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Galerie St. Lucas
  • © Berlinische Galerie / Wolfgang Wittrock
  • Repro: Berlinische Galerie
Transkription / Beschreibung
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SANCT LUKAS
GALERIE ST. LUCAS HERZIG & LOIBL GES. M. B. H.
GALERIE ST. LUCAS CARL HERZIG & CO.
GALERIE SANCT LUCAS
GALERIE SANKT LUKAS
GALERIE ST. LUCAS
GALERIE ST. LUKAS

Adresse: WIEN 1, Josefsplatz 5
Inhaber: Carl Herzig, Anton Johann Loibl (1919-1923); Carl Herzig (bis 1930), Ludwig Fürst (bis 1927), Adolf Fritz Mondschein (bis 1938); Jula Herzig (ab 1930), Dr. Robert Herzig (ab 1938); Roman Herzig (heute)
Bestand: 1919-heute
Charakteristik: Kunsthandlung
„Galerie St. Lucas. Wien 1, Josefsplatz 5 Palais Pallavicini. Gemälde erster Meister - antike Kunst -Stilmöbel“ (Anzeige in: Wiener Almanach. Jg. 29, 1920, S. 331), „An und Verkauf alter Gemälde und Kunstgegenstände“ (Anzeige in: Katalog der Winterausstellung.- Wien: Künstlerhaus 1919, Anzeigenseite; ähnlich in: Internationale Sammler-Zeitung. Nr. 12 v. 16. 6. 1920, Umschlagseite 3); „Galerie Sanct Lucas. Gemälde erster Meister. Antike Kunstobjekte. Regelmässige Versteigerungen im Wiener Künstlerhausgebäude“ (Anzeige in: Die bildenden Künste. H. 1/2, 1921, Anzeigenseite I); „Galerie Sanct Lucas. Gemälde alter Meister, Altes Kunstgewerbe. Sanct Lucas-Versteigerungen“ (Anzeige in: Internationale Sammler-Zeitung. Nr. 8 v. 15. 4. 1923, S. 62); „Galerie Sanct Lucas. Gemälde alter Meister. Old Pictures to visit every day“ (Anzeige in: The Bristol Mail [Wiener Hotelzeitschrift], Nr. 3, 1928, S. 62)

Ausstellungen:
1920: Erika Abels-d’Albert
1921: Hugo von Bouvard, Fritz Gareis, Karl Hassmann, Karl Ludwig Prinz, Kolo Moser
1922: Erika Abels-d’Albert
1923: Philipp Friedrich Kaufmann
1934: Philipp Friedrich Kaufmann

