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Galerie Moos
  • © Berlinische Galerie / Wolