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Gutekunst & Klipstein
  • © Berlinische Galerie / Wolfgang Wittrock
  • Repro: Berlinische Galerie
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GUTEKUNST & KLIPSTEIN (KORNFELD & KLIPSTEIN)
GUTEKUNST & KLIPSTEIN
KLIPSTEIN & SCHNIEWIND
KLIPSTEIN & SCHNIEWIND NACHF.
GUTEKUNST & KLIPSTEIN (Dr. A. KLIPSTEIN)

Adresse: BERN, Kanton Bern, Hotelgasse 8 (1920 bis um 1930); Amthausgasse 16
Inhaber: August Klipstein, Richard Gutekunst, Carl Oskar Schniewind
Bestand: 1919-heute
Charakteristik: Alte und Moderne Graphik, Helvetica, Auktionshaus
„Graphik alter und moderner Meister“ (Anzeige in: Der Cicerone. H. 10 v. Mai 1920, Anzeigenseite; Kunstchronik und Kunstmarkt. Nr. 2 v. 8. Oktober 1920, Anzeigenseite VIII); „Original-Graphik Alter u. Moderner Meister“ (Anzeige in: Sammlung Oskar Miller Biberist.- Bern: Kunsthalle 1921, Anzeigenseite ); „Übernahme von Sammlungen Alter und Moderner Graphik sowie ganzer Bibliotheken zur Versteigerung. Vorteilhafte Bedingungen. Internat. Propaganda“ (Anzeige in: Adolph Donath: Wie Kunstfälscher arbeiten.- Prag 1937, Anzeigenseite; Internationale Kunstrevue. Prag. H. 9 v. September 1937, S. 194)

Ausstellungen:
1920: Anders Zorn
1924: Hans Thoma
1925: Radierungen und Lithographien (dabei: Henri de Toulouse-Lautrec, Aristide Maillol, Edouard Manet, Henri Matisse, Auguste Renoir, Auguste Rodin, Alfred Sisley, Camille Pissarro); 1930: Edouard Manet (Radierungen, Lithographien); Ferdinand Hodler (Das graphische Werk); Oswald Goeldi (Das graphische Werk)
1933: Ernst Ludwig Kirchner (Graphik)
1937: Käthe Kollwitz (Ausstellung in Los Angeles, Jake Zeitlin Bookshop and Gallery)

