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A. Wertheim G.m.b.H
  • © Berlinische Galerie / Wolfgang Wittrock
  • Repro: Berlinische Galerie
    • Werner J. Schweiger (1949 - 2011)

  • TitleA. Wertheim G.m.b.H[Eintrag für geplante Publikation "Lexikon des Kunsthandels der Moderne im deutschsprachigen Raum 1905-1937"]
  • Date2005 - 2011
  • CategoryManuskripte
  • Materialdigital
  • FondsKunstarchiv Werner J. Schweiger
  • Inventory NumberBG-WJS-M-1,68
  • CreditlineZustiftung Christa M. Schweiger, Wien und Wolfgang Wittrock, Berlin, 2016
  • On DisplayNo
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A. WERTHEIM G. M. B. H.

Adresse: Leipziger Strasse 132-137, II. Stock
Inhaber: A. Wertheim G. m. b. H.
Bestand: Gründung 1913
Charakteristik: Graphisches Kabinett, Gemäldeausstellung

Ausstellungen:
1913: Walther Kühne; Willi Geiger; Hermann Struck; Aquarelle und Gemälde von u. a. Fritz Burger, Heinrich Eduard Linde-Walther, Max Neumann, Ernst Stern, Franz Türcke, Karl Walser; Erich Büttner (Gemälde und Aquarelle); Hans Barthelmess, Jan Oeltjen (Graphik); Max Pechstein (Graphik)
1914: Erna Frank (Radierungen und Lithographien)
1915: Wilhelm Giese (Radierungen)
o. J. : Käte Wolff (Schattenbilder)

