienerin; Kinderkopf; Der Agitator. Radierungen
Stefanie Glax: Der Tag einer Dame. 10 Algraphien und Titelblatt in Algraphie. (Druck: k. k. Hof- und Staatsdruckerei, bei Artaria in Kommission) [1901]
Franz Hofer; Winterlandschaft. Radierung 1913
Heinrich Lefler, Josef Urban: Österreichischer Kalender 1898
Marino M. Lusy: Der Templerhof; Regenwetter in Joigny; Kathedrale in Chartres; Kathedrale in Meaux; Pforte des Klosters in Daphni; Straße von Cuacos; Kirche in Randa; Kathedrale von Sevilla; Abend am Bosporus; La Pointe du Serail; Türkische Häuser am Wasser; Straße in Istanbul; Portal der heiligen Grabkirche in Jerusalem. Radierungen
Christian Ludwig Martin: Nachtlokal; Tanzlokal; Im Wiener Prater; Gasthaus im Prater; Scheuende Pferde. Radierungen
Ernst Peche: Unter dem Apfelbaum; Sommer; Sommerfreuden; Frühlingsreigen; Spaziergang; Walzbruders Schlummerstündlein. Radierungen
Oswald Roux: Auf der Landstraße; Lohnfuhrwerk; Soldatengräber in der Bukowina. Radierungen
Max von Scherer: Frühling in Sievering; Znaim, Nikolaigasse; Aus dem Ghetto in Nikolsburg; Aus Graz; Rosegg bei Graz; Tauwetter auf dem Rosenberg bei Graz; Loggia in Graz; Graz im Schnee; Von den Petersbergen bei Graz; Adria-Hafen. Radierungen
Ferdinand Schmutzer: Der Kuß; Die alte Brücke in Dresden; Studienkopf; Porträtstudie einer Dame; Am Klavier; Hofschauspieler Josef Kainz als Hamlet; Die Mutter des Künstlers; Bürgermeister Dr. Karl Lueger; Joachim und Exzellenz von Keudell zusammen musizierend; Das Joachimquartett. Holländisches Liebespaar. Radierungen
Originalgraphik von Luigi Kasimir, Gottlieb Theodor Kempf-Hartenkampf, Richard Kratky, Tomislav Krizmann, Ludwig Michalek, Max Pollak, Fritz Pontini, Tavík František Simon, Josef Stoitzner, Otto Trauner, William Unger
Neue Bilderbogen und Soldatenlieder. Herausgegeben zu Gunsten der Kriegspatenschaft. 24 Lithographien (davon 6 farbig) und Titelblatt (Farblithographie) von Oskar Laske, Alexander Pock, Emil Ranzenhofer, Oswald Roux, Victor Schufinsky, Karl Sterrer, Franz Windhager. 150 numerierte Exemplare [1917]

