Resultate:  1

Dörbandts Kunsthandlung und Kunstsalon
  • © Berlinische Galerie / Wolfgang Wittrock
  • Repro: Berlinische Galerie
Transkription / Beschreibung
Weiterführende Links
Zugehörige Objekte
Weitere Abbildungen

DÖRBANDT
AUGUST DÖRBANDT
SALON DÖRBANDT
DÖRBANDTS KUNSTHANDLUNG UND KUNSTSALON

Adresse: BRAUNSCHWEIG, Herzogtum Braunschweig (Niedersachsen), Bohlweg 22/23 I
Inhaber: August Dörbandt
Bestand: 1900-(1934)
Charakteristik: Kunsthandlung
„August Dörbandt, gegenüber dem Residenzschloß. Monatlich wechselnd. Gemälde und Plastik. 9-7, S[onntag] 11-2, 50 Pf., Abonn. 3 M.“ (Jahrbuch der bildenden Kunst 1904, Sp. 88); „Ausstellung von Originalen der Malerei, Bildhauerei und Graphik. Eintrittsgeld: 50 Pf., Donnerstags 25 Pf., Jahreskarten 3 Mk., Familienangehörige je 1 Mk.“ (Dresslers Kunstjahrbuch 1907. S. 564)

Ausstellungen:
1905: Ephraim Moses Lilien
1906: Otto Ubbelohde, Hermann Ritzau; Künstlergruppe „Brücke“ (Gemälde, Pastelle, Zeichnungen und Radierungen von Fritz Bleyl, Erich Heckel, Ernst Ludwig Kirchner, Emil Nolde, Karl Schmidt-Rottluff)
1908: Ernst Ludwig Kirchner, Karl Schmidt-Rottluff
1909: Künstlergruppe „Brücke“ (Cuno Amiet, Erich Heckel, Ernst Ludwig Kirchner, Max Pechstein, Karl Schmidt-Rottluff und als Gäste Friedrich Ahlers-Hestermann, René Auberjonois, Walter Rosam und Fritz Friedrichs); Ephraim Moses Lilien

Bemerkung:
Die im Jahre 1900 von August Dörbandt (manchmal liest man auch fälschlich „Dörbrandt“) gegründete Kunsthandlung befand sich ursprünglich gegenüber dem Rathaus und übersiedelte später an die Adresse Bohlweg 22/23, gegenüber dem Residenzschloss. In den ersten Jahren fand die “Ständige Ausstellung des Künstler-Vereins im Salon Dörbandt“ statt (Jahrbuch der bildenden Kunst 1902, Sp. 282; Jahrbuch der bildenden Kunst 1903, Sp. 319).
Dörbandt bestritt seinen „Umsatz vor allem mit Einrahmungen und dem Verkauf von Grafik und Reproduktionen“ [und] zeigte schon in ganz frühen Jahren [… im] ‚Salon’ im ersten Stock Kunst, die für das Braunschweiger Publikum durchaus unüblich war: Grafik von Munch, Wanderausstellungen der Brücke-Maler.“ (Peter Lufft 1985, S. 22)
Von den etwa 70 Stationen der verschiedenen Serien von „Brücke“-Wanderausstellungen, die zwischen 1905 und 1911 organisiert wurden, fanden zahlreiche in Buch-, Kunst- und Kunstgewerbehandlungen statt. Über einige wenige dieser Kunsthandlungen konnten keine oder kaum relevante Informationen gefunden werden. Dazu gehört auch die Kunsthandlung „August Dörbandt“, wo eine der Ausstellungen im Juli 1906 Station machte (Verzeichnis der Ausstellungen 2001, S. 390, 393, 399).
Dörbandt ist der einzige Kunsthändler in kleinen Städten, der sich auch in der Folge für die Künstler engagierte: Zwischen 1907 und 1909 waren Ernst Ludwig Kirchner, Emil Nolde, Max Pechsetein Karl Schmidt-Rottluff regelmässig in Ausstellungen bei Dörbandt vertreten (Georg Reinhardt 1977/78, S. 166), im Januar 1908 stellten Ernst Ludwig Kirchner und Karl Schmidt-Rottluff aus und im Oktober 1909 folgte eine weitere Station einer Wanderausstellung.
Der Braunschweiger Sammler Arthur von Franquet (1854-1931), ein früher Sammler auch von Edvard Munch, erwarb bei der „Brücke-Ausstellung“ 1906 Werke von Karl Schmidt-Rottluff, „einen ganz jungen, ihm unbekannten Künstler, […] der ihn dann in den folgenden Jahren öfters besuchte, wenn er im Sommer von Dresden nach Dangast fuhr und mit einer Mappe bewaffnet, in Braunschweig Station machte, um seinen ‚Kunden’, Herrn Arthur von Franquet, zu besuchen.“ (Leopold Reidemeister 1988, S. 28)
Die Kunsthandlung Dörbandt ist noch in den Dreissigerjahren feststellbar, als der 1934 neu gegründete Braunschweiger Kunstverein „kleine Verkaufsausstellungen - präsentiert in einem Schaufenster der Kunsthandlung Dörbrandt [!], Langer Hof“ veranstaltete. (Deutsche Kunst 2000, S. 67)
Mitte der Zwanzigerjahre war noch der „Kunstsalon Simon“ in Braunschweig tätig, der sich in seinem „Programm“ als gegen die „Moderne“ eingestellt positionierte. Er versprach, „die richtige, die echte, die wahre, die hehre, die deutsche Kunst wiederzubringen“ (Walter Wilhelm: Ein Vormittag in Kunstausstellungen. I. Kunstsalon Simon.- in: Volksfreund. 16. 4. 1925) und präsentierte eine Ausstellung von Werken des Münchner Malers und Graphikers Ernst Liebermann (Max Liebermann 2008, S. 60, 62).

Nachweise:
Jahrbuch der bildenden Kunst 1902 (1903, 1904, 1906/07, 1907/08); Dressler 1907 (1908, 1909); Handbuch des Kunstmarktes 1926; Maecenas 1927; Maecenas 1930; Dressler 1930

Georg Reinhardt: Die frühe „Brücke“. Beiträge zur Geschichte und zum Werk der Dresdner Künstlergruppe „Brücke“ der Jahre 1905 bis 1908.- Brücke-Archiv. H. 9/10, 1977/78; zu Dörbandt S. 56-57
Leopold Reidemeister: Karl Schmidt-Rottluff und die Brücke in Braunschweig.- Braunschweig 1980
Peter Lufft: Das Gästebuch Otto Ralfs.- Braunschweig 1985
Leopold Reidemeister: Saatkörner, die nicht verwehen. Kindheit und Jugend im Herzogtum Braunschweig.- in: Brücke-Archiv. H. 15/16, 1988, S. 25-28
Deutsche Kunst 1933-1945 in Braunschweig. Kunst im Nationalsozialismus.- Hildesheim 2000
Verzeichnis der Ausstellungen und Publikationen der Künstlergruppe Brücke 1905-1911. Zusammengestellt von Mathias Wagner [u. a.].- in: Die Brücke in Dresden 1905-1911. Hrsg. v. Birgit Dalbajeva und Ulrich Bischoff.- Köln 2001. S. 389-406
Max Liebermann in Braunschweig. (Konzeption und Katalog Justus Lange).- München 2008
XXXXXXXXXXXXX