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Moderne Galerie Wertheim
  • © Berlinische Galerie / Wolfgang Wittrock
  • Repro: Berlinische Galerie
    • Werner J. Schweiger (1949 - 2011)

  • TitelModerne Galerie Wertheim[Eintrag für geplante Publikation "Lexikon des Kunsthandels der Moderne im deutschsprachigen Raum 1905-1937"]
  • Datierung2005 - 2011
  • GattungManuskripte
  • Materialdigital
  • KonvolutKunstarchiv Werner J. Schweiger
  • InventarnummerBG-WJS-M-1,69
  • CreditlineZustiftung Christa M. Schweiger, Wien und Wolfgang Wittrock, Berlin, 2016
  • AusgestelltNein
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MODERNE GALERIE WERTHEIM

Adresse: Leipziger Strasse 126-137, Zwischengeschoss
Inhaber: A. Wertheim G. m. b. H.
Bestand: 1928-(1931)
Charakteristik: Kunsthandlung

Ausstellungen:
1928: „Romantik und Kritik“ (Bilder und Zeichnungen von u. a. Karl Arnold, Oskar Coester, Olaf Gulbransson, Anton Hansen, Alfred Kubin, Joachim Ringelnatz); Karl Arnold („Gemüt in Zeitlupe“); Max Slevogt (Graphik); „Ausstellung junger Künstler. Eine Weihnachtsmesse“
(Gemälde, Graphik, Plastik von u. a. Carl Barth, Herbert Bayer, Arnold Bode, Hans Goetsch, Lili Gräf, Leo Grewenig, Wilhelm Gutmann, Robert Hauff, Karl Heidenreich, Dörte Helm, Theo Hölscher, Wolf Hoffmann, Hasso von Hugo, Otto Lawrenz, Ferdinand Macketanz, Felix Nußbaum, Hans Oberländer, Hugo Petzold, Herbert Ploberger, Harriet von Rathlef-Keilmann, Rudolf Riester, Werner Rohde, Albert Schamoni, Alexander von Szpinger, Hans Stübner, Otto Vorchheimer)
1929: Rudolf Großmann; Cadwallader Washburn (Radierungen); „Holländische Graphik der Gegenwart“; Alfred Kubin (Graphik), Walter Schelenz (Plastiken); „Deutsche Graphik“ (u. a. von Max Beckmann, Lyonel Feininger, Leo Grewenig, Erich Heckel, Karl Hofer, Wassily Kandinsky, Emil Nolde, Karl Schmidt-Rottluff); Jean Emile Laboureur; „Pressezeichner“; „Deutsche Landschaft“ (dabei u. a. Leo Grewenig, Erich Heckel, Christian Rohlfs, Karl Schmidt-Rottluff); Herbert Ploberger
1930: Heinrich Zille; „Junge Dresdner Kunst“ (dabei u. a. Otto Griebel, Guido Hebert, Josef Hegenbarth, Bernhard Kretzschmar, Willy Kriegel, Wilhelm Lachnit, Ewald Schönberg); Felix Nußbaum (Gemälde, Zeichnungen); „Moderne Graphik“; Josef Hegenbarth; „Die gestaltende Frau“ (dabei u. a. Marie Frommer, Käthe Kollwitz, Lotte Laserstein, Käthe Münzer-Neumann, Erna Pinner, Fanny Remak, Emy Roeder, Johanna Schütz-Wolff, Martel Schwichtenberg, Milly Steger, Julie Wolfthorn, Augusta von Zitzewitz)
1931: Hermann Sohn