Bemerkung:
1911-1912 wurde in einem 4. Bauabschnitt ein Erweiterungsbau des „Warenhaus Wertheim“ auf dem Grundstück Leipziger Straße 126-130 durch Heinrich Schweitzer errichtet und in diesem Neubau ein weiterer Versuch gestartet, den Kunsthandel in einem grossen Kaufhaus zu etablieren.
1913 eröffneten eine Reihe von Kunsthandlungen in Berlin, dabei u. a. die -> NEUE GALERIE von Otto Feldmann und die -> KUNSTHANDLUNG HUGO MOSES. I. B. Neumann, der sein -> GRAPHISCHES KABINETT mit einem Ausstellungsraum für „monatlich wechselnde Gemälde-Ausstellungen jüngerer Künstler“ erweiterte (Moderne Graphik [1913], Umschlagseite 4) war, nach Robert Breuer, auch daran beteiligt, im Warenhaus Wertheim ein Graphisches Kabinett einzurichten (Düsseldorfer Zeitung. 18. 8. 1913). Curt Glaser berichtet für „Die Kunst“: „A. Wertheim macht wieder einen energischen Vorstoß, auch einen Teil des Kunstmarktes an sich zu ziehen. Verständigerweise wird dort die Graphik im besonderen gepflegt, um diese billigen Originalarbeiten anstatt der üblichen mechanischen Reproduktionen als Wandschmuck in weitere Kreise zu bringen.“ (Die Kunst. H. 3 v. Dezember 1913, S. 128)
Hans Friedeberger schrieb: „Im Hause von A. Wertheim am Leipziger Platz ist eine Abteilung für moderne Graphik neu eröffnet worden, die […] nun auch mit Ausstellungen an die Öffentlichkeit tritt, deren erste Landschaften von Walther Kühne und das fast vollständige Werk von Willi Geiger bringt. Wer die Kunstausstellung noch nicht vergessen hat, die es bei Wertheim vor vielen Jahren gab, wird erfreut sein, hier einem ganz anderen Prinzip zu begegnen. Der Vorteil, den das Warenhaus vor anderen Geschäften hat, daß nämlich das Publikum, das diese Räume auf seinem Wege immer wieder durchschreiten muß, auch ohne seinen Willen eine Beziehung zu diesen Dingen gewinnt, die anderswo nur aus bewußter Anstrengung hervorgehen kann, wird hier in den Dienst der wirklich guten Kunst gestellt, und die Ausstellung moderner und alter Graphik […] können ein gutes Teil dazu beitragen, die Freude am Besitze guter Graphik wieder in den Kreisen des Bürgertums zu wecken.“ (Der Cicerone. H. 12 v. Juni 1913, S. 471)
Der zur Eröffnung erschienene Angebotskatalog „Moderne Graphik. Ständige Ausstellung im II. Stock“ mit 48 Seiten und 89 Abbildungen enthielt Originalgraphik von u. a. Max Beckmann, Marcus Behmer, Friedrich Feigl, Hanns Freese, Willi Geiger, Rudolf Großmann, Adolf Edward Herstein, Hans Meid, Wilhelm Oesterle, Emil Potter und Hubert Wilm und war - mit Ausnahme des Umschlages - ident mit dem gleichzeitig erschienenen 3. Angebotskatalog des Graphischen Kabinetts J. B. Neumann (Moderne Graphik [1913]).
Wenig später wurde das Angebot erweitert: „Seit dem Frühjahr hat auch das Warenhaus A. Wertheim […] eine ständige Gemäldeausstellung eingerichtet, die mit Geschmack die verschiedensten Käuferwünsche zu befriedigen sucht und auch junge Talente an die Öffentlichkeit zieht. In der neuen Zusammenstellung, die jetzt geboten wird, findet man u. a. entzückende japanische Aquarellskizzen von Walser und amüsante Studien in gleicher Technik aus Italien von Linde-Walther, Bilder von dem Landschafter Türcke, dem Porträtisten Fritz Burger, dem modernen Koloristen Max Neumann und das delikate Bild einer Orientalin von Ernst Stern, der sonst vor allem als künstlerischer Helfer Max Reinhardts bekannt ist.“ (Kunstchronik und Kunstmarkt. Nr. 44 v. 19. 9. 1913, Sp. 653)
Ende des Jahre 1913 wurde anlässlich einer Ausstellung von Graphiken von Max Pechstein die „rührige und verständnisvolle Leitung der Wertheimschen graphischen Abteilung“ besonders hervorgehoben, welche „auch diesmal durch nur gute Stücke die Entwicklung eines der bedeutsamsten unter den neueren Künstlern“ zeigt (Der Cicerone. H. 23 v. Dezember 1913, S. 847).
Von 2. bis 5. März 1914 wurde die erste (und einzige) Auktion von A. Wertheim veranstaltet. Der Katalog mit 916 Nummern enthielt Kupferstiche, Lithographien, Zeichnungen und Gemälde des 18. und 19. Jahrhunderts, sowie Berliner Ansichten, Porträts u. a.
Über das weitere Ausstellungsprogramm kann derzeit nichts mitgeteilt werden.
Wohl nicht in Zusammenhang mit der 1913 gegründeten Kunsthandlung ist die von Otto Nagel 1924 organisierte Ausstellung progressiver Künstler im „Warenhaus Wertheim“ zu sehen, wo Werke von u. a. Hans Baluschek, Otto Dix, George Grosz, Käthe Kollwitz, Rudolf Schlichter und Heinrich Zille gezeigt wurden (Otto Nagel. Leben und Werk 1894-1967.- Oberhausen 1987, S. 43).
Ende der Zwanzigerjahre gab es bei Wertheim in der Voss-Strasse 24 ein „Bibliophiles Antiquariat“ und eine „Abteilung für alte Graphik“ (Anzeige in: Internationales Adressbuch der Antiquare. Dritte Ausgabe 1929/30, S. 217), später unter dem Namen “Wertheim Das Bibliographikon“ betrieben (Anzeige in: Philobiblon. H. 3 v. März 1931, S. 34; Internationales Adressbuch der Antiquare. Vierte Ausgabe 1931/32, gegenüber dem Titelblatt). In diesem „Bibliographikon“ fand im Februar 1932 eine Ausstellung mit Silhouetten von Ernst Moritz Engert statt.

Nachweise:
Moderne Graphik.- Berlin: Graphisches Kabinett J. B. Neumann [3. Katalog, 1913]