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Brief von Helma Schwitters an Hannah Höch [und Til Brugman]. Hannover
  • Repro: Anja Elisabeth Witte
    • Helma Schwitters

  • TitelBrief von Helma Schwitters an Hannah Höch [und Til Brugman]. Hannover
  • Datierung27.12.1934
  • GattungKorrespondenz
  • SystematikBrief
  • MaterialPapier, maschinengeschrieben
  • BeschriftungHandschriftlich von Hannah Höch: "Helma Schwitters".
  • Umfang1 Blatt
  • KonvolutNachlass Hannah Höch
  • InventarnummerBG-HHC K 448/79
  • Andere NummerBG-HHE II 34.27
  • CreditlineErworben aus Mitteln des Senators für Kulturelle Angelegenheiten, Berlin, 1979
  • AusgestelltNein
Transkription / Beschreibung
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Handschriftliche Korrekturen und Nachsatz.

"27.12.34.
Liebe Hannah, liebe Tilli.
Für Deinen Brief, liebe Hannah, herzlichen Dank. Es freut mich, dass Ihr über die Geldsorgen hinaus seid, hoffentlich macht die Gesundung nun auch Fortschritte, damit Du, liebe Hannah, bald wieder Reisen ohne Sorgen machen kannst und mich besuchst. Es ist sehr lieb von Dir, mich zu Euch einzuladen, aber es ist mir deshalb unmöglich, weil ich meine alte Schwiegermutter nicht allein lassen kann, besonders jetzt nicht, weil auch ihre Mitbewohner verreist sind, ausserdem will unser Regiment Viehzeug versorgt werden und meinem halbidiotischen Dienstmädchen kann ich nicht viel zutrauen. Wie geht es Deiner Schulter und dem Arm? Hoffentlich besser, merkst Du auch Wetterumschläge? Kurt hat ja auch in seinem rechten Arm solch einen ganz eckligen Nervenstrang, der jedes mal bockt, wenn sich das Wetter verändert und dieser jedesmalige Schmerz ist schon so lange, wie Kurt sich vor Jahren den Arm ganz verrenkt hat, er braucht zur Linderung des Schmerzes Jodvasogen, versuche Du dieses harmlose Mittel doch auch einmal, Du kannst es in jeder Apotheke ohne Rezept bekommen. Ich glaube ja, dass das Dickwerden oder Dickerwerden Dir sehr gut steht, denn in Wirklichkeit warst Du immer zu dünn, aber ich weiss aus eigener Erfahrung, dass die Dicke einem sehr im Wege sitzt und machen kann man doch nichts dagegen, also lachen wir darüber. Nun bin ich allein, nachdem Kurt und Ernst heute nach Essen gefahren sind und dann weiter nach Holland fahren. Hatte ich Dir eigentlich geschrieben, dass Ernst von der Schule abgegangen ist, weil er dieses politische Treiben und Leben auf der Schule hasst? Er lernt jetzt erst einmal tüchtig das Photographieren, in der Wahl der Motive, im Aufziehen seiner Fotos macht Ernst alles 1 A, aber das Technische macht ihm noch Schwierigkeiten, die nur durch ständiges Arbeiten zu überwinden sind, nun will Kurt mit ihm in Holland zu den verschiedensten Freunden, damit die ihm noch raten und ausserdem will er selbst versuchen, Aufträge zu bekommen, denn von einem hier in Deutschland verkauften Bilde, das 100 Mk gebracht hat, kann man nicht leben. Wenn wir unsere beiderseitigen Eltern nicht hätten und etwas an ihrem Geldbeutel teilhaben könnten, ginge es uns schlecht, aber so war auch der Weihnachtsmann sehr brav, und ich bin ihm sehr dankbar dafür. Nun, liebe Hannah und Tilli, habe ich eine grosse Bitte an Euch. Ihr wisst sicher, dass man seinen Angehörigen pro Monat und pro Person nur 10 Mk schicken kann. Ich habe nun berechtigte Sorge, dass die beiden damit nicht auskommen, deshalb schicke ich Dir morgen 20 Mk und bitte Dich, dieses Geld noch im Dezember zu senden an Herrn Kurt Schwitters und Herrn Ernst Schwitters, Amsterdam, Geleenstr. 41 III. Hoffentlich macht Euch das nicht zu viel Mühe, vielleicht macht es Tilli für Dich, liebe Hannah, und besonders für mich, denn ich bin in grosser Sorge um meine Zwei. Ihr schickt es bitte auf eine Postanweisung mit Eurem Absender. Ich habe die Postanweisung schon ausgeführt, ob diese Sorte fürs Ausland nach den neuen Bestimmungen noch gelten, weiss ich nicht, aber Ihr werdet es auf der Post schon erfahren, hoffentlich habt Ihr damit nicht zuviel Mühe. Schreibt einmal, wie das ging; vielleicht, wenn Ihr nicht zuviel Arbeit davon habt, bitte ich Euch dieselbe Sache für Januar zu wiederholen, zum Dank für Eure gute Ausführung. Hoffentlich habt Ihr ein gutes neues Jahr, das ohne Krankheit vergeht, das wünsche ich Euch von ganzem Herzen, eben denke ich, ich erkundige mich erst Morgen nach der richtigen Postanweisung und schicke die Euch unausgeführt mit, damit Ihr sie in Eurer Handschrift senden könnt.
Nun Euch Zwei meine allerherzlichsten Grüsse und gute Wünsche fürs neue Jahr
Eure H.S.
[Handschriftlich] Eben höre ich, dass man nur 10 Mk ins Ausland schicken kann, also dann nur 10 Mk