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Kunstsalon Otto Fischer
  • © Berlinische Galerie / Wolfgang Wittrock
  • Repro: Berlinische Galerie
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FISCHER
KUNST-SALON OTTO FISCHER

Adresse:
BIELEFELD, Westfalen (Nordrhein-Westfalen), Gehrenberg 2; Obernstrasse 47 (ab 1906)
Inhaber: Otto Fischer (1901-1927); Georg Wilhelm Fischer (ab 1927)
Mitarbeiter: Dr. Franz Bock; Ende der Zwanzigerjahre ist Frl. Emma Meinert als Geschäftsführerin genannt.
Bestand: Gegründet 1901, nach 1945 fortgesetzt
Charakteristik: Kunst- und Kunstgewerbehandlung
„Kunstgewerbe, Kleinkunst, Graphik, Moderne Malerei, Gruppenausstellungen“ (Jahrbuch für bildende Kunst 1906/07, Sp. 119); „Ständige Ausstellung, Kunstgewerbe, Kleinkunst, Graphik, Moderner Malerei“ (Dresslers Kunsthandbuch 1907, S. 564)

Ausstellungen:
1902: Graphik (Max Klinger, Hans Thoma, Otto Greiner), Kunstgewerbe (Bruno Paul, Otto Eckmann, Max Laeuger)
1903: Niedersächsische Heimatkunst, Worpsweder Maler (Heinrich Vogeler, Fritz Mackensen, Otto Modersohn, Hans Am Ende, Carl Vinnen); Graphik (Karlsruher Künstlerbund, Karl Stauffer- Bern, Max Liebermann, Käthe Kollwitz)
1904: Freie Vereinigung junger Düsseldorfer Künstler
1905: Dachauer Künstler, Theodor Wedepohl, Erich Kuithan, Frida Hempel-Colbrunn, Alfred Altherr
1906: Eröffnung des Hauses Obernstrasse 47
1907: {Ludwig von Hofmann}; Wanderausstellung der Dresdner Künstlergruppe „Brücke“; Edvard Munch (die 44 Werke umfassende Ausstellung wurde wegen Platzmangel in zwei Teilen gezeigt)
1908: Münchner und Berliner Secession (dabei u. a. Max Buri, Max Liebermann, Max Slevogt, Lovis Corinth, Heinrich Zügel, Hugo Habermann, Hermann Struck, August Gaul. Aus dieser Ausstellung erwarb die Stadt Bielefeld ein Ölbild (Der neue Hut) von Rudolf Nissl); Organisation einer Ausstellung im Westfälischen Kunstverein Münster
1910: Organisation einer Ausstellung in Herford (Westfalen)
1911: Hermann Stenner
1914: Organisation einer Ausstellung in Minden (Westfalen)
1920: veranstaltete die in Bielefeld 1919 gegründete überregionale Künstlervereinigung „Der Wurf“ ihre erste Ausstellung, die wegen ihres Umfanges an drei verschiedenen Orten gezeigt werden musste: Im Kunstsalon Heinrich  BRINKMANN, in den Räumen der Tageszeitung „Volkswacht“ (Schulstrasse 20) und bei Otto Fischer, wo der Mitbegründer des „Wurf“, Hermann Freudenau (Bielefeld) und Otto Dix (Dresden) ihre Werke zeigten. „Die Tatsache dieser Ausstellung in einer Provinzstadt, die bisher völlig abseits von der modernen Bewegung stand, verdient allein schon hervorgehoben werden.“ (Der Cicerone. H. 20, 1920, S. 762)
1921 Aloys Wach, Berthold Müller (-Oerlinghausen), Jenny Müller-Wigmann
1922 Peter August Böckstiegel, Conrad Felixmüller, Jussuf Abbo
1926: Peter August Böckstiegel
1928 Laszlo Moholy-Nagy
1931: Kurt Kranz
1935: Georg Kolbe
1937: {Gerhard Marcks (Plastiken 1932-1937, Handzeichnungen, Lithographien)}