Bemerkung:
„Es ist für die Schweiz ein erfreuliches Ereignis, daß sich dort eine Kunsthandlung aufgetan hat, die sich ausschließlich mit Originalgraphik alter und moderner Meister beschäftigt … In ihrer Eröffnungsausstellung zeigt die Firma hervorragende Drucke moderner Meister wie Muirhead Bone, Cameron, Legros, Meryon, Manet, Millet, Stauffer-Bern, Rops, Whistler usw. … „ (Der Cicerone. H. 3 v. 12. Februar 1920, S. 135-137; Ein Bericht über die Eröffnung auch in: Kunstchronik und Kunstmarkt. Leipzig. Nr. 20 v. 13. 2. 1920, S. 412)
Gutekunst & Klipstein eröffneten im Januar 1920 eine Kunsthandlung in der Hotelgasse 8 und noch im Jahr der Eröffnung erschienen die ersten vier einen langen Reihe von Lagerkatalogen, die von der Firma - teils zu einzelnen Ausstellungen - herausgebracht wurden. Auch als Leihgeber traten die Kunsthändler bereits 1920 auf: Für die in der Kunsthalle Bern veranstaltete Ausstellung der Künstlergruppe "Das neue Leben" war die Kunsthandlung der Leihgeber der Sonderausstellung Hans Meid. (Das Neue Leben. 2. Ausstellung. Kunsthalle Bern 14. 1. bis 8. 2. 1920)
Die Gründer der Firma waren Richard Gutekunst und August Klipstein. Richard Gutekunst (1870-1961) stammte aus einer Kunsthändlerfamilie, deren Kunsthandel 1864 in Stuttgart gegründet wurde. Er selbst war 1895-1914 in London als Kunsthändler tätig. Nach Auflösung der Stuttgarter Kunsthandlung wurde die Firma mit den Besitzern Richard Gutekunst und {Albert Voigtländer-Tetzner am Betriebsort von} F. A. C. -> PRESTEL in Frankfurt am Main {weitergeführt. Hier lerne Gutekunst auch seinen späteren Partner} August Klipstein, der zahlreiche Auktionskataloge von Prestel bearbeitete, kennen. 1928 zog er sich aus dem aktiven Geschäftsleben zurück.
Der Kunsthistoriker August Klipstein (1885-1951), „einer der hervorragendsten und originellsten Graphikhändler unseres Kontinents“ (Thommen 1951), setzte sich besonders für Käthe Kollwitz, die er 1938 noch persönlich kennen lernte, ein (Homeyer 1966, S. 117-118) und verfasste auch das Werkverzeichnis der Künstlerin. Weitere Werkverzeichnisse von Fritz Pauli und Wilhelm Altheim folgten.
Ein weiterer Teilhaber (1929 ausgeschieden) war der amerikanische Sammler, Kunsthistoriker und Graphikspezialist Carl Oskar Schniewind (1900-1957), dessen Daumier-Sammlung von Gutekunst & Klipstein gemeinsam mit C. G. Boerner, Leipzig 1933 versteigert wurde. Schniewind ging 1935 zurück in die USA, wo er in New York (Brooklyn Museum) und später in Chicago (Art Institute) Museumskariere machte.
Gutekunst & Klipstein wurde in der Folge die bedeutendste Graphik-Handlung der Schweiz und später auch zu einem bedeutenden Auktionshaus. Neben dem Kunsthandel veranstaltete die Firma fallweise, außer den gemischten Verkaufsausstellungen, auch monographische Ausstellungen, wie beispielsweise eine Gedächtnisausstellung für Anders Zorn (1920), eine Graphikausstellung für Hans Thoma (1924), Edouard Manet, Ferdinand Hodler und Oswald Goeldi (1930) sowie Ernst Ludwig Kirchner (1933).
Später begann man auch regelmässig Auktionen zu veranstalten. Neben Bibliotheken und Alter Kunst wurde vermehrt auch Moderne Graphik versteigert. Aus den bis 1938 stattgefundenen Auktionen mögen zwei hervorgehoben werden: Die Graphik-Sammlung des Winterthurer Textilfabrikanten Richard Bühler (1879-1967) am 5. Dezember 1935 und die Versteigerung von Bibliothek und Sammlung von Heinrich Stinnes (1867-1932). Die Sammlungen des Kölner Anwaltes, der die wahrscheinlich grösste Graphiksammlung der Welt besessen hatte, wurden seit 1932 in zahlreichen Auktionen auf dem Markt angeboten. Die Versteigerungen XIII (20.-22. 6. 1938) und XIV (23.-24. 6. 1938) von Gutekunst & Klipstein in Bern waren da lediglich Nachzügler, ohne deswegen geringere Qualität zu bieten.
Gutekunst & Klipstein, etwa 1930 erfolgte der Umzug in die Amthausgasse 16, bestand unter diesem Namen bis 1951. In diesem Jahr übernahm der 1923 geborene Eberhard W. Kornfeld, der nach dem 2. Weltkrieg als Volontär in der Firma begonnen hatte, die Firma, die in der Folge als „Klipstein & Co., vorm. Gutekunst und Klipstein“ firmierte. Weitere Umbenennungen („Klipstein & Kornfeld, vorm. Gutekunst & Klipstein“; „Kornfeld und Klipstein“) folgten bis zur jetzigen Firmierung „Galerie Kornfeld“. Seit 1980 lautet die Anschrift Laupenstrasse 41.

Nachweise:
Dressler 1923; Dressler 1930; Dressler 1934; Pantheon 1926; Adressbuch der Antiquare 1926; Maecenas 1927; Maecenas 1930; Internationales Adressbuch der Antiquare 1928 (bis 1940); Adressbuch 1933

Georg Heinrich Thommen: (Nachruf für August Klipstein).- in: Das Antiquariat. Wien. Nr. 9/10 v. Mai 1951, S. 175
Erhard Göpel: Der Kupferstichhändler und Auktionator Dr. August Klipstein.- in: Imprimatur. Band XI, 1952/53, S. 107-133
Eduard Trautschold: 100 Jahre Gutekunst-Tradition.- in: Imprimatur. N. F. IV, 1963/64, S. 177-179
Fritz Homeyer: Deutsche Juden als Bibliophile und Antiquare. 2., erweiterte und verbesserte Auflage.- Tübingen 1966
Kornfeld und Klipstein 1864-1977. 112,5 Jahre seit der Gründung des Hauses H. G. Gutekunst. 112,5 Kunstwerke von 1440 bis zur Gegenwart.- Bern 1977
Werner J. Schweiger: Vom Modernen Auktionshandel in der Deutschen Schweiz bis 1938.- in: Mitteilungen aus dem Kunstarchiv Werner J. Schweiger, Wien. Nr. 3, 2002
Werner J. Schweiger : „Die völlige Interesselosigkeit des Publikums“. Vom Modernen Kunsthandel in Bern bis 1938.- in: Mitteilungen aus dem Kunstarchiv Werner J. Schweiger, Wien. Nr. 7, 2002