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Kunsthandlung Gustav Nebehay
  • © Berlinische Galerie / Wolfgang Wittrock
  • Repro: Berlinische Galerie
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NEBEHAY
GUSTAV NEBEHAY
KUNSTHANDLUNG GUSTAV NEBEHAY

Adresse: WIEN, Hotel Bristol, Altes Haus (1917-1920); Kärntnerring 7 (1920-1928)
Inhaber: Gustav Nebehay
Mitarbeiter: Eduard Kosmack
Bestand: 1916-1928
Charakteristik: Kunsthandlung
„Gustav Nebehay. Alt-Wiener Bilder, Miniaturen, Aquarelle, Handzeichnungen alter und neuer Meister, Gotische Miniaturen, Originale von Dürer und Rembrandt, Engl. und franz. Farbstiche. Wien, Hotel Bristol, Altes Haus. Besuchszeit 4-7 Uhr. Fernsprecher 1207, 5046“ (Anzeige in: Die Bildenden Künste. H. 5/6 v. Mai/Juni 1917, Anzeigenseite XIV); „Kunsthandlung Gustav Nebehay. Wien I., Kärntnerring 7“ (Anzeige in: Die Initiale. H. 2 v. April 1921, S. 31)

Ausstellungen:
1918: Egon Schiele; Charles Schuch
1919: Gustav Klimt; Ludwig Heinrich Jungnickel; Willi Nowak
1920: Gustav Klimt (Stoclet-Fries)
1921: Eugen Hamm
1922: Georg Merkel
1923: Georg Kolbe

Bemerkung:
„Im alten Haus des Hotels Bristol hat vor einiger Zeit Gustav Nebehay eine Kunsthandlung eröffnet, die berufen scheint, dem an Mangel tatkräftiger Menschen kranken Kunstleben Wiens etwas neues Blut einzuflößen.“ (Der Cicerone. H. 7 v. 10. 4. 1919, S. 202)
Die einzige Kunsthandelsneugründung während des Ersten Weltkrieges wurde von Gustav Nebehay (1881-1935) vollzogen, der vor allem in Leipzig (C. G. Boerner) und Berlin (-> CHARLES A. DE BURLET) als Antiquar und Kunsthändler tätig war, bevor er seine Geschäfte 1916 nach Wien verlegte und im Hotel Bristol (Wien 1., Kärntner Ring) eine eigene Kunsthandlung eröffnete. Neben seinem Spezialgebiet (Handzeichnungen alter Meister) hatte er auch Interesse an zeitgenössischer Kunst und war an mehreren geplanten oder ausgeführten Gründungen von Künstlervereinigungen, wie beispielsweise „Neue Secession Wien“ und „Sonderbund“, beteiligt. 1918 stellte er Gustav Klimt, Egon Schiele und Charles Schuch in den Mittelpunkt von Ausstellungen und präsentierte im Februar/März den erworbenen Klimt-Nachlass.
Besondere Verdienste erwarb er sich durch die jahrelange Unterstützung des jungen Herbert Boeckl, mit dem er 1920 einen Vertrag schloß. (Herbert Boeckl 1994, S. 235-136; Christian M. Nebehay 1983, S. 166-168) Seltsamerweise ist keine einzige Boeckl-Ausstellung in der Galerie von Gustav Nebehay tradiert, aber die Dankbarkeit des Künstlers ist durch eine Widmung auf einer (verschollenen) Zeichnung von 1921 dokumentiert: „Herrn Gustav Nebehay, dem treuen Förderer meiner Arbeit“. (Herbert Boeckl 1968, S. 30)
Nach dem Tod von Gustav Klimt, Otto Lendecke und Egon Schiele beschäftigte sich Nebehay mit deren Nachlaß und gab - als Lagerlisten - 1919 zwei Hefte unter dem Titel „Die Zeichnung“ heraus (Heft I: Egon Schiele. April 1919; Heft II: Gustav Klimt. Juni 1919).
