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[Gross sagt... ]
  • Repro: Anja Elisabeth Witte
    • Raoul Hausmann (1886 - 1971)

  • Title[Gross sagt... ]
  • Date[1916]
  • CategoryManuskripte
  • ClassificationManuskript
  • MaterialPapier, handgeschrieben
  • InscriptionMit handschriftlichem Zusatz.
  • Amount2 Blatt
  • FondsNachlass Hannah Höch
  • Inventory NumberBG-HHC H 90/79
  • Other NumberBG-HHE I 8.47
  • CreditlineErworben aus Mitteln des Senators für Kulturelle Angelegenheiten, Berlin, 1979
  • On DisplayNo
Transcription / Description
Additional Reproductions

Zusammenstellung von Zitaten aus: Franz Jung: Wirkung und Wucht und Wenn alle wissen werden, erschienen in: Um Weisheit und Leben. Vierte Folge der Vorarbeit / Hg. Franz Jung und Otto Gross. Berlin: Verlag Freie Straße, 1916.

„Gross[1] sagt:
»Sicher ist, daß (...) für heute noch sich der Zwang zur Wirkung ableitet (...) Ich rede nur zu Leuten, denen dieser Zwang zum Unerträglichsten geworden ist und sich gleichsetzt mit Selbstzerstörung.«
Strindberg: »Du bist ein Kind, das in einer kindlichen Welt gelebt hat; da hast Du mit Gedanken und Worten gespielt! Du hast in dem Irrtum gelebt, daß die Sprache etwas so Materielles, ein Kleid sei für etwas so Subtiles wie Gefühle und Gedanken. Wir haben den Irrtum entdeckt und sprechen so wenig als möglich, denn wir wahrnehmen und sehen des Ändern Innerstes; wir haben durch geistige Übungen unser Wahrnehmungsvermögen so ausgebildet, daß wir eine einzige Kette bilden, ... wenn vollständige Übereinstimmung herrscht. Der Prior, der sich am weitesten ausgebildet hat, kann an sich fühlen, wann Jemandes Gedanken auf Abwege geraten; er gleicht, wohlgemerkt gleicht - in gewisser Beziehung dem Galvanometer des Telegrafeningenieurs, der ansieht, wann und wo eine Unterbrechung der Leitung stattfindet ... Denke daran, wenn Du vor dem prüfenden Auge des Priors stehst!«
(Nach Damaskus III)[2]

Dann sagt Gross[3] noch:
»(...) Dem Weib fehlt noch das Gleichgewicht des Mitwissenden.(!) (...) Es wird beispielsweise sein, daß die Frau vorher und allgegenwärtig wissen wird. Den Alltag (...) Dann hört das »Männchen« im Mann auf, Es wird ausgebrannt. Der Mann erstickt vor Scham. Der Staat. Nur der Wissende bleibt. Wenn die Frau sich erleben würde, dem Mann auf die Beine zu helfen, wäre es morgen da (...)«

Ich sage gegen Gross:
Ich verbrenne. Bin verbrannt. Kann nur so Helfer sein. Aber die Wissende, diese aus Scham Lügende - wo bleibt sie, der ich, nicht nur auf die Beine, zu viel mehr helfen will? Der ich schrieb: Empöre Dich nicht gegen Deinen schwarzbraunen Erdboden, in den alle Deine Geheimnisse gelegt sind. Diese blaue Lilie? Gewiß weiß ich, mehr als Gross: daß es für das Ich ganz zu wissen gefährlich sei, daß Mitfreude gleich Auflösung, gleich Vergehen ist - eine mörderische Balance, mit dem Einsatz des ganzen Menschen erkauft. Mit noch mehr. Noch viel mehr. Aber nur wer im seienden Leben drin ist, die Balance aushält - der weiß, kann entscheiden, es steht ihm ein Urteil zu, er allein darf wissen, ob der Andere dieses Leben hat. Schon hat.“

[1] Es handelt sich im Folgenden um Gedanken von Franz Jung. Aus: Franz Jung: Wirkung und Wucht. In: Um Weisheit und Lehen. Vierte Folge der Vorarbeit. Berlin: Freie Straße, 1916.
[2] August Strindberg: Nach Damaskus m (1901). Vierter Akt.
[3] Ebenfalls nicht von Otto Gross, sondern von Franz Jung. Aus Franz Jung: Wenn alle wissen werden. In: Um Weisheit und Leben. A.a.O.