Verlag:
Im Verlag von Otto Fischer erschien, als publizistische Unterstützung seiner Arbeit, seit 1907 das „Bielefelder Kunstblatt“ (1908 in „Westfälisches Kunstblatt“ umbenannt). In Heft 1 vom September 1907 heisst es dazu programmatisch: „Wo immer in Bielefeld und in der weiteren Heimat Ideen hervortreten, die verdienten bekannt zu werden, wo etwas zur Pflege lebendiger Kunst geschieht, da will das ‚Bielefelder Kunstblatt’ ein Wächter und Berichterstatter sein.“
Mit dem 5. Heft (Februar 1909) des dritten Jahrganges stellte die engagierte regionale Kulturzeitschrift das Erscheinen ein.

Bemerkung:
Otto Fischer (1879-1927) gründet am 1. 10. 1901 eine Buchhandlung und begann 1902 Ausstellungen zu veranstalten. Die ersten Ausstellungen fanden allerdings ausserhalb der Buch- und Kunsthandlung statt: in den Theatersälen Remke (Ulmenstrasse 3) in der Kaselowsky-Villa (Coblenzer Strasse 1, heute Kunsthalle der Stadt Bielefeld) und in der alten Post. Dazu kamen von Fischer organisierte Ausstellungen ausserhalb Bielefelds wie beispielsweise in Herne, Minde und Münster. Zwischen 1902 und 1909 engagierte sich Fischer auch im Vorstand des „Kunstverein für Bielefeld und Umgebung“.
Sein Mitarbeiter und Mitstreiter in der Frühzeit war Dr. Franz Bock. Der 1876 in Herford geborene Kunsthistoriker war zu dieser Zeit Privatdozent an der Universität Marburg (später Professor in Posen und Berlin) und hielt regelmässig Vorträge in den Ausstellungen und verfasste begleitende Aufsätze (z. B. Westfälische Zeitung, Bielefelder Kunstblatt).
Nach Bock übernahm der spätere Leiter des „Städtischen Kunsthaus“, Dr. Heinrich Becker (1881-1972), diese Funktion: „In Otto Fischer fand ich den Mann, dem in seiner begeisterten künstlerischen Haltung beizuspringen mit ein unüberhörbarer Auftrag erschien.“
In der Sammlung von Otto Fischer befanden sich Werke von Karl Hagemeister und Carlos Grethe.
1944 werden das Haus und das Geschäftsarchiv durch Bomben zerstört. Nach 1945 wird der Kunsthandel am selben Platz wieder aufgenommen. Einige Künstler, die nach 1945 ausstellten: Hermann Poll, Wilhelm Heiner, Kurt Kranz, Charles Crodel, Edith von Leckwyck und Woldemar Winkler.

Nachweise:
Archiv:
Münster: Archiv des Westfälischen Kunstvereins
Literatur:
Bielefeld. Das Buch der Stadt.- Bielefeld 1926
Otto Fischer Buch- und Kunsthandlung. 50 Jahre Wirken für Buch u. Bild.- Bielefeld 1951
Heinrich Becker: Edvard Munch in Bielefeld.- Bielefeld 1962
Das Archiv des Westfälischen Kunstvereins und des Provinzialvereins für Wissenschaft und Kunst. Bearbeitet von Werner Frese.- Münster 1981
Dr. Heinrich Becker zum 100. Geburtstag.- Bielefeld 1981
Andreas Beaugrand (Hg.), Stadtbuch Bielefeld. Tradition und Fortschritt in der ostwestfälischen Metropole, Bielefeld 1996
Jutta Hülsewig-Johnen: Moderne Kunst in Bielefeld. Otto Fischer und Heinrich Becker.- in: Avantgarden in Westfalen? Die Moderne in der Provinz 1902-1933.- Münster 1999. S. 41-48