1919 wurde die dritte Ausgabe der Angebotskataloge „Die Zeichnung“ angekündigt: Ursprünglich sollte das Heft Ludwig Heinrich Jungnickel gewidmet sein (Die Zeichnung. H. 1, Umschlagseite 2), wenig später wurde der geplante Inhalt abgeändert, und angekündigt wurde ein Heft mit Zeichnungen von Robin Christian Andersen, Herbert Boeckl, Hans Böhler, Anton Faistauer, Johannes Fischer, Paris von Gütersloh, Anton Hanak, Felix Albrecht Harta, Johannes Itten, Ludwig Heinrich Jungnickel, Rudolf Kalvach, Georg Kars, Gustav Klimt, Oskar Kokoschka, Karl Mayerhofer, Georg Merkl, Egon Schiele, Heinrich Schröder, Ernst Wagner (Die Zeichnung. H. 2, Umschlagseite 2). Auch dieses Heft ist nicht erschienen, die Anzeige dokumentiert aber das Angebot von Gustav Nebehay.
Mit Klimts Entwürfen für den Stoclet-Fries eröffnete Nebehay im Juni 1920 seine neuen Räume am Kärntner Ring 7 ( Die bildenden Künste. H. 5/6, 1920, S. XI), das Plakat dazu schuf Dagobert Peche.
Ausstellungen von zeitgenössischen Künstlern gab es allerdings nur selten und sehr unregelmäßig: 1919 stellte Nebehay Ludwig Heinrich Jungnickel und den in Deutschland lebenden, aus Prag gebürtigen Willi Nowak aus. Willi Nowak wurde von Gustav Nebehay auch groß auf der „Kunstschau 1920“, in deren Ausstellungskomitee der Kunsthändler vertreten war, präsentiert (16 Werke), was ihm auch prompt Kritik seitens der Künstler eintrug.
Weitere Leihgaben der Galerie Nebehay auf der „Kunstschau 1920“ waren Werke von Oskar Kokoschka und Otto Theodor Wolfgang Stein.
1921 stellte Nebehay den in Berlin lebenden Leipziger Maler und Graphiker Eugen Hamm in Wien vor. Die Seltenheit von Ausstellungen belegt die Einleitung der Rezension von Erica Tietze-Conrat: ,,Bei Gustav Nebehay ist seit langem wieder einmal eine Kollektivausstellung zu sehen“ (Kunstchronik und Kunstmarkt. Nr. 27 v. 1. 4. 1921, S. 527).
Mit dieser Ausstellung begann Nebehay ein neues Konzept zu entwickeln, das er Arthur Roessler darlegte und worüber in der „Arbeiter-Zeitung“ zu lesen war: „Die Kunsthandlung Nebehay, die einzige in Wien, die es unternimmt, den um ihre Kunst und ihr Dasein schwer ringenden jungen neuschöpferischen Künstlern unverdrossen und unverdrießbar hilfreich beizustehen, ihnen materiellen Rückhalt zu bieten, also das zu bieten, was sie am notwendigsten brauchen: Schaffensmöglichkeit, macht mit dieser Ausstellung [von Eugen Hamm] zum ersten Mal den Versuch, die vor dem Kriege bestandenen regen Kunstbeziehungen zwischen Deutschland und Oesterreich nach jahrelanger Pause wieder aufzunehmen, und zwar durch wechselseitige Ausstellungen deutscher Künstler in Wien und österreichischer Künstler in Leipzig und anderen deutschen Städten. Da bei diesen Ausstellungen kein Eintrittsgeld eingehoben wird, Verkäufe vorerst nicht allzu häufig erfolgen, wogegen die Kosten […] recht erhebliche sind, kann bei diesem Unternehmen, wenn schon nicht von idealer Opferwilligkeit, so doch von ideell höchst achtenswertem Wagemut gesprochen werden, dem Anerkennung nicht zu versagen ist […].“ (Arthur Roessler: Kollektion Eugen Hamm.- in: Arbeiter Zeitung. 14. 4. 1921, S. 5)
Die Pläne waren weitgefasst, konnten aber, nach derzeitigem Wissensstand, nicht einmal im Ansatz ausgeführt werden.
Erst 1922 gab es wieder eine Ausstellung, präsentiert wurde der junge Georg Merkel, 1923 folgte eine Georg Kolbe-Ausstellung sowohl in der Galerie Nebehay als auch, veranstaltet von der „Gesellschaft zur Förderung Modener Kunst in Wien“, im Theseustempel im Volksgarten „unter Mitwirkung der Kunsthandung Gustav Nebehay“ (Plakat zur Ausstellung, MAK - Österreichisches Museum für angewandte Kunst).
Die Charakterisierung von Gustav Nebehay durch zwei Zeitgenossen könnte nicht unterschiedlicher ausfallen: Während sein Antiquariats-Kollege Martin Breslauer meinte, „bei ihm verband sich mit dem Spekulativen ein feines psychologisches Empfinden des für den Erfolg Erforderlichen“ (Martin Breslauer 1966, S. 58), bescheinigte ihm der Maler Anton Faistauer kurz und bündig „Cäsarenwahn“. (Anton Faistauer 1962, S. 49)
Während der Salzburger Festspiele 1926 mietete Gustav Nebehay Ausstellungsräume im „Hotel de l’Europe“ und präsentierte „Handzeichnungen alter Meister, Gemälde, Plastik, Miniaturen, Autographen“ (Anzeige in: Festspiele 1926. Salzburg. Offizielles Programm). Zu dieser Zeit hatte Nebehay sein Kunsthandelsangebot bereits völlig auf ältere Kunst ausgerichtet. In der Folge spezialisierte sich Gustav Nebehay auf Zeichnungen des 15. bis 18. Jahrhunderts, die ab 1927 in einer neuen Reihe der Kataloge „Die Zeichnung“ anboten wurden. (Die Zeichnung. Heft 1-3, Wien 1927-1928; Heft 4, Berlin 1928)
1928 übersiedelte Gustav Nebehay nach Berlin (Der Kunstwanderer. April 1928, S. 355), wo er seine Kunsthandlung am Schöneberger Ufer 37 (in den ehemaligen Räumen von Leo Blumenreich) betrieb. („Gustav Nebehay. Berlin W. 35, Schöneberger Ufer 37. Handzeichnungen, Miniaturen. Meine Kataloge „Die Zeichnung“ stehen Interessenten gern zur Verfügung“ (Anzeige in: Der Kunstwanderer. Juli 1928, S. 480).
Zwei Söhne von Gustav Nebehay folgten dem Vater in seinem Beruf: Christian Nebehay (1909-2003) übernahm 1935 die Anteile seines Vaters von der Firma -> V. A. HECK und richtete dort ein Graphisches Kabinett ein, nach dem Krieg war er zuerst in Salzburg und dann in Wien als Kunsthändler tätig. Ingo Nebehay (1915-2000) erlerne den Buchhandel 1932-1935 bei -> GILHOFER & RANSCHBURG und machte sich 1961 in Wien mit einem eigenen Geschäft selbständig.

Nachweise:
Kunstschau 1920. Wien: Österreichisches Museum für Kunst und Industrie 1920
Anton Faistauer: Briefe an Felix Albrecht Harta. Hrsg. und erläutert von Franz Fuhrmann, Salzburg.- in: Salzburger Museum Carolino Augusteum. Jahresschrift 7, 1961.- Salzburg 1962. S. 37-118
Martin Breslauer. Erinnerungen, Aufsätze, Widmungen. Mit einem Vorwort von Hans Fürstenberg.- Frankfurt am Main 1966
Herbert Boeckl. Zeichnungen und Aquarelle. Ausgewählt und eingeleitet von Werner Hofmann.- Wien 1968
Christian M. Nebehay: Die goldenen Sessel meines Vaters. Gustav Nebehay (1881-1935). Antiquar und Kunsthändler in Leipzig, Wien und Berlin.- Wien 1983
Herbert Boeckl. Hrsg. v. Ingried Brugger und Klaus Albrecht Schröder.- München 1994