Bemerkung:
Vorläufer der noch heute bestehenden Firma Artaria waren Mitte des 18. Jahrhunderts die Reisekunsthändler Cesare, Domenico und Giovanni Casimiro Artaria. 1765 wurde die Firma in Mainz ansässig, ein Ableger wurde am 12. Februar 1770 mit „k. k. Privilegium“ in Wien eröffnet. In der Folge wurde Artaria einer der bedeutendsten Musikverleger in Wien, der u. a. die Werke der Komponisten Joseph Haydn, Ignaz Pleyel, Christoph Willibald Gluck, Wolfgang Amadeus Mozart und Ludwig van Beethoven druckte (Heinz Schöny 1998).
Im Berichtszeitraum (etwa 1895-1918) waren die öffentlichen Gesellschafter seit 1881 Carl August Artaria (1855-1919) und seit 1890 Dominik Artaria (1859-1936).
„Im Jahre 1900 wurde das alte Haus umgebaut und nahm nach Fertigstellung des Neubaues die Geschäftsräume wieder in seinen Mauern auf. Die vergrößerten, mit einem Oberlichtsaale versehenen Räume gestatteten den erweiterten Betrieb des Kunstgeschäftes und die Veranstaltung einiger Ausstellungen. Die Werke der Alt-Wiener Meister und sowohl alte als moderne Graphik werden besonders gepflegt.“ (Österreich-Ungarische Buchhändler-Correspondenz 1910, Abt. II, S. 3-4).
Mit dieser Selbstcharakteristik der Kunsthandlung ist die programmatische Ausrichtung von Artaria in dieser Zeit beschrieben. Neben dem Kunsthandel und gelegentlichen Auktionen wurden Ausstellungen eher selten veranstaltet, wie auch Hugo Haberfeld 1905 berichtet: „Zwischendurch lud manchmal auch Artaria, recht wie ein Amateur, die Kunstfreunde zu sich“ (Österreichische Rundschau. H. 53 v. 2. 11. 1905, S. 39). Auch der Eintrag in Dresslers Kunstjahrbuch 1907, S. 568 stellt fest: „Veranstaltet gelegentlich kleine Ausstellungen, als Spezialität solche der Graphik.“
Artaria war der Verleger von Österreichs bedeutendster Kunstzeitschrift „Kunst und Kunsthandwerk“, die von 1898 bis 1921 erschien. Daneben waren die Graphik-Editionen ausschliesslich österreichischer Künstler im Berichtszeitraum auch das Hauptaufgabengebiet des Verlages. Ausserdem nahm Artaria auch Graphik einzelner Künstler in Kommission, beispielsweise die Farblithographien von Carl Moser (Wilfried Kirschl 1989, S. 239) oder die Radierungen von Ferdinand Eckhardt (Ferdinand Eckhardt 1983, S. [6]).
Sowohl Carl August als auch Dominik Artaria waren passionierte Kunstsammler und engagierten sich auch in der „Korporation der Wiener Buch-, Kunst- und Musikalienhändler“, Dominik Artaria war darüber hinaus auch Sachverständiger und Schätzmeister für Gemälde und Graphik (Verzeichnis 1931, S. 109).
Ein Mitarbeiter in der Kunstabteilung war der 1888 geborene Hans Philipp Gutacker, der sich in der Folge in Wien selbständig machte (Werner J. Schweiger 1995, S. 21) und im März 1921 nach Bonn übersiedelte und dort das -> KUNSTHAUS GUTACKER eröffnete.
1932 wurde die Firma aufgelöst und trat in Liquidation. Die Bestände wurden 1933 versteigert: Die Handzeichnungen im -> DOROTHEUM, die Graphik bei -> GILHOFER & RANSCHBURG und die Handbibliothek bei Boerner in Leipzig.
Nachfolger wurde das Kunst- und Auktionshaus „Artaria & Co. Nachf. Gilbert von Schivitz“ (Anzeige in: Internationale Sammler-Zeitung. Nr. 20 v. 15. 12. 1932, Umschlagseite 4) unter welchem Namen die Firma noch besteht.
Der 1920 ausgegliederte Verlag firmierte unter „Geographischer Verlag und Landkartenhandlung Artaria G. m. b. H.“ und besteht heute an derselben Adresse unter „Freytag-Berndt u. Artaria KG“.

Nachweise:
Adressbuch des Deutschen Buchhandels; Müller, Adressbuch des Deutschen Buchhandels und verwandter Berufszweige; Perles; Jahrbuch der bildenden Kunst 1904; Dressler 1906, 1907, 1908, 1909

Österreich-Ungarische Buchhändler-Correspondenz. Festnummer 1910
Verzeichnis der vom Handelsgerichte, von den Landesgerichten in Zivilrechtssachen und von den Bezirksgerichten in Wien ständig bestellten und beeideten Sachverständigen und Schätzmeister […] Wien 1931
Geschichte der Firmen Artaria und Freytag-Berndt und Artaria.- Wien. 1970
Ferdinand Eckhardt jun.: Ferdinand Eckhardt. Ein Wiener Graphiker (1876-1952). Radierungen - Monotypien - Musikornamente.- [Ottawa 1983]
Wilfried Kirschl: Carl Moser 1873-1939.- Innsbruck 1989
Werner J. Schweiger: Kunsthandel der Zwischenkriegszeit in Wien.- in: Galerie Würthle. Gegründet 1865.- Wien: Galerie Würthle 1995. S. 17-23
Heinz Schöny: Der Musikverlag Artaria.- in: Genealogie. H. 7/8, 1998, S. 206-214
Österreichisches Musiklexikon. Band 1. Wien 2002