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Brief von Nelly van Doesburg an Hannah Höch. Meudon
  • Repro: Anja Elisabeth Witte
    • Nelly van Doesburg (1899 - 1975)

  • TitleBrief von Nelly van Doesburg an Hannah Höch. MeudonBriefkopf: "pétro van doesburg / 41 rue charles infroit / meudon (s. et o.) france"
  • Date01.10.1932
  • CategoryKorrespondenz
  • ClassificationBrief
  • MaterialPapier, handgeschrieben
  • Amount2 Blatt
  • FondsNachlass Hannah Höch
  • Inventory NumberBG-HHC K 103/79
  • Other NumberBG-HHE II 32.21
  • CreditlineErworben aus Mitteln des Senators für Kulturelle Angelegenheiten, Berlin, 1979
  • On DisplayNo
Transcription / Description
Additional Reproductions

"Meudon 1/X - '32.
Mein liebes Hännchen, Wenn du wusstest wie froh ich war mit deinem Brief von 22/Juni! Ich hätte sofort zurück schreiben wollen, aber wie es öfter geht, wurde es immer verschoben, bis ich jetzt dir ins Bett schreibe! Seit 14 Tage liege ich! Und hoffe daß ich nächste Woche wieder ausgehen kann! Eine Unterleibgeschichte! Wie ist es jetzt mit Dir und Til? Wieder alles wie früher oder ging es nicht mehr? Ich habe sehr an Euch gedacht und finde es so furchtbar schade. Wenn man denkt wie schwer es ist, jemand zu finden mit wem man Tag u. Nacht leben kann, und wie schön es ist das gefunden zu haben! Und daß das dann plötzlich auseinandergeht! Til war so geändert durch dir, daß hat sie doch selber auch immer gesagt.
Liebe Hannah es tut mir wircklich so leid um dir.
Wie schade ist es, daß wir so weit voneinander wohnen!
Ich möchte so gerne dir öfter sehen und mit dir reden! Es ist so schwer alles zu schreiben was in mir umgeht, und einen Menschen, mit wem ich alles besprechen könnte wie mit dir, habe ich hier nicht. Ich habe so oft Bedürfniss mir mal auszusprechen! Diesen Sommer war ich 6 Wochen in Spanien. Ich hätte mein Haus vermietet an russische Freunde, die gleichzeitig Dada, Bouboule u. den Garten versorgt haben. Ich war erst 14 Tagen auf den Balearen mit Spanische Freunden, nachher war ich 14 Tage in Barcelona und dann habe ich noch 14 Tage bei Hans u. Sophie Arp gewohnt, die ein Haus gemietet hätten am Meer, nicht weit von Barcelona! Das hat mir sehr erholt! Aber das nach Hause kommen ist immer so schlimm! Während der Reise habe ich auch so an Does denken müssen. Er hätte daß alles so fabelhaft gefunden!
Bist du noch verreist gewesen! Kannst du wirklich mal nicht nach Paris kommen? Du kannst doch bei mir wohnen! Es braucht dir nur die Reise zu kosten! Hans Arp würde sich auch sehr freuen dir mal wieder zu sehen!
Mein Haus ist wirklich herrlich, so wie ich hier in meinen Schlafzimmer liege, mit alte Bilder von Does um mir herum, den kleinen Garten. Es lebt sich sehr schön hier!
Nächste Woche ist eine Ausstellung in Basel und man hat mir aufgefordert die allerletzte Bilder von Does zu schicken, Stijlnummer auch und wenn möglich soll ich auch selber kommen Ich habe noch nichts dem Arzt gesagt, aber hoffe sehr daß ich hingehen kann. Ich bin eingeladen bei freunden zu wohnen, also riskiere ich nur 3e kl. reise. Ich will auch meine Picasso Zeichnungen mitnehmen, in der Hoffnung etwas verkaufen zu können!
Im Sommer habe ich ein Anzahlung auf ein Does' Bild gehabt, was im Nahjahr angekauft werden soll. So siehst du wie ich mir oben Wasser halte, materiell allerdings!
Im frühjahr war hie eine Ausstellung von Hollandische Malerei [1], Mondrian natürlich auch! Mit Absicht hat man keine Does-Bilder zur ausstellen gefragt! Man hat mir auch keine Einladung geschickt! Weiß du was ich gemacht habe? Ich bin uneingeladen mit viele Stijlnummer (Does-Nummer) unter meinem Arm nach der Eröffnung gegangen. Habe in der Vitrinen, und im Saal auf Tischen die Nummern hingelegt, und bin der ganzen Eröffnung geblieben! Es war voll! Jeder nam die Stijlhefte auf, und fragte mir wie schade, daß keine Bilder von Ihren Mann hier sind! Und Mondrian von wem es indirect ausgegangen war, kam ganz bleich und bebend zu mir, blieb immer hinter mir und frage aus name der Komittee, daß man mir einlud zur Eröffnungsdiner, und nachher tanzen, wofür ich ganz kurz und höfflich dankte!
Kannst du bedenken wie wahnsinnig aufgeregt ich innerlich war, aber habe nichts bemerken lassen. Schreibt du wieder bald??
Ich küsse dich herzlichst deine Nelly -"

[1] Es handelt sich sehr wahrscheinlich um die Exposition d'art hollandais contemporain, die vom 27. Mai bis 10. Juni 1932 in der Galerie Zak, Paris, zu sehen war.