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Brief von Raoul Hausmann an Hannah Höch. Berlin
  • Repro: Anja Elisabeth Witte
    • Raoul Hausmann (1886 - 1971)

  • TitelBrief von Raoul Hausmann an Hannah Höch. Berlin
  • Datierung10.07.1918
  • GattungKorrespondenz
  • SystematikBrief
  • MaterialPapier, handgeschrieben
  • Umfang2 Blatt, 1 Umschlag
  • KonvolutNachlass Hannah Höch
  • InventarnummerBG-HHC K 742/79
  • Andere NummerBG-HHE I 10.66
  • CreditlineErworben aus Mitteln der Senatsverwaltung für Kulturelle Angelegenheiten, Berlin, 1979
  • AusgestelltNein
Transkription / Beschreibung
Weitere Abbildungen

„10. Juli 1918.
Liebste
heute vor 3 Jahren waren wir Nachmittag im Grunewald und Du gabst mir da etwas, was Du für mich geschrieben hattest. Und nachher bissen uns die Ameisen so entsetzlich. - Sonntag ging ich durch den Tiergarten und die Bismark- straße bis Müller und an Deiner alten Wohnung vorbei - ich war sehr traurig. Und ich bin auch jetzt traurig, daß Du mir nicht eine Zeile schickst - nicht mal die Photographie um die ich Dich bat. Baader war auch umsonst bei Dir. Er hat ein Paket für Dich bei Busse abgegeben, darin ist Dein Jäckchen, und dann die Brüder Karamasoff sowie Strindbergs »Beichte eines Toren« - nimm das bitte von mir an, ich möchte Dir so gerne die Bücher schenken. Ich bitte Dich. - Aber was ich Dich noch mehr bitte: sei doch wieder gut mit mir. [...]
Schenk mir doch Deine Liebe zum Geburtstag! Ich zittere um Dich! Und wenn ich böse bin - hilf mir doch, erlöse mich doch von mir selber! - Bin ich das nicht wert? Oh - ich bin doch Dein Erwählter - und nie nie würdest Du einen ändern haben können - laß mich doch einmal den Vater Deines Kindes werden - tu’s doch darum\ Ich weiß, daß Du leidest - aber tu’s doch darum! Einmal soll doch Dein und mein Sohn geboren werden! Und auf dem Weg dahin - ja ich weiß da muß ich mich beherrschen - aber wenn ich strauchle, dann hilf mir doch - durch Zutrauen auch wenn’s Dir schwer wird - weil ich der Vater Deines Sohnes bin! Ich flehe Dich an, gib mich nicht auf - um dieses zukünftigen Kindes willen.
Und wenn Du willst, werde ich mit Dir zu einem Nervenarzt gehen und mich ernsthaft in Behandlung geben - vielleicht zu einem Hypnotiseur. Ich will alles tun, was Du willst.
Aber fahre mir nicht fort. Ich fürchte, daß Du Dir Deine 3 Wochen Urlaub jetzt geben läßt, und fortfährst. Das würde ich nicht ertragen. Sei gut zu mir - E.S. fährt jetzt auf 21/2 Monate fort. In der Zeit kann ich durch sie nicht gestört werden. Und ich bitte Dich, verbringe Deinen Urlaub mit mir! Ich wäre glücklich - und vielleicht wird es mit mir besser, wenn ich mit Dir auf dem Land allein bin - ich wünsche mir nicht mehr! Oh Süße, Du wirst wieder gut zu mir sein, gelt, ich darf das glauben?
Dein R.
[...]“

Briefumschlag mit Aufschrift "Hannah Höch"