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Kunstsalon Brüko
  • © Berlinische Galerie / Wolfgang Wittrock
  • Repro: Berlinische Galerie
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BRÜKO
KUNSTSALON BRÜKO
KUNST SALON „BRÜKO“

Adresse: WIEN, Weihburggasse 10, 1. Stock
Inhaber: „Postkartenverlag Brüder Kohn“ (Adolf, Alfred und Salomon Kohn)
Bestand: 1914
Charakteristik: Kunsthandlung
„Kunst Salon „Brüko“ Wien I Weihburgg. 10 Telephon Nr. 2287“ (Geschäftsdrucksache 1914)

Ausstellungen:
1914: Wilhelm List; Róbert Berény, Bertalan Pór, Ludwig [Lajos] Tihanyi; Erich Lamm; Rudolf Huber

Bemerkung:
„Erst vor kurzem wurde die Eröffnung eines neuen Kunstsalons gemeldet [angesprochen wird -> HALM & GOLDMANN]. Und schon wieder ist ein solcher entstanden und zwar im ersten Stock der Weihburggasse 10 […] geräumige, fensterreiche Lokalitäten nach modernem Prinzip einfach und zweckdienlich mit transportablen Querwänden ausgestattet“ (Wiener Sonn-und Montags-Zeitung. Nr. 10 v. 9. März 1914, S. 8). Am 3. März 1914 wurde die erste Kollektivausstellung mit Werken von Wilhelm List, einem der Mitbegründer der Wiener Secession, eröffnet.
Die Neugründung fand auch in den überregionalen Kunstzeitschriften ihren Niederschlag: „Hier wurde kürzlich ein neuer Kunstsalon ‚Brüko’ eröffnet“ meldete der Wien-Korrespondent Kurt Rathe nach Leipzig (Der Cicerone. H. 6 v. Mai 1914, S. 231, gez.: r.) und Hans Tietze berichtete in der in München erscheinenden „Die Kunst“: „Ein neuer Kunstsalon ‚Brüko’ eröffnet seine hübschen Räumlichkeiten mit einer Ausstellung von Bildern Wilhelm Lists. Dieser hat in den Jahren, in denen er nicht ausstellte, eine Wandlung vom Dekorativen, Sentimentalen, bisweilen etwas Artistischen zu einer persönlicheren und kräftigeren Ausdrucksweise durchgemacht; in den farbensatteren Landschaften und den nach Einfachheit strebenden Aktkompositionen wird man des Willens gewahr, ein Stück neuerer Errungenschaften der Malerei arbeitend zu erweben.“ (Die Kunst. H. 7 v. April 1914, Anzeigenseite XVI-XVII)
Der Name der Galerie „Brüko“ leitete sich von seinen Gründern ab, den Brüdern Adolf, Alfred und Salomon Kohn, die seit 1898 den „Postkartenverlag Brüder Kohn Wien“ (BKW) betrieben. (Felix Czeike 1983; Werner J. Schweiger 1988, S. 150; Aus dem Postkartenverlag 1994) Dieser grösste österreichische Postkartenverlag verfügte über vier Verkausfsstellen in Wien und eine Berliner Niederlassung und bestand bis zur „Arisierung“ 1938.
Der regelmässige Umgang mit den Künstlern, deren Werke Brüder Kohn als Vorlage für ihre Kunstpostkarten zur Reproduktion erwarben, dürfte die Unternehmer bewogen haben, es mit dem Kunsthandel zu versuchen, allerdings dauerte die Kunsthandelstätigkeit der Brüder Kohn nur kurze Zeit, denn zwischen März und Sommer 1914 sind lediglich vier Ausstellungen festzustellen. Drei Einzelausstellungen österreichischer Künstler (Wilhelm List, Erich Lamm, Rudolf Huber) und eine Gemeinschaftsausstellung der ungarischen Künstler Róbert Berény, Bertalan Pór und Lajos Tihanyi, über die Hans Tietze schrieb: „[…] auch sie sind keineswegs fertig und abgeschlossen, aber in dem wilden Gähren ihrer Kunst liegt Notwendigkeit und innerer Zwang, kein Volksheim der Welt wird diese Künstler fördern - oder hindern, was aufs selbe herauskommt - sich zum Ausdruck ihrer Persönlichkeit durchzukämpfen. Sie sind nicht eine Gruppe, sondern drei einzelne, zusammengehalten hauptsächlich durch den gemeinsamen Zug, daß sie sich mit all dem, was die Kunst unserer Zeit bewegt, auseinanderzusetzen bestrebt sind.“ (Die Kunst. H. 8 v. Mai 1914, S. 384, gez.: H. T.)
Nach Erich Lamm „ein Ehrgeiziger, der nach dem Besten ringt“ (Internationale Sammler-Zeitung. Nr. 11 v. 1. 6. 1914, S. 169) und einer Kollektivausstellung von Rudolf Huber sind keine weiteren Ausstellungen nachweisbar.
Der Ausbruch des 1. Weltkrieges hat für dieses junge Unternehmen wohl das Ende bedeutet.

Nachweise:
Felix Czeike: Wiener Kunstpostkarten.- in: Wiener Geschichtsblätter. H. 4, 1983, S. 163-169
Werner J. Schweiger: Aufbruch und Erfüllung. Gebrauchsgraphik der Wiener Moderne 1897-1918.- Wien 1988
Aus dem Postkartenverlag Brüder Kohn. Wiener Persönlichkeiten um 1900.- Wien 1994
Werner J. Schweiger: „Damit Wien einen ernsten Kunstsalon besitze:“ Die Galerie Miethke unter besonderer Berücksichtigung von Carl Moll als Organisator.- in: Belvedere. Jg. 4, Heft 2, 1998, S. 64-85; zu Brüko S. 67