Bemerkung:
„Im Warenhaus Wertheim hat man eine ‚Moderne Galerie’ aufgetan. Ausgezeichnete Absicht. In die Kunstausstellungen kommt niemand, in das Warenhaus Wertheim täglich kommen 40 000 Menschen. Und von den Unzähligen, die Grammophonplatten, Lippenstifte, Seidenreste und herabgesetzte Bücher suchen, verirren sich so viele doch auch mal in die übrigens geschickt und geschmackvoll aufgemachten Räume der Galerie, interessieren sich für ein Bild, vielleicht sogar für einen Künstler und - wir wollen in unserer Phantasie nicht zu weit schweifen - fragen auch mal nach dem Preis. Im Ernst, die weitere Attraktion, die das Warenhaus hier sich schaffen könnte, könnte für die Kunst ein Weg zu weiterem Publikum werden.“ (Paul Westheim: Berlin.- in: Das Kunstblatt. H. 9 v. September 1928, S. 288)
Eröffnet wurde mit der Ausstellung „Romantik und Kritik“, Bilder und Karikaturen von Karl Arnold und Olaf Gulbranssen, „Dekorative Landschaften von Coester, die abgründigen Phantasien eines Kubin und die bestrickenden Bildchen von Ringelnatz, der zwar kein Kunstmaler ist, dafür aber um so mehr zu sagen hat. Keine Frage, auch seine Malerei ist ein wenig alkoholisiert, will sagen: nicht vertrocknet wie die Produktion gewisser Akademieprofessoren. Man amüsiert sich bei Ringelnatz, man lächelt mit, man lächelt über ihn.“ (Paul Westheim: Berlin.- in: Das Kunstblatt. H. 9 v. September 1928, S. 288)
Karl Arnold, der eine Übersiedlung nach Berlin plante, hatte im November 1928 eine grosse Ausstellung bei Wertheim. „Die Räume bei Wertheim sind sehr schön - sehr geeignet […] ich zeichne eine besondere Einladungskarte. Meine Ausstellung soll einen Titel haben. Wertheim sagt - und ich bin darin seiner Meinung - ‚ein Titel zieht’. Vorerst haben wir: ‚Vom Schwabingerbach zum Landwehrkanal, eine Revue von KA.’ Gefällt mir noch nicht ganz - sollst aber nur sehen, was gemeint ist: Berlin-München.“ (Karl Arnold, Brief an seine Frau, 7. 11. 1928. Abgedruckt in: Karl Arnold 1979, S. 126)
Unter dem Titel „Ausstellung junger Künstler. Eine Weihnachtsmesse“, die am 17. Dezember 1928 mit einer Ansprache des Reichskunstwartes Edwin Redslob eröffnet wurde, verbarg sich die dritte, von Paul Westheim initiierte und organisierte „Kunstblatt-Ausstellung“, die nach zwei Präsentationen in der „Deutschen Kunstgemeinschaft“ im Berliner Schloss nun bei Wertheim stattfand. (Die Folgeausstellungen fanden bei  RECKENDORF statt.) „Das Kunstblatt“ brachte einen Aufruf „An die jungen Künstler!“ mit der Aufforderung: „Maler und Bildhauer, der in seinem Schaffen eingestellt ist auf ein neues künstlerisches Ethos, indem wir hoffen, daß die Einsendungen wiederum ein charakteristisches Bild geben werden von dem Ernst und dem Können der heutigen deutschen Kunstjugend.“ (Das Kunstblatt. H. 11 v. November 1928, S. 321). Den Vorwurf der Kommerzialisierung durch Abhaltung der Ausstellung in einem Kaufhaus entgegnete Westheim mit dem Argument, dass die Ausstellung dadurch von „Hunderttausenden gesehen werden wird. Der Gedanke, der uns alle erfüllt, die Kunst, die heute, die junge Kunst in engste Verbindung mit dem Leben zu bringen, kann besser wohl kaum verwirklicht werden.“ (Das Kunstblatt. H. 11 v. November 1928, S. 321)
