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W. Jos. de Gruyter: Bij d'Audretsch. [Het Vaderland, 's-Gravenhage]
  • Repro: Anja Elisabeth Witte
    • Willem Jos. de Gruyter (1899 - 1979)

  • TitleW. Jos. de Gruyter: Bij d'Audretsch. [Het Vaderland, 's-Gravenhage]Rezension der Ausstellung Hannah Höchs in der Galerie d'Audretsch, Den Haag, Mai bis 12. Juni 1934.
  • Date05./06.1935
  • CategoryDruckerzeugnis
  • ClassificationZeitungsausschnitt
  • MaterialPapier, gedruckt
  • InscriptionHandschriftliche Anmerkung von Hannah Höch: "[Het] Vaderland".
  • Amount1
  • FondsNachlass Hannah Höch
  • Other NumberBG-HHE II 34.36
  • CreditlineErworben aus Mitteln des Senators für Kulturelle Angelegenheiten, Berlin, 1979
  • On DisplayNo
Transcription / Description
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Übersetzung aus dem Holländischen:
"Hannah Höch
Bei d'Audretsch
Von dieser deutschen Künstlerin hat man schon früher beim damaligen Kunsthandel De Bron das eine oder andere sehen können. Jetzt zeigt sie bei d'Audretsch mehr als dreißig kleine, fesselnde Aquarelle. Eigentlich ist dies kein Werk, über das man schreiben sollte. Es ist nämlich beinahe unmöglich darzulegen, warum eine solche Kunst Bedeutung hat, wohingegen viele nahe verwandte Äußerungen dieser Zeit mehr oder weniger Machwerke genannt werden müssen.
Hannah Höchs Aquarelle wirken rein expressionistisch, womit gemeint ist, daß die Künstlerin sich einzig und allein um die Wiedergabe eines inneren Ausdrucks bemühte, also ausschließlich das Aussprechen eines Gemüts- oder Geisteszustandes beabsichtigte. Was nicht heißen soll, daß sie ohne das Studium der Naturformen ans Werk gegangen ist. Im Gegenteil: die Anschauung hat sicher ihren Anteil an der Entstehung der Aquarelle gehabt. Daher erkennt man dann auch ständig Aspekte aus der Wirklichkeit darin wieder. Doch diese Wirklichkeiten sind nicht optisch genau besehen, sondern intuitiv und eigenmächtig interpretiert, derart, daß sie das vollkommen Reduzierte und gerade dadurch Suggestive von Traumgebilden erhalten.
Begreiflicherweise darf das Monströse, dieses Ent-Stellte oder Deformierte nicht vorsätzlich gesucht werden, wie es heutzutage so oft geschieht. Das Vorsätzliche bedeutet bis zu einem gewissen Grade immer eine Gefahr in der Kunst. Ganz besonders freilich auf jenem Terrain, wo jedes Eingreifen des verstandesmäßigen Willens fatal genannt werden muß, denn dort sind die Inspiration, die Emotion und die Vorstellungskraft Alleinherrscherinnen.
Die Tugend von Hannah Höchs Kunst scheint mir zu sein, daß sie vor allem spontan, unbewußt und weiblich anmutet.
Wenn auch schon mal die Gefahr von Spielerei um die Ecke schaut - z. B. in dem Aquarell von der Dame mit der Katze, wo die zum Teil zufällig verlaufenden Farben viel von einen Trick haben -, die der Kalkulation und der Berechnung gibt es mit Sicherheit nicht. Ich nehme daher selbstverständlich auch an, daß die Malerin ihre witzigen, zerbrechlichen, verdrießlichen oder bösartigen Gestalten so gesehen hat, wie sie sie wiedergibt: mit einem mehr nach innen als nach außen gerichteten Auge.
Hierfür spricht auch die Tatsache, daß sie sich wenig wiederholt, und daß das ein oder andere stets persönlich anmutet. Das Werk fällt darüber hinaus in zwei Arten auseinander, nämlich in die ziemlich illustrativen Arbeiten und in die eigentlichen Traumgesichte. Eine deutlich anekdotische Seite hat z. B. das Aquarell Nr. 10, ein lebendig, gestisch ausgeführtes Blatt, das wir in Ermangelung einer Betitelung durch die Künstlerin selbst Verführung nennen werden. Im anderen Extrem stehen Werke wie Nr. 35 und 36, Giftgrün und Treffen, worin die Formen gleichsam in die Tiefseegebiete des Unbewußten zurückgesunken sind. Solche Äußerungen sind nicht verstandesmäßig zu begreifen und zu erklären: man fühlt sie oder man fühlt sie nicht.
Auch technisch sollten hier nicht die üblichen Maßstäbe gelten, wenngleich man in einem Fall wie diesem auf die verfeinerte und expressive Farbe, auf die starke Gesamtgestaltung und die farbliche Nuancierung in den verschiedenen Aquarellen hinweisen kann.
Ziemlich in der Mitte zwischen den beiden oben genannten Gruppen steht Nummer 47: Verstanden, psychologisch eines der schärfsten Blätter. Die Aufgeregtheit der rechten männlichen Figur ist sehr gut ausgedrückt. Das große rote Gesicht läßt an eine falsche Krabbe denken; der Körper fehlt, der Kopf, steif vor Bösartigkeit, ruht direkt auf zwei langen, dünnen Beinen, die langsam und mechanisch auf die passive, blonde, verängstigte Frau zugehen. Der Körper konnte hier vernachlässigt werden, als Ausdrucksmittel erschien er überflüssig; die Beine dagegen waren nötig, um die Bedrohung seitens des bösartigen, roten, männlichen Kraftwesens hervorzuheben. Die schöne Farbe drückt vollkommen das Beklemmende der Situation aus.
Sehr gut fand ich weiterhin Nummer 3, 5, 6, und 41. Die Baskische Tänzerin, feiner als die Dame mit Katze, wirkt elegant und zeugt von einem beachtenswerten Farbgefühl, ist aber weniger ausdrucksstark.
W. Jos de Gruyter."