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W. Jos. de Gruyter: Aquarelle en Fotomontages door Hannah Höch. Het Vaterland, 's-Gravenhage
  • Repro: Anja Elisabeth Witte
    • Willem Jos. de Gruyter (1899 - 1979)

  • TitleW. Jos. de Gruyter: Aquarelle en Fotomontages door Hannah Höch. Het Vaterland, 's-Gravenhage1 Blatt, mit angeheftetem Blatt des Ausschnittdienstes "Pers-Informatien / Johs. van Haarlem [...]" und Datumsstempel: "8.11.1935". Rezension der Aquarell- und Photographieausstellung von Hannah Höch in der Galerie d'Audretsch, Den Haag, November bis 14. Dezember 1935.
  • Date08.11.1935
  • CategoryDruckerzeugnis
  • ClassificationZeitungsausschnitt
  • MaterialPapier, gedruckt
  • InscriptionHandschriftliche Anmerkung von Hannah Höch: "[Het] Vaderland".
  • Amount1
  • FondsNachlass Hannah Höch
  • Other NumberBG-HHE II 35.15
  • CreditlineErworben aus Mitteln des Senators für Kulturelle Angelegenheiten, Berlin, 1979
  • On DisplayNo
Transcription / Description
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Übersetzung aus dem Holländischen:
"Aquarelle und Photomontagen von Hannah Höch
Kunsthaus d'Audretsch
Es wird anderthalb Jahre her sein, daß diese deutsche Expressionistin im selben kleinen Saal durch eine Reihe Aquarelle die Aufmerksamkeit auf sich zog. Diese zweifellos sehr persönlichen [Arbeiten] brachten sie in die Nachbarschaft von Klee, Picasso, Masson u. a., Künstlern also, die im weitesten Sinne des Wortes surrealistisch genannt werden können. Diese Reihe der Aquarelle scheint sie fortgesetzt zu haben, daneben hat Hannah Höch jedoch versucht, ihr Heil bei montierten Photographien zu finden, was mir ehrlich gesagt ein bißchen leid tut.
Nicht, daß ihre Montagen nicht geschickt sind. Ich würde sie mehr als nur geschickt nennen: sie sind ab und zu auf ihre Art und Weise brillant. Ein phantastisches und groteskes Spiel von Bildassoziationen, subtil insinuierend und raffiniert durchdacht. Die Ton- oder Farbwerte sind sensibel abgestimmt, der Rhythmus der Verhältnisse wissend aufgebaut, und die Freudianischen Bildkomplexe überzeugen. Sie sind nicht allein Vehikel eines durch zufällige Einfälle gestützten virtuosen Verstandes, sondern sie scheinen in der Tat gesehen, oder wenn man so will: belebt zu sein. Als Beispiel ziehe ich die Siebenmeilenstiefel heran und das Blatt mit einem niederschwebenden geflügelten Filmstar-Teufelinchen - oder Engelchen (zwischen Teufel und Engel braucht man auf diesem sousrealistischen Terrain nicht zu unterscheiden).
Und dennoch, dennoch glaube ich, sollte man diese Photomontagen eher als vorübergehende Phase werten: sie scheinen mir auf einem Mißverständnis zu beruhen. Man muß ein feinsinniger Künstler sein, um sie so weit zu bringen, aber zur Domäne der Kunst kann ich sie nicht, oder zumindest nicht in jedem Falle, zählen. Selbst das verblüffende Raffinement von Hannah Höch hier und da läßt uns keinen Augenblick vergessen, daß das Heterogene der Bestandteile einer solchen Photomontage die Gesamtheit der Verbildlichung anhaltend stört. Die Aufmerksamkeit fällt gleichsam jedesmal ab, wenn sich der Blick über das Blatt bewegt. Das photographische Relief bestimmter Teile «stößt» in psychisch-ästhetischer Hinsicht beispielsweise gegen die Fläche des Grundes oder gegen angrenzende Teile, die wieder weniger reliefartig oder mit freier Hand bearbeitet worden sind.
Das Heterogene der zusammengestellten Teile hat zur Folge, daß das Gesamtkonzept intellektuell bleibt: die sinnliche Vergegenständlichung bleibt aus. Diese Blätter sind zwar wie Kunst gesehen, aber nicht mit den Mitteln der Kunst realisiert, deshalb vermögen sie zwar zu faszinieren, aber nicht zu berühren. Betrachtet man eine der Photomontagen lange Zeit und richtet dann den Blick unvermittelt auf eines der Aquarelle an der Wand gegenüber, dann bemerkt man den Unterschied: keinen geistigen Unterschied, aber einen Unterschied im mehr oder minder Vergegenständlichten.
Über die Aquarelle kann man viel Gutes schreiben. [Obwohl] sehr spontan, weisen sie doch oft einen vollständigen und abgerundeten Charakter auf, kantig nervös im Strich und expressiv in der Farbe. Manchmal sind sie nicht so weit von der optischen Wirklichkeit entfernt, dann wieder zeigen sie Traumgebilde, mit all dem Eigenmächtigen, Unberechenbaren, Beklemmenden der Bilder nächtlichen Bewußtseins. Einige haben auch einen eher komisch erzählerischen Akzent, doch ist Hannah Höch zu begabt und zu inspiriert, um in triviale illustrative Witzelei zu verfallen.
Letzten Endes ist es sehr schwierig, über Werke wie diese zu schreiben. Diejenigen, die sie [nach]empfinden [können], werden [die Wirkung der Bilder] sofort und ohne Erklärungen empfinden. Diejenigen, die nicht in der Lage sind, es aus sich selbst heraus zu erfahren, oder die Vorurteile überwinden müssen, werden - befürchte ich - durch Worte nicht schnell überzeugt werden.
Die interessante Ausstellung dauert bis 14. Dez.
Jos. de Gruyter."