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Brief von František Kalivoda an Hannah Höch. Brünn
  • Repro: Anja Elisabeth Witte
    • František Kalivoda (1913 - 1971)

  • TitelBrief von František Kalivoda an Hannah Höch. BrünnMit Briefkopf: "architekt fr. kalivoda [...]".
  • Datierung05.06.1934
  • GattungKorrespondenz
  • SystematikBrief
  • MaterialPapier, handgeschrieben
  • Umfang2 Blatt
  • KonvolutNachlass Hannah Höch
  • InventarnummerBG-Ar 5/95,12
  • Andere NummerBG-HHE III Nt.30
  • CreditlineSchenkung Eva-Maria und Heinrich Rössner, 1995
  • AusgestelltNein
Transkription / Beschreibung
Weitere Abbildungen

"liebe höch,
es tut mir ausserordentlich leid, dass sie krank waren, hoffentlich ist alles wieder vorüber und sie fühlen sich gut. auch ich bin gesund. nur ein wenig zahnschmerzen hat mich zum zahnarzt gezwungen - ich habe nie mut rechtzeitig zum doktor zu gehen und so ist es immer schlimmer im letzten augenblicke zum arzt zu laufen.
ich mache ununterbrochen eckelhafte fehler in der deutschen rechtschreibung - entschuldigen sie es bitte. man versuchte immer zu rasch andere sprachen zu erlernen - immer bevor man die eine richtig beherrschte und kam niemals zurück zur nachholung des versäumten. es gehört zu dem ewigen zeit-problem.
ich freue mich von ihnen zu hören, dass sie in holland schöne tage gehabt haben. ich glaube es w vom ganzen herzen - denn obzwar ich nicht zu der prachtvollen blumenzeit gekommen bin, habe ich doch so viel schönes und angenehmes gesehen und erlebt, dass ich es nicht vergessen werde und immer wieder nach holland zurückkehren gerne werde.
ich freue mich auf die zeit, wenn es mir gelingen wird, holland in der vollen blütezeit zu besuchen zu können.
ja, schade, dass ich nicht die einladungen für april benutzt habe - es ging leider nicht so leicht - ich habe kein filmprogram vorbereitet gehabt und schreibe augenblicklich ein buch (über filmzensur) - es ist sehr viel dokumentares material vorhanden - es ist keine leichte arbeit für mich, denn man muss isch in erster reihe die aufgabe unter kritisch objektiven standpunkten, unter rücksicht auf die allgemeine gesetzen entwicklung, stellen und nicht nur unter der wahren fühlung des hasses gegen die ungerechte freiheitshemmung zu arbeiten.
liebe höch, sie wissen nicht wie sehr ich die freiheit liebe und wie ich alle zensur hasse! und der film ist von allen künsten am schlechtesten daran.
(moholy hat einen sehr guten »offenen brief« über die ganze situation des heutigen films geschrieben.)
vielen dank für die aufschrift für meine fotomontage - sie denken auch auf alles - vielen dank!
es ist möglich, dass ich eine vortragsreise nach dem sommer - also auch noch im herbst (november) nach belgien und holland unternehmen werde. es würde für mich von einer grossen freude, wenn ich sie in holland antreffen konnte. auch frau brugmann möchte ich sehr gerne kennenlernen -. wenn die vorträge deutsch oder französisch sein werden, möchte ich sehr gerne einige selbst anzuhören - es interessiert mich sehr!
ich arbeite auch an einer literarischen zeitschrift mit: »stredisko« [-x-]. leider ist die 1. nummer dieser zeitschrift nicht so schön, wie ich es machen wollte, den der mann, der die sache herausgibt, also zahlt, ist konservativ veranlagt und man kann nich alles auf einmal erreichen. die zweite nummer wird schon besser werden.
ich habe mir erlaubt ihren artikel in der tschechischen übersetzung in dieser zeitschrift zu drucken. auch mit zwei reproduktionen, die leider nicht gut arrangiert wurden und nicht ganz klar ausgefallen sind.
ich habe der administration den auftrag gegeben, ihnen als gechlossenen brief eine nummer zugehen lassen - eigentlich sollte dieses heft schon in ihren besitz gelangen. auch das honorar wird ihnen direkt zugeschickt - es wird nicht viel sein - wir haben für die ganze nummer nur 400 ko bewilligt. aber ich habe meinem freund - dem dr. václavek, beauftragt er soll ihnen für ihre arbeit möglichst viel reservieren und ich ersuche ihn, er soll ihnen sofort schreiben, damit sie bescheid wissen -. wir werden ihren artikel aber noch einmal drucken - in der originalsprache und da wird etwas mehr geld entfallen. ich weiss, sie reflektieren nicht zu sehr aufs geld - doch freut es, wenn man geld erhaltet - ich will damit sagen:
geld ist etwas groteskes, komisches und ich muss immer lachen, wenn ich für meine arbeit geld bekomme.
selbstredend ist aber auch geld meine schwache seite - ich weiss auch sehr gut, wie unangenehm alle geld-angelegenheiten sein können, aber trotzdem: habe ich immer das selbe gefühl - des komischen, minderwertig dummen - wenn ich geld sehe oder bekomme. und darum habe ich immer eine komische freude, welche ich auch bei anderen leuten vermute.
sie bekommen von uns, liebe höch, für die 4 verkauften bilder
1200 ko
ich habe schon 500 ko einkassiert. wir sprachen darüber in berlin und ich vermute sie sind mit den preisen einverstanden. die kameraden, die diese bilder kauften sind schlecht finanziell situiert und kauften die bilder wirklich aus reiner liebe zur modernen kunst.
es freut mich zu hören, dass sie nichts schlechtes von über mich in holland gehört haben. und ich danke ihnen für alle ihre lieben worte.
mit vielen herzlichen grüssen ihr
Kalivoda
p.s.
ich habe den ganzen brief nochmals durchgelesen. ich fürchte, sie werden vieles nicht verstehen, was ich ihnen hier sage, den ich habe viele falschen ausdrücke verwendet - hoffentlich werden sie nichts schlimmes daran finden.
ich schwöre ihnen: alles wurde im besten sinne des wortes gesagt und gemeint, es kann auch nicht anders sein, und sie werden es mir glauben, nicht wahr liebe gute höch?"