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Brief von Theo van Doesburg an Raoul Hausmann. Oberweimar
  • Repro: Anja Elisabeth Witte
    • Theo van Doesburg (1883 - 1931)

  • TitelBrief von Theo van Doesburg an Raoul Hausmann. Oberweimar
  • Datierung18.08.1921
  • GattungKorrespondenz
  • SystematikBrief
  • MaterialPapier, handgeschrieben
  • Umfang1 Blatt
  • KonvolutNachlass Hannah Höch
  • InventarnummerBG-HHC K 4087/79
  • Andere NummerBG-HHE II 21.34
  • CreditlineErworben aus Mitteln des Senators für Kulturelle Angelegenheiten, Berlin, 1979
  • AusgestelltNein
Transkription / Beschreibung
Weitere Abbildungen

OberWeimar 1921. / 18.8. / Lieber Raoul Hausmann. / Ich habe mit große Interesse Ihre Manifest «Praesentismus» [1] gelesen. Ich bedauere dasz es etwas lang ist, aber trotzdem sehr interessant. Es gibt auch eine Satz, welche ich gern etwas geändert haben möchte. Ich meine der, wo Sie Marinetti zertrümert. [2] Je crois que Marinetti est encore beaucoup intéressant. Er ist doch ein der einzige Persönlichkeiten der (um 1910) das neue proclamiert hätte [4] und es ist ausserdem nicht wichtig ob man ein Individium niederslagt. Es kommt nur dar auf an, ob der futurismus comme mouvement noch Sinn hat oder nicht. Et, mon cher compagnon, je crois que le futurisme est mort, tout à fait (ganz) aber il y a dans ce mouvement molti artisti con energio moderno per exemple: Russolo der mit seine «Bruiteurs» [4] ganz neue möglichkeiten von der Musik geschaffen hat. Quand vous proclamez: A Basso il futuristo! Glaube ich das es besser war. Je veux dire very much it is que a bas Marinetti» C'est trop personellement und das kann ich leider nicht für meine verantwortung nemen. J'aime les choses impersonels, car wie in «De Stijl» für eine collectieve schöpferische Gesinnung kämpfen. Sie könne es dann in die 1000 extra-abdrücken. So stehen lassen: (Nieder mit Marinetti.). Es kommt nich darauf an daß man des personnes so importants pour l'évolution de l'esprit Moderne détruit. Il y a aussi des beaux Cadarzes et ce n'est pas impossible dasz man nach so of 5 jaren roept. «Weg met den Stijl! A Basso con Hausmanio! Nieder mit von Doesbourque! etc. Grazie! Et regardez donc mon chèr: l'arte est una battaglia furiosa et je crois que Marinetti est un des plus beau cadarce del tempo moderno. Ich bin ganz offen mein Lieber, et je crois donc, que votre manifeste est très bonne exclusivement les phrases personnels. Auch wenn du schreibst que Huelsenbeck [5] est l'homme le plus moderne, le plus neuf de ce temps. [6] Pour vous, peut-être, aber es gibt auch andere gesichtspunkte. Jeder gesichtspunkt is wieder eine neue Raumdimension ins Gehirn und ich glaube, wir sont ici au terrain de Relativismus. Es gibt ueberhaupt kein neue und auch kein ganz alte Mensch sur ce moment. Es gibt nur uebergänge. (geistliche Zwischenstufen) Mais, que faire? J'aime les hermaphrodites spirituels et aussi les hommes modernes comme bréloquer [7], womit ich sagen wollte: Streichen sie das : Nieder mit Marinetti für «De Stijl», meinetwege nehme Sie in die einzelbücher für Ihre verantwortung was sie wollen. - / Es ist sehr freundlich von Freundlich mir dieses Gebäck zu schicken. Leider feiere ich erst Ende August mein Geburtstag. / Ihre «Tatlin» möchte ich gern in «MECHANO» veröffentlichen wenn das Bild noch nicht reproduciert worden ist. [8] Schicke mir bitte eine ganz scharfe Photografie von dieses Bild. / Mit herzliche Grüsse auch für Hanna Höch Ihrer Egebner / ThéovanDoesburg." /
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[1] Raoul Hausmann: PRÉsentismus: gegen den Puffkeismus der Teutschen Seele. In: De Stijl : internationaal maandblad voor nieuwe kunst, wetenschap en kultuur / Theo van Doesburg (Red.). Weimar; Leiden; Antwerpen u. a. - 4e Jaargang, September 1921, No. 9, Kol. 136-143; s. 21.40.
[2] Raoul Hausmann, ebd., Kol. 141: "Aus Italien kommt zu uns die Nachricht von Marinettis Taktilismus! Er hat das Problem der haptischen Empfindung damit unklar gefaßt und verdorben! Marinetti, der modernste Mensch Europas, ist uns unsympathisch, denn er geht vom Zufall aus und nicht von der überlegenen Bewußtheit. Nieder mit allem Unvitalen, nieder mit aller Beruhigung!"
[3] Zum Einfluß von Marinettis Futurismus auf De Stijl, vgl.: Joost Baljeu: Theo van Doesburg. London, 1974. - S. 24 f. 47.
[4] Luigi Russolo (1885-1947), Maler und Musiker. Nach einem autodidaktischen Studium der Malerei schloß sich Russolo 1909 der futuristischen Bewegung an. War Russolo zunächst noch malerisch aktiv, markierte sein Briefmanifest Die Geräuschkunst, das er am 11. März 1913 an Francesco Balilla Pratella richtete, den Wendepunkt seiner künstlerischen Ausrichtung. Fortan konzentrierte sich Russolo ausschließlich auf seine Forschungen auf dem Gebiet der Tonexperimente. Im April/Mai 1913 projektierte und realisierte er die erste Serie seiner Tongeräusche produzierenden Instrumente, allgemein "Geräuschtöner" ["Bruiteurs"] genannt.
[5] Richard Huelsenbeck.
[6] Raoul Hausmann: PRÉsentismus: gegen den Puffkeismus der Teutschen Seele, a. a. O., Kol. 142: " [...] wir aber wollen uns direkt in unsere schöpferischen Emanationen selbst hineinwagen. Dies scheint schwierig in einem Lande wie Deutschland, in dem es noch nie eine Idee von Bedeutung gab, die nicht sofort zu einem Gebrauchsgegenstand des seelischen Klosetts dieser Rasse gemacht wurde. Der einzige moderne Mensch dieser Gegend, Richard Hülsenbeck, hat sich ins Dunkel zurückgezogen und wir wollen sein Schweigen ehren!"
[7] La breloque = frz., Anhänger, billiges Schmuckstück, hier wohl im Sinne von schmückend/geschmückt gemeint.
[8] Raoul Hausmanns Photomontage Tatlin lebt zu Hause (1920) wurde erstmalig in Mécano : No.[3] Rot, 1922, abgebildet; s. BG-HHE II 22.57