Die Auswahl und Jurierung sollte durch drei ebenfalls teilnehmende Künstler erfolgen. Es waren dies die Maler Wolf Hoffmann und Ernst Saul und die Bildhauerin Lily (Elisabeth) Gräf.
Willi Wolfradt schrieb: „Mit einer Weihnachtsmesse von Bildern und graphischen Blättern junger Künstler hat die Moderne Galerie Wertheim die veranstalterische Aktivität bewiesen, die hier mehrfach gerade vom modernen Betrieb des Warenhauses in Kunstdingen gefordert worden ist: Das Ergebnis ist, wie auch der Verkauf sich angelassen haben mag, höchst erfreulich. Von etwa fünfzig Ausstellern, zumeist vollkommen unbekannten jungen Menschen, weisen gut zwanzig ein eigenes Profil [auf]. Und hoffnungslos Verfehltes ist überhaupt nicht vorhanden. Im Gegensatz zu der gähnenden Leere, die sonst in den Kunstsalons leider anzutreffen ist, ein unaufhörliches Hindurchströmen des Publikums.“ (Der Cicerone. H. 1 v. Januar 1929, S. 28-29)
1930 fanden in Berlin zwei von dem Dresdner Kunsthändler Josef -> SANDEL organisierte Ausstellungen „Junge Dresdner Kunst“ statt, die teilweise im „Verein Berliner Künstler“ und teilweise bei Wertheim gezeigt wurde. Im Verein Berliner Künstler „mehr die ältere Jugend, zum Teil schon etwas abgelebt“, bei Wertheim die jüngeren, die „zeigten was außerhalb des offiziell begönnerten Kunstbetriebs in Dresden da und möglich ist. Sie hätten noch besser aussieben müssen; es gibt auch die Akademiker der Linken!“ (Paul Westheim.- in: Das Kunstblatt. H. 4 v. April 1930, S. 126)
Felix Nußbaum, 1928 bei der „Ausstellung junger Künstler“ vertreten, hatte nach zwei Präsentationen in der Galerie  CASPER, im März/April 1930 bei Wertheim eine grosse Einzelausstellung. Die 24 Gemälde und 36 Zeichnungen fanden äusserst positive Aufnahme. Willi Wolfradt schrieb: “Felix Nußbaum gehört […] zu den reizvollsten Erscheinungen des deutschen Maler-Nachwuchses. In der Modernen Galerie Wertheim entzückt diese intime Kunst nicht weniger durch die Liebenswürdigkeit der Anschauung als durch koloristische Anmut und zarten Geist der Diktion.“ (Neue Revue. H. 1 v. April 1930, S. 40) Paul Westheim hob die Zeichnungen hervor: „Von Nußbaum gibt es Zeichnungen, die so eminent gekonnt sind, daß er sich alles erlauben zu können scheint“ (Das Kunstblatt. H. 5 v. Mai 1930, S. 158).
Oktober/November 1930 wurde die vom „Verband der Staatsbürgerinnen“ organisierte Ausstellung „Die gestaltende Frau“ gezeigt, bei der, neben vor allem Berliner Künstlerinnen, auch auf die Berufsgruppen Architektinnen, Kunsthandwerkerinnen, Modeentwerferinnen und Frauen in der Werbe- und Propagandabranche hingewiesen wurde. Daneben gab es, als „eine Visitenkarte der schaffenden Frau“, ein umfangreiches Rahmenprogramm mit Vorträgen von Musikerinnen, Komponistinnen, Journalistinnen, Schriftstellerinnen, einer Maschinenbauingenieurin und einer Patentanwältin. (Lilly Kjäer: Die gestaltende Frau.- in: Die Österreicherin. Nr. 9 v. 1. Dezember 1930, S. [8])
Wenig später - 1931 folgte noch eine Präsentation von Hermann Sohn - dürfte das Ausstellungsprogramm eingestellt worden sein.

Nachweise:

Karl Arnold. Leben und Werk des großen Simplicissimus-Zeichners. Hrsg. v. Fritz Arnold. Einleitung von Wieland Schmied.- Reinbek bei Hamburg 1979