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Briefentwurf von Raoul Hausmann an Oskar Moll mit Tuschfederzeichnung "Maske". Berlin
  • © Berlinische Galerie / VG Bild-Kunst, Bonn
  • Repro: Anja Elisabeth Witte
    • Raoul Hausmann (1886 - 1971)

  • TitleBriefentwurf von Raoul Hausmann an Oskar Moll mit Tuschfederzeichnung "Maske". Berlin
  • Date2. Hälfte 1915
  • CategoryKorrespondenz
  • ClassificationBrief
  • MaterialPapier, handgeschrieben, Tuschfederzeichnung
  • Dimensions30 x 33 cm (Blattmaß), 15 x 17 cm zusammengefaltet (Blattmaß), 52,5 x 62,5 x 3 cm (Rahmenmaß)
  • Amount1 Blatt
  • FondsNachlass Hannah Höch
  • Inventory NumberBG-HHC K 4525/79
  • Other NumberBG-HHE I 6.26
  • CreditlineErworben aus Mitteln des Senators für Kulturelle Angelegenheiten, Berlin, 1979
  • On DisplayNo
Transcription / Description
Additional Reproductions

Briefentwurf an Oskar Moll [1]
Auf der Rückseite: Raoul Hausmann: Maske. Tuschfederzeichnung.

„Sehr geehrter Herr Moll, ausgehend von dem nahen Ende der Gurlittschen[2] Beihilfe erinnere ich mich daran, daß Sie mir letzthin schrieben, Sie kennten mein Streben. Nun, mit diesem Streben bin ich unzufrieden, weil ich nicht in dem Umfang arbeiten kann, als ich möchte und müßte. Sie werden aus eigener Erfahrung wissen, wieviel man an Material = Geld verbraucht, wenn man einigermaßen regelmäßig arbeitet. Nun, würde ich auch nur 8 Tage viel arbeiten, d. h. hintereinander, dann wäre ich mit meinen gesammten Material zu Ende. Statt einer Menge Keilrahmen, Leinwand, Farben, vor allem aber Papier - habe ich so gut wie nichts. Käme hinzu, daß ich öfter Modell nehmen können müßte, als ich dies meine ganze Studienzeit hindurch tun konnte - dieser Tage sah ich einen famosen alten Kerl von Arbeiter; ich hätte ein Dutzend Zeichnungen und paar Bilder nach ihm machen wollen - hätte ich Geld. So bin ich aber verdammt, aus jeder meiner wenigen Leinwände eben auf jeden Fall ein Bild zu machen - sollte das nicht in den meisten Fällen, also auch in dem meinen, die Abstraktheit unnütz verstärken? - Nun sagt mir z.B. jeder Mensch: wenn Sie kein Geld haben, verdienen Sie sich welches! Schön, aber das ist erstens wenig, zweitens wenig, und drittens viel zu wenig, um ordentlich arbeiten zu können. Und in der Zeit in der ich verdiene, kann ich nichts andres arbeiten. Selbst wenn ich für Monate eine Stelle annähme, würde ich nur ganz geringfügiges ersparen können. Also was tun? Ich denke an die Tatsache, daß z.B. Nauen[3], Marc[4] monatliche Renten von irgendwas für reichen Leuten erhalten, (übrigens viel Unbedeutendere auch) sollte es Ihnen nicht irgendwie möglich sein, mich einem derartigen Menschen angelegentlichst zu empfehlen? Ich weiß, daß ich viel Besseres leisten könnte, wenn ich nicht immer mit Groschen und Sechsern operieren müßte. Und irgendein Hergelaufener bin ich doch wohl nicht, so daß man nichts für mich tun könnte!“//

[1] Oskar Moll (1875-1947), vgl. BG-HHE I 6.25.
[2] Die Beihilfe wurde vermutlich von dem Kunsthändler Wolfgang Gurlitt (1888-1965) gewährt.
[3] Heinrich Nauen (1880-1941), Maler und Graphiker.
[4] Franz Marc (1880-1916), Maler und Graphiker.