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Brief von Raoul Hausmann an Fritz Henning. [Berlin]
  • Repro: Anja Elisabeth Witte
    • Raoul Hausmann (1886 - 1971)

  • TitelBrief von Raoul Hausmann an Fritz Henning. [Berlin]
  • Datierung[vermutlich Mitte März 1924]
  • GattungKorrespondenz
  • SystematikBrief
  • MaterialPapier, maschinengeschrieben, Durchschlag
  • Umfang2 Blatt
  • KonvolutTeilnachlass Raoul Hausmann
  • InventarnummerBG-RHA 656
  • CreditlineErworben aus Mitteln der Senatsverwaltung für Kulturelle Angelegenheiten, Berlin, und Spendenmitteln, 1991
  • AusgestelltNein
Transkription / Beschreibung
Weitere Abbildungen

»Lieber Herr Henning!
Leider habe ich Sie am Sonnabend in Potsdam nicht angetroffen. Es tut mir dies umso mehr leid, als ich durch Zufall erfuhr, dass Herr Turell gerade am Abend meiner Rückkehr aus Leipzig einen Vortrag gehalten hatte, dessen Grundlage die Welteislehre abgab und über den ich gern näheres von Ihnen erfahren hätte. Wie Sie ja schon wissen, gehöre ich offiziell zu den Mitarbeitern der WEL und war gerade in Leipzig, um mit dem Verleger, Herrn Voigtländer, einige Angelegenheiten zu besprechen, die uns sehr dringend erscheinen. Es handelt sich in aller erster Linie um das, was wir abwechselnd bald „Freie Akademie" bald „Freie Schule" nennen, und was als organisierte Angelegenheit zwar sehr schön wäre, aber immer noch in der Luft schwebt. Ich entsinne mich noch unserer ersten Unterredung bei Ihnen in Potsdam in Gegenwart von Herrn Baader etwa im November v.J. dahingehend, dass Sie meinten, so eine Sache müsse wachsen und es dürfe nichts übereilt werden. Das finde ich ja allerdings auch. Wenn ich aber andererseits in Betracht ziehe, dass zu dem Weltbild, dass z.B. gerade Sie oder Herr Turell erforschen oder aufbauen wollen, doch noch etwas mehr gehört, als ich bis jetzt sowohl in Potsdam wie im Institut für Erziehung und Unterricht zu sehen und hören bekommen habe (und wie ja auch der Versuch des Herrn Turell beweist empfinden Sie scheinbar alle diesen Mangel selbst), so lassen Sie mich gleich mit deutlichen Worten das aussprechen, was mir das Dringlichste zu sein scheint. Wenn Ihre gemeinsame Arbeit überhaupt einen Sinn, d.h. also, einen neuen Sinn haben soll, warum entschlossen Sie sich nicht direkt dann auch mit den offiziellen und Relativitäts-Astronomien zu brechen und warum schliessen Sie sich nicht ganz einfach der Welteislehre an? Sie werden ja inzwischen das Buch von Hanns Fischer „Weltwenden" schon zu sehen bekommen haben. Sie werden schon aus diesem Buch entnommen haben, dass Herr Fischer vielleicht nicht ganz in Ihrem Sinne, jedenfalls aber doch nach Korrespondenzen im irdischen Grossgeschehen sucht; und Sie werden aus den von mir aufgestellten Grundlinien für ein Buch, das ich jetzt schreibe, und die ich Ihnen im Anhang beifüge, ersehen können, dass die ganze Korrespondenzlehre überhaupt erst eine Bedeutung gewinnt, einen festen Grund erhält, durch die WEL. Herr Fischer und ich haben in Leipzig feststellen müssen, dass wir Beide auf verschiedenen Wegen zu denselben Resultaten gelangt waren, nämlich, erstens, das von mir deutlicher als von Fischer formulierte und durchgearbeitete Gesetz der universalen Funktionalität, zweitens, um die von Fischer mit mehr Material belegte und klarer erkannte Helio-Biozönose. (Helio-Biozönose heisst etwas umständlich ausgedrückt: Sonnen-Erden-Lebensgesamtkorrespondenz, durchgeführt für alle Gebiete, gleichgültig ob Physik, Medizin, Psychologie, Soziologie, Geologie). In meinen vorhin erwähnten Grundlinien ist die Helio-Biozönose ebenfalls enthalten, das Wort wurde jedoch von Hanns Fischer in Leipzig geprägt. Es handelt sich meiner Meinung nach heute nicht mehr darum, dass wir eigenbrödlerisch uns abarbeiten, dies wissen Sie so gut als ich, aber das ganze Reden über kollektive Arbeit etc. hat garkeinen Sinn, wenn wir nicht einmal praktisch den Anfang damit machen. Es liegt mir sehr fern, den einzelnen Persönlichkeiten und ihrer Erkenntnisfähigkeit in irgendeiner Weise Schranken auferlegen zu wollen oder sie auf irgendeine Art einzuschachteln, aber auf der anderen Seite muss ich es doch ganz deutlich aussprechen: Um die Notwendigkeit von den offiziellen Wissenschaften in einem noch viel ausgesprochenerem Masse, als Sie es bisher taten abzurücken, kommen Sie nicht herum. Sie werden dort sehr bald den Punkt erleben, wo man Ihnen sagt: „Friss Vogel oder stirb!" Auf der anderen Seite habe ich es nicht nötig, Sie noch besonders dar-auf hinzuweisen, dass die WEL gerade im Sinne der von Ihnen vertretenen Korrespondenzlehre ganz dringend notwendige kosmotechnische Erkenntnisse enthält, einiges an der Theorie, wie z.B. das kosmische Eis, ist durch die Untersuchung des Prof. Vegard offiziellerseits nicht mehr zu leugnen. Andererseits kommen im Laufe dieses Jahres im Verlag Voigtländer Bücher von Hörbiger, Fauth, Valier, Fischer und Voigt heraus, die den neuesten Stand der Welt klarlegen werden. Wozu das viele Geschreibe; ich frage Sie rund heraus: Wäre es von Ihnen aus gesehen unmöglich, das Archiv für hyerogliphische Erschliessung des Raumes und die Biogenethische-Psychologische Gesellschaft sowie die Arbeitsgebiete von Hanns Fischer und mir zu einer freien Schule zusammenzuschliessen, oder was haben Sie dagegen einzuwenden? Ich habe mit Herrn Voigtländer und Herrn Fischer in Leipzig dahingehend vereinbart, dass Herr Fischer zwischen dem 27. und 31. März in Gegenwart von Herrn Voigtländer und mir in Ihrem Kreise einen Vortrag über WEL hält. Sollte Ihnen dieser Termin nicht passen, so käme der 27.-30. April in Frage. Bei dieser Gelegenheit könnte zwischen Herrn Voigtländer, Herrn Fischer mir und Ihnen alles eingehendst besprochen werden. Da die Schule im Zusammenhang mit dem Verlag Voigtländer gedacht ist und wir eine Zeitschrift herauszugeben beabsichtigen, so würden sich doch auch für Sie sehr schöne Möglichkeiten ergeben. Ich bitte Sie, mir sobald als möglich zu antworten und begrüsse Sie bestens
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