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Brief von Kurt Heinz Matthies (Karl-Heinz) an Hannah Höch. Mailand
  • Repro: Anja Elisabeth Witte
    • Kurt Heinz (Karl-Heinz) Matthies (*1910)

  • TitleBrief von Kurt Heinz Matthies (Karl-Heinz) an Hannah Höch. Mailand
  • Date[07.1941]
  • CategoryKorrespondenz
  • ClassificationBrief
  • MaterialPapier, handgeschrieben
  • Amount1 Blatt
  • FondsNachlass Hannah Höch
  • Inventory NumberBG-HHC K 313/79
  • Other NumberBG-HHE II 41.1
  • CreditlineErworben aus Mitteln des Senators für Kulturelle Angelegenheiten, Berlin, 1979
  • On DisplayNo
Transcription / Description
Additional Reproductions

"Milano, Sonntag
Meine allerliebste Frau
wie Du siehst, bin ich immer noch in Milano stecken geblieben seit 1 Woche. Habe hier schon etwas gearbeitet. Habe heute erst Herrn Popp getroffen. Morgen fahre ich nun endgültig (Montag) in der geplanten Weise los: bis Florenz durch, dann über Perugia-Assisi-Ancona-Pescara nach Bari, wo ich anfange zu arbeiten, dann über Taranto nach Messina-Palermo. Wahrscheinlich werde ich schon mindestens in Palermo sein, wenn Du meinen Brief erhälst. (Du weisst doch, dass Du jede Post an mich unfrankiert unter Vorzeigung ein. Ausweises auf dem Postamt absenden musst?) War zweimal mit Sarteschi zusammen, u. z. haben wir uns wieder in dieser «Gelateria» getroffen wie im vor. Jahr. Er lässt herzlich grüssen, aber sonst gibt es von seiner Seite nichts Neues - Du solltest ihm aber einmal schreiben.
Es ist furchtbar heiss jetzt in Milano u. wäre für Dich «sehr strapaziös». Herrliche Früchte gibt es wieder: Aprikosen, Kirschen Apfelsinen, frische Feigen, frische Mandeln, Himbeeren, schöne gelbe Pflaumen. Habe schon alles gekostet. Auch «Nespoli», d. s. Mispeln, die wir i. vorigen Jahr nicht gefunden haben (Pflaumen ähnlich). Auch einige Walderdbeeren probiert - wobei ich doch wehmütig an unser liebes Gärtchen mit den schönen Erdbeeren denke - lass' sie Dir nur auch gut schmecken. Tomaten sind auch schon sehr gut. Ansonsten isst man bei der Hitze wenig. Dafür probiere ich jeden Tag um so mehr die raffiniertesten Aperitivi u. Eisgeschichten, die z. Teil auch noch sehr gut sind - Cassata!! man löst sich sozusagen in Flüssigkeit auf. Habe viele Geschäfte angeschaut, wo es wirklich noch alles zu kaufen gibt fast wie im vorigen Jahr.
Im Augenblick sitze ich hinter dem Kastell im Park in einem schattigen Café u. schreibe Dir.
Habe mich entschlossen, den Wagen doch noch weiter hier zu lassen. Durch das Büro ist Verlängerung des Triptiks beantragt um 1 Jahr. Von hier aus kann man, soweit ich erfuhr, ohne weiteres telegrafieren, werde also, wenn erforderlich, davon Gebrauch machen.
Mein liebstes Keef, ich hoffe nur sehr, sehr, das bei Dir alles recht gut geht u. dränge jeden anderen Gedanken beiseite, denn sonst kann man es ja nicht aushalten. Hast Du schon viele Früchte? Hoffentlich wirst Du nun in diesen Wochen auch wieder einmal zu Dir selbst u. Deiner Arbeit kommen - das würde mich sehr sehr freuen.
Grüsse meine Mutter herzlich und beruhige sie, soweit erforderlich. Was macht das «heutige Schef?»
Nun sei weiter meine liebe kleine tapfere Frau, bis Dein Hinchen als Dein vollkommenes Wimchen zurückkommt. Es küsst Dich allerherzlichst//
Dein I //
(Luftpost geht nicht mehr)
P.S. Wenn Du zum Kontor gehst, so grüsse ihn u. sage, dass er meinen Rahmen ohne jede Verzierung machen soll."