Bemerkung:
„Im Palais Pallavicini am Josefsplatz in Wien befindet sich seit Herbst 1919 eine ausgewählte Sammlung von Gemälden allererster Meister alter Schulen, darunter Holländer und Franzosen von hervorragender Qualität […] Die Galerie St. Lucas hatte sich bald nach ihrer Etablierung eines ausgebreiteten Kundenkreises zu erfreuen, der sich derselben mit großem Interesse zuwandte.“ (Wiener Almanach. Jg. 29, 1920, S. 288).
Inhaber der protokollierten Firma waren u. a. Carl Herzig (1872-1930), seit 1930 seine Ehefrau
Jula Herzig (1884-1954) und ab 1938 ihr Sohn Dr. Robert Herzig (1911-1987). Der Mitinhaber bis 1938 war Albert Fritz Mondschein (1894-1994), dessen Anteile nach seiner erzwungenen Emigration in die USA, wo er unter dem Namen Frederick Mont ein anerkannter Altmeisterhändler in New York wurde, von Robert Herzig „übernommen“ wurden. Öffentliche Gesellschafter nach 1938 waren Dr. Robert Herzig und Jula Herzig (Compass 1943, S. 1186).
Neben dem Kunsthandel mit alten Gemälden stieg die Galerie auch in den Auktionshandel ein:
Die „I. Sanct Lucas Versteigerung“ fand am 3. und 4. März 1921 in angemieteten Räumen des Wiener Künstlerhauses statt. Für die Katalogbearbeitung sicherte man sich hervorragende Wiener Fachleute wie Gustav Glück und Alfred Walcher-Molthein. Mangels einer eigenen Auktionslizenz wurde August Johannes Schelle, der seit 1918 in Wien Versteigerungen durchführte, mit der Leitung betraut. Die zweite Auktion wurde am 11. und 12. Mai 1921 abgehalten (Internationale Sammler-Zeitung. Nr. 9 v. 9. 5. 1921, S. 97), weitere Auktionen sind derzeit nicht bekannt.
1921 wurde auch begonnen, die „Räume im Palais Pallavicini der modernen Kunst zu öffnen. Während der [Wiener internationalen] Messe findet da eine Ausstellung von Arbeiten heimischer Künstler statt, unter denen Hugo Bouward [Bouvard], Fritz Gareis, Karl Haßmann, Karl Ludwig Prinz hervorzuheben wären. Ein eigener Raum ist den Werken des zu früh der Kunst entrissenen Kolo Moser gewidmet“ (Internationale Sammler-Zeitung. Nr. 16 v. 1. 9. 1921, S. 173)
In der Folge fanden Ausstellungen zeitgenössischer Künstler nur mehr vereinzelt statt, Beispiele sind die Malerin Erika Abels d’Albert und der Maler Philipp Friedrich Kaufmann.
Danach zog man sich wieder auf den Handel mit alten Bildern zurück und veranstaltete Ausstellungen wie „Die jüngeren Brueghel und ihr Kreis“, „Gotische Malerei aus Österreich“ (beide 1935) oder „Italienische Barockmalerei“ (1937).
1939 verkaufte die Galerie ein Bild von Josef Feid an Friedrich Welz, der kurz zuvor die Wiener Galerie -> WÜRTHLE „arisiert“ hatte. Welz verkaufte das Bild dann 1944 in die von ihm geleitete Salzburger Landesgalerie (Roswitha Juffinger 2007, S. 107).
Während der NS-Zeit war die Galerie „in eine der größten Aktionen von Kunstverschiebung verwickelt“ (Stefan Templ 2001, S. 171, 175) und verkaufte neben zahlreichen Werken alter Kunst an das Kunsthistorische Museum in Wien (Kunstraub in Österreich 1998) beispielsweise auch ein Werk von Gustav Klimt aus ehemals jüdischem Privatbesitz 1939 an die „Österreichische Galerie“ (Gerbert Frodl 1992, S. 76) oder trat bei einer Dorotheum-Auktion 1942 im Namen des Kunsthändlers Wolfgang Gurlitt als Käufer eines Bildes von Egon Schiele aus jüdischem Privatbesitz auf (Steiermärkisches Landesarchiv, Landesgericht Graz, Rückstellungskommissionsakt Daisy Hellmann).
Nach dem 2. Weltkrieg wurde der Handel mit alter Kunst bis zur Gegenwart fortgesetzt.

Nachweise:
Archive:
Graz: Steiermärkisches Landesarchiv (Landesgericht Graz, Rückstellungskommissionsakt Daisy Hellmann); Wien: Österreichisches Staatsarchiv (Vermögensverkehrsstelle, Akt Adolf Fritz Mondschein)
Literatur:
Handbuch des Kunstmarktes 1926; Maecenas 1927; Maecenas 1930; Adressbuch1933

Compass. Kommerzielles Jahrbuch. Jg. 76, 1943
{(Gerbert Frodl 1992, S. 76) ??? überprüfen!!!}
Kunstraub in Österreich. 241 Anfragen des Grünen Klubs im Parlament vom 15. 4. 1998 [Geschäftszahl XX.GP.-Nr. 4024-4263/J-NR/1998]; Antwort von Bundesminister Elisabeth Gehrer vom 17. 2. 1999 [Geschäftszahl XX.GP.-Nr. 5184/AB]
Stephan Templ: Topographie des Raubes.- in : Tina Walzer/Stephan Templ : Unser Wien. „Arisierung“ auf österreichisch.- Berlin 2001
Roswitha Juffinger, Gerhard Plasser: Salzburger Landessammlungen 1939-1955.- Salzburg: Land Salzburg 2007