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Blinde Macht
  • © Viola Roehr-von Alvensleben, München
  • Repro: Kai-Annett Becker
    • Rudolf Schlichter (1890 - 1955)

  • TitelBlinde Macht
  • Datierung1932/1937
  • GattungGemälde
  • MaterialÖl auf Leinwand
  • Masse179 x 100 cm (Bildmaß), 196 x 115 x 8 cm (Rahmenmaß)
  • Stempel/Signatursigniert und datiert unten rechts: "R. Schlichter 1937"
  • InventarnummerBG-M 1984/79
  • CreditlineSammlung VEBA, 1979
  • AusgestelltJa
Text

Vor dunklem Himmel schreitet ein muskelbepackter Krieger dem Abgrund entgegen. Er ist bewehrt mit Hammer und Schwert als Insignien der Gewalt sowie Gesetzbüchern und Messgeräten als Zeichen für Recht und Wissenschaft, hinterlässt aber nur Verwüstung. Schlichter arbeitet in seinem Bild mit dem Gegensatz zwischen fotografisch genauer Detailtreue und der Darstellung fantastischer Wesen. So lassen sich die am Krieger nagenden Fabelwesen als sechs der sieben Todsünden deuten: Stolz, Geiz, Neid, Wollust, Völlerei und Faulheit. Der Krieger selbst könnte für die siebte Todsünde, den Zorn, stehen.

Die politischen Verhältnisse zwangen den Künstler, seine Bildsprache derart zu verschlüsseln. 1937 hatten die Nationalsozialisten ihre Macht innenpolitisch so weit gefestigt, dass sie in den Folgejahren zahlreiche europäische Länder überfielen. Schlichters visionäre Leistung wird in den Worten deutlich, die er 1949 über die Kunst seiner Zeit sagte: Sie „… hat es vermocht, uns die Fragwürdigkeit unseres Existenzgrundes mittels alptraumartiger Bildausgeburten so nahe zu rücken, dass wir taumeln.“