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Brief von Jan Tschichold an Raoul Hausmann. München
  • Repro: Anja Elisabeth Witte
    • Jan Tschichold (1902 - 1974)

  • TitelBrief von Jan Tschichold an Raoul Hausmann. MünchenBriefkopf: jan tschichold voitstrasse 8/1 links münchen 39 (borstei)
  • Datierung28.04.1930
  • GattungKorrespondenz
  • SystematikBrief
  • MaterialPapier, maschinengeschrieben, handgeschrieben, Bleistift, Briefkopf
  • Umfang1 Blatt
  • KonvolutTeilnachlass Raoul Hausmann
  • InventarnummerBG-RHA 1030
  • CreditlineErworben aus Mitteln der Senatsverwaltung für Kulturelle Angelegenheiten, Berlin, und Spendenmitteln, 1991
  • AusgestelltNein
Transkription / Beschreibung
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»28/4 30
sehr geehrter herr hausmann,

leider kann ich ihre beiden letzten briefe erst heute beantworten, da ich inzwischen verreist war. ich danke ihnen sehr für die sendung der drucksachen, von denen ich jenige, dada 3, die sie zurückbrauchen, fotografieren und ihnen dann zurückschicken werde. für die hefte, die sie mir zur Verfügung stellen, herzlichen dank.

über den Vortragsabend kann ich ihnen einstweilen noch nichts sagen, ich werde erst später darauf zurückkommen. für ihre prinzipielle zusage danke ich ihnen schon jetzt.

einen absatz in meinem briefe vom 3./4. haben sie missverstanden - er ist, wie ich sehe, auch nicht gut formuliert. gemeint war, dass ich selbst in einem aufsatz ihre arbeit würdigen wollte. inzwischen hat sich erfreulicherweise diese möglichkeit bereits ergeben. ich veröffentliche im archiv für buchgewerbe einen grossen aufsatz „internationale neue typografie", dem auf 50 tafeln ausgesuchte leistungen in den originalfarben und grossen folgen. gesamtumfang 64 bis 72 seiten. die arbeit erscheint in fortsetzungen, später werden die einzelnen bogen zusammengefasst als buch erscheinen. in dem einleitenden aufsatz kann ich ausreichend auf die geschichte der neuen typografie eingehen, in der der dadais-mus eine erhebliche rolle spielt. dabei werde ich eine reihe ihrer arbeiten veröffentlichen.

ich möchte sie bitten, mir „dada 3" noch ein paar wochen zu überlassen. das heft ist bei mir in guten händen. ausserdem wäre ich ihnen sehr dankbar, wenn sie mir das angekündigte weitere material zusenden würden. ich werde es ihnen unversehrt nach bearbeitung als Wertpaket zurücksenden. es liegt mir auch sehr daran, ihre arbeiten recht bald zu erhalten.

durch telefonat brachte ich in erfahrung, dass die ätzungen aus dem nicht erschienenen dadaco beim kurt wolff-verlag in berlin liegen. der verlag hat nichts gegen die Veröffentlichung einzuwenden, er will nur dass ich mich mit den autoren verständige. sie würden mich ausserordentlich verpflichten, wenn sie sich vielleicht telefonisch mit dem berliner kurt wolff-verlag in Verbindung setzen würden, um die leihweise herausgabe der klichees zur veröffentlichung in meinem aufsatz im archiv für buchgewerbe zu erreichen.* das wird für sie leichter sein als für mich. der aufsatz wird auf kunstdruck gedruckt, so dass die ätzungen tadellos herauskommen werden, jedenfalls viel besser aussehen werden, als wenn man nach den technisch unzulänglichen drucken der dada-hefte netzätzungen anfertigen liesse.

ihre darstellung der geschichtlichen vorgänge sind für mich von grossem wert. seien sie überzeugt, dass ich von ihren mitteilungen in objektivsterweise gebrauch machen werde.

mit besten grüssen
ihr sehr ergebener Jan Tschichold

die bedeutung von dada auch für die typogr. entwicklung wird von ignoranten noch absolut unterschätzt, so dass es m.m. nach an der zeit ist, energisch darauf hinzuweisen.

* sehr erwünscht sind mir abzüge der vorhandenen klischees, soweit sie unveröffentlicht sind oder nur nicht bekannt sein können.«