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Brief von Nelly van Doesburg an Hannah Höch. Paris
  • Repro: Anja Elisabeth Witte
    • Nelly van Doesburg (1899 - 1975)

  • TitelBrief von Nelly van Doesburg an Hannah Höch. Paris
  • Datierung13.06.1933
  • GattungKorrespondenz
  • SystematikBrief
  • MaterialPapier, handgeschrieben, Briefkopf
  • Umfang3 Blatt
  • KonvolutNachlass Hannah Höch
  • InventarnummerBG-HHC K 102/79
  • Andere NummerBG-HHE II 33.13
  • CreditlineErworben aus Mitteln des Senators für Kulturelle Angelegenheiten, Berlin, 1979
  • AusgestelltNein
Transkription / Beschreibung
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Ein Blatt mit Briefkopf: "LES ARCHIVES INTERNATIONALES DE LA DANSE [...]"

"13 Juni 1933
Geliebtes Hännchen, wie schade doch daß Ihr so weit weg wohnt. Das man immer alles schriftlich abmachen muß, und darum kommt man nie dazu alles zu schreiben -
Ich bin seit Anfang März an obenstehender Adresse in Stellung. Ich bin für die Ausstellung-Abteilung (Directeur Rolf de Maré [1], der Mann der die fabelhafte «Ballet Suédois» angeführt hat mit decors von Léger, Picabia etc.) Jeden Tag sitze ich hier von 10 bis 12 und 2 bis 6. Du hast keine Ahnung wie ich nach Ferien (25 Juni) verlange. Das ist ein wahnsinnig gebundenes Leben! Aber finanziell war es mir sonst nicht möglich gewesen durchzuhalten. Auch habe ich die Helfte meines Hauses vermietet an einen deutschen Schriftsteller. Sehr netter Mensch, der mir oft morgens mit seinem Auto nach meiner Stellung bringt. Von Domela bekam ich ein Schreiben daß er plannt nach Paris umzusiedeln. Ich möchte gerne daß er mein Haus mietete. Ich habe ihm schon darüber geschrieben! Warum kommt Ihr nicht nach Paris??-
Momentan ist hier eine intressante surrealistische Ausstellung [2], woran Arp auch beteiligt ist. Eine neue Abstraction-Creation ist wieder heraus! Mondrian sehe ich sehr wenig! Ich bin aber sehr befreundet mit Brancusi [3], ein fabelhafter Mensch. Möchelen und Öttchen (Freundlich) sehe ich öfter. Der Freundlich habe ich sehr gerne.
Wenn ich den Sommer über mein ganzes Haus vermieten kann, fahre ich nach Spanien! weil dort das Leben wahnsinnig billig ist. Ich möchte jetzt gerne mal nach Andalousië, da ich dort verschiedene Freunde habe! Eesteren mit seiner Frau waren drei Tage in Paris, und freuten sich sehr über mein Haus - Lena war mit Ostem für einige Tage bei mir - Kok [4] hat mir 300 Tulpen geschickt, die in meinen Garten fabelhaft geblüht haben -
Jetzt in diesen Monat Juni, muß ich immer an Does denken, wegen seinen Heufieber. Weiß du noch in Belle-Isle, als er getanzt hat? Was war daß dort schön, was? - Natürlich bin ich jetzt etwas ruhiger, gute freundschaft hilft natürlich sehr, aber ..... liebes Hännchen, du wirst verstehen daß ich noch immer Momenten, Stunden, Tagen durchmache die entsetzlich sind! und worüber ich nie wegkommen werde. Ein Zusammenleben mit einem Menschen wie Does, war so etwas besonderes, daß ist zu tief gewesen. Ich troste mir immer mit 1000 x lieber 10 solche Jahre, so wie ich sie mit Does hätte, als 50 Jahre mit jemanden zusammen wo es halb oder nichts war -
Hier in meiner Stellung denke ich auch so oft an Ihm, weil er der Rolf de Maré gekannt hat! Und sehr mit Ihm sympathiesiert hat.
Der Leger hat mir diesen winter ein sehr schönes Aquarel geschenckt, leider habe ich es verkaufen müssen da ich schulden hätte.
Wie geht es dort mit Kamarek [5] ? Sehr Ihr die noch mal. Ich las in einer holländische Zeitung daß ein Buch von Ihr heraus ist über Spanische Tänze.
Liebe Hannah las doch mal bald wieder etwas hören - Wie geht es mit Til? -
Ich sitze hier zwische fabelhafte Bilder, von Hyroniemus Bosch bis Cézanne. Morgen muß ich ein Vortrag über die ausgestellte Bilder halten.
Schreibe bitte doch bald! Herzlichst umarmt,
Euere Nelly."

[1] Rolf de Maré, Direktor des Ballet Suédois, das im Théâtre des Champs-Elysées auftrat.
[2] Hierbei handelt es sich um die Exposition surréaliste - Peintures, dessins, sculptures, objets, collages, die vom 7. bis zum 18. Juni 1933 in der Galerie Pierre Colle in Paris gezeigt wurde.
[3] Constantin Brancusi.
[4] Antony (oder Anthony) Kok (1882-1969), Bahnbeamter, Dichter und Musikliebhaber.
[5] d. i. Kamares.