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Brief von Thomas Ring an Hannah Höch. Johnsbach/Steiermark
  • Repro: Anja Elisabeth Witte
    • Thomas Ring (1892 - 1983)

  • TitelBrief von Thomas Ring an Hannah Höch. Johnsbach/Steiermark
  • Datierung19.04.1933
  • GattungKorrespondenz
  • SystematikBrief
  • MaterialPapier, handgeschrieben
  • Umfang1 Blatt
  • KonvolutNachlass Hannah Höch
  • InventarnummerBG-HHC K 513/79
  • Andere NummerBG-HHE II 33.9
  • CreditlineErworben aus Mitteln des Senators für Kulturelle Angelegenheiten, Berlin, 1979
  • AusgestelltNein
Transkription / Beschreibung

"19. April 1933
Liebe Hannah, wennschon Dein Schweigen schon Methode scheint und über die normalen Grenzen jungfräulicher Reservate hinausgeht, wirst Du von hier ebenso methodisch mit Briefen bombardiert, bis die Mimose unter dem trommelfeurigen Ansturm zusammenbricht. Dann haben wir den sich selbst verzehrenden Salat. Aber Spaß beiseite: Du machst uns ernsthaft Sorge. Was ist los? Bist Du krank? Eingeschnappt? Warum? Laß uns nicht länger Rätsel raten!
Daß und wie wir hier leben, hat Dir Gertrud wohl schon alles geschrieben. Von mir wäre noch hinzuzufügen, daß ich wieder angefangen habe, zu malen, voraussehungslos, richtige Natur, und diese Landschaft ganz allmählich auf sich selbst, nicht auf hirnliche Randbemerkungen eines menschlichen Individuums, reduzieren will. Der gewünschte Erfolg steht noch aus, aber wir haben ja den Sommer über Zeit und man muß ganz langsam aus sich selbst in die Landschaft hineinwachsen.
Heut schicke ich Dir Plan und Aufbau meiner Lehrbriefe und es ist Dir wohl klar, daß mehr damit beabsichtigt ist, als technische Beschäftigung mit einem interessanten oder strittigen oder sonstwie fragwürdig einzurangierendem Gebiet. Du sollst den Welteismenschen (Henning) [1] oder andere derartige Leute dafür mobil machen, auch bitte ich dich herzlich, die Anschrift von Georg Muche ausfindig zu machen, ich werde ihm selbst schreiben. Ich brauche 20-25 Leute, um die Unkosten zu decken und über die Wichtigkeit ist es wohl nicht nötig, etwas zu sagen. Der erste Lehrbrief ist geschrieben, ich warte nur auf den Zustrom und würde mich freuen, wenn Du mir hineinplätschern helfen würdest.
Vor allem: was machst Du? Wo wohnst Du? Was macht Til? Wie geht es Euch? Habt Ihr zu leben? Dringend Antwort erwünscht!
Herzlich Dein Thomas
Th. R. Johnsbach 25, Gesäuse, Steiermark"

[1] Fritz Henning.