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Brief von Nel und Bert van der Le[c]k an Til Brugman. [o. O.]
  • Repro: Anja Elisabeth Witte
    • Til Brugman (1888 - 1958)

    • Involved Persons Til BrugmanKorrespondenzpartnerAdressat/in
  • TitleBrief von Nel und Bert van der Le[c]k an Til Brugman. [o. O.]
  • Date12.07.1934
  • CategoryKorrespondenz
  • ClassificationBrief
  • MaterialPapier, handgeschrieben
  • InscriptionLinks oben Anmerkung von Hannah Höch: "Nel en Bert (das Arztehepaar, den Haag)"
  • Amount2 Blatt
  • FondsNachlass Hannah Höch
  • Inventory NumberBG-HHC K 135/79
  • Other NumberBG-HHE II 34.31
  • CreditlineErworben aus Mitteln des Senators für Kulturelle Angelegenheiten, Berlin, 1979
  • On DisplayNo
Transcription / Description
Additional Reproductions

Übersetzung aus dem Holländischen.
"12. Juli '34
Liebe Til,
vor zwei Tagen rief Dr. Reti an und heute morgen und gestern Arch. Buis.Wir wußten überhaupt nicht, daß Hanna krank war und erschraken sehr, als wir hörten, wie ernst es war. Was können wir tun? Buis sagte, daß Anfang Aug. ein Bekannter zu Euch fährt und Geld mitnehmen wollte, um dort Sper[r]marken zu kaufen; wir werden dann etwas mitgeben. Wärt Ihr bloß hier, wieviel mehr könnten wir dann tun. Wie elendig. Wie ist es doch alles schnell gegangen. Ist das alles die Folge der Fleischvergiftung, aber die Basedow doch nicht? Es ist eine unangenehme Operation, aber Hanna wird sich wacker halten; sie sah so gut aus, als sie hier war. Du mußt ihr vor allem sagen, daß sie alle Willenskraft, die sie hat, auf ihre Genesung konzentrieren muß, und sobald sie transportfähig ist, reise dann auf unsere Kosten zweiter Klasse, dann kommt sie zu uns, um sich ganz und gar zu erholen, ich werde mein Bestes tun und Bert auch, wir lieben sie, sag' ihr das, Til, und daß es uns danach verlangt, sie wieder aufpäppeln zu können.
Wir wünschen Dir die nötige Stärke, das durchzuhalten, und sollte es nicht gut gehen, dann komm zu uns. Wir können Dir einzig aufrecht gemeinte Freundschaft geben und ein warmes, sicheres Zuhause. -
So lange schon lag Dein Brief bereit, um beantwortet zu werden, aber es gab so viel, weshalb ich nicht zum ruhigen Antworten kam, nur die dringenden Dinge wurden schnell erledigt, aber jetzt, nach dieser Nachricht, hat ein Brief an Euch Vorrang vor allem. Weiß Hanna noch, daß anläßlich ihrer Ausstellung eine sehr günstige Rezension in der N.R Ct. [Nieuwe Rotterdamsche Courant] stand? D'Audretsch schickt sie doch sicher zu, nicht wahr? Man fand sie in ihrer Arbeit fortgeschritten, milder in der Auffassung, nicht mehr so arg sarkastisch. - Hannas Saat ist sehr üppig aufgegangen, und nun essen wir es täglich im Salat. Ein deutsches Mädchen von nebenan erkannte beides als Dill und Borago, der Borago blüht mit schönen blauen Blüten, die Blätter sind grob behaart, ist das das Zeug, was man fein gehackt auf Brot essen kann? Ich erhielt auch das grobe Messer für den Fleischwolf hier aus Holland, jemand hat es mitgenommen und von hier aus verschickt, denke ich. Vielen Dank, hörst Du! Was kostet es? Ich las noch einmal Eure Briefe. Hanna fragte, ob der Garten im Moment nicht schön aussieht, ja, aber unser Gras ist nichts weiter als Heu, da können wir gar nicht gegenangießen, jeden Abend versprengen wir einen m3. Wir können uns nicht erinnern, wann es das letzte Mal geregnet hat. Ihr schriebt, daß es, als Du von hier nach Berlin zurückkamst, so warm war. Nun, wir haben hier erst seit ein paar Wochen Sommer, jedoch noch immer mit Nord- und Nordostwind und darum [ist es] doch kalt abends und nach dem Schwimmen; bis in den Juni heizten wir noch. Sag Hanna mal, daß die Elynia, von der ihr auch einen Ableger habt, in den letzten 3 - 4 Monaten bereits zum dritten Mal blüht, das ist ein gewaltiges Wunder, das kommt durch die Pflege, wenn Hanna kommt, werde ich sie auch so pflegen.
Til, Du schreibst noch gar nichts über den Dr. Behrend, der Psoriasis an den Händen hat. Es gibt ein Mittel dagegen, das injiziert wird, ich kenne jemanden, der ganz davon genesen ist. Ich kann, falls gewünscht, den Namen des Mittels erfragen. - Was hattet Ihr es schwer, als Du von uns aus zu Deiner Familie fuhrst, wärst Du mal zu uns zurückgekommen. Ich antworte jetzt mal der Reihe nach auf Deine Fragen, Til. Wir sind erst am 10. Juni zum ersten Mal schwimmen gegangen, und danach Ende Juni noch einmal - bibbernd vor Kälte - jetzt gehen wir regelmäßig. - Was für Nichtsnutze Deine Lehrlinge [doch sind], daß sie aus Verärgerung über Dein Wegbleiben einfach absagen. Fein, daß sie auf hängenden Pfoten wieder zurückkamen. - Wie es Hemsing geht? Er wird aufsässig. Ich habe ihm mit viel Mühe das Färben beigebracht, erst machte er es sehr gut, allerlei gutes Material dafür gekauft, doch jetzt, wo er merkt, daß es ernst wird und wir selbständiges Arbeiten anstreben und im Begriff sind, Geld zu verdienen (so weit ist es noch lange nicht), widersetzt er sich und verpfuscht alles. Ich bin seiner mehr als überdrüssig gewesen. Nichts als argumentieren und vormachen, tagein, tagaus, natürlich ist Faulheit auch eine Krankheit, und er ist es aus tiefstem Herzen, so daß der Gedanke an Arbeit ihn schon wütend macht. Er spricht nur über geistige Arbeit, kann aber keinen gewöhnlichen holländischen Plauderbrief schreiben. Ich glaube, daß er die längste Zeit hier gewesen ist. Heute nachmittag sagte Bert noch: «So ein Stück Unglück vegetiert lustig weiter, wird mit seinem gesunden Körper auf Kosten anderer alt, und so ein lieber armer Teufel wie Hanna muß so leiden und kämpfen». - Til, wir sind mit unseren Gedanken immer bei Euch und wünschen von Herzen hiermit Hilfestellung geben zu können.
Gibt es etwas, was wir für Euch tun können? Sag es uns dann, und sobald Hanna kann, Gott gebe, daß es geschehe, kommt sie zu uns, um wieder zu Kräften zu kommen. Von Herzen viel Kraft, eine Pfote von Nel und Bert"