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Brief von Otto Freundlich an Hannah Höch. Paris
  • Repro: Anja Elisabeth Witte
    • Otto Freundlich (1878 - 1943)

  • TitelBrief von Otto Freundlich an Hannah Höch. Paris
  • Datierung28.01.1932
  • GattungKorrespondenz
  • SystematikBrief
  • MaterialPapier, handgeschrieben
  • Umfang3 Blatt
  • KonvolutNachlass Hannah Höch
  • InventarnummerBG-HHC K 169/79
  • Andere NummerBG-HHE II 32.3
  • CreditlineErworben aus Mitteln des Senators für Kulturelle Angelegenheiten, Berlin, 1979
  • AusgestelltNein
Transkription / Beschreibung
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"28/1.32
Paris. 14e
7 Impasse du Rouet. [1]
Liebe Hannah Höch, Du siehst aus obigem, daß ich eine andre Adresse habe, seit dem 15.1. erst, und Deine Drucksache und heute Dein lieber Brief wurden mir nachgesandt. Für beides nimm meinen herzlichsten Dank. Das Unglück, das Euch getroffen, veranlaßt mich, meine Antwort zu beschleunigen. Ich dachte, die Herrn Einbrecher wären nicht ganz ohne Moral, und verschonten wenigstens die Ärmsten mit ihren Besuchen. Leider ist dem nicht so, wie Euer Fall zeigt, den [ich] aufrichtig bedaure. Es bleibt ja wohl nichts andres übrig, als möglichst heldenhaft die Sache abzutun, aber sympatisch ist sie nicht. Ich habe etwas unternommen, um Euch ein wenig zu Hilfe zu kommen, hoffentlich gelingt es.
Das Traurigste ist es, daß Ihr Eure Reise nach Paris dadurch habt aufgeben müssen. Wenn auch dieser Verlust in dieser Zeit nicht ganz so schwer wiegt, denn es steht hier auch nicht gut. Ich hatte im August-September eine Kollektiv-Ausstellung bei Becker und Newman in Köln und dort verkauft, aber den Verkaufspreis erst zum Teil erhalten. Denn heute fließt nichts, sondern alles steht still.
Wie gut und kameradschaftlich war es, meine Bilder zur Ausstellung der Novembergruppe zu geben, wofür ich Dir von Herzen danke. Ich erfuhr erst jetzt durch Deinen Kathalog von dieser Ausstellung, und freue mich Deines Erfolges und auch meines.
Arbeite nur tapfer weiter. Ich gebe Dir Nachricht, wenn sich im Frühjahr hier eine Ausstellung machen sollte, wo ich für Deine Arbeiten etwas vermitteln kann. Im allgemeinen bin ich etwas allseitig verkracht, so halb und halb, und man ist wohl nicht ganz zufrieden mit mir. So lebe ich ziemlich oder fast völlig zurückgezogen und arbeite jetzt wenigstens nach langer Zeit wieder in meinem Atelier. Walter Stern [2] aus Köln hatte meinen Aufsatz, der dort im Radio vorgelesen war, an Westheim gesandt, und gerade heute erhielt ich auch von Walter Stern die Nachricht, daß Westheim ihn drucken wolle [3]. Nun schreibst Du mir, liebe Hannah Höch, daß W. bei Dir war und sich die Foto der Plastik zur Reproduktion ausgewählt hatte. Das ist gewiß eine gute Nachricht, für die ich dir auch sehr danke. Westheim war mir gar nicht grün, als ich noch in Berlin war, aber seine gute Vorrede im Kathalog [4] sagte mir, daß er sich in seinen Anschauungen geweitet hat.
Alles Gute von Herzen Dir und Til Brugman und herzlichste Grüße Dir und ihr von
Deinem Freund Otto Freundlich."//

[1] Adresse der Gruppe abstraction-création.
[2] Walter Stern, Kölner Journalist des Westdeutschen Rundfunks; Mitherausgeber der Zeitschrift a bis z in Köln.
[3] Otto Freundlich: "Der Künstler in der Krise". In: Das Kunstblatt : Gegenwartsfragen der Malerei und Plastik / Paul Westheim (Hrsg.). Berlin: Hermann Reckendorf. - 16. Jg., Februar 1932, H. 2, S. 10-13.
[4] Paul Westheim: Für die Lebenden!. In: Kat. November-Gruppe; Porza / Landeszentrale für Deutschland e. V. (Hrsg.). Berlin, 1931. - (Veröffentlichungen des Kunstarchives - Nr. 58), S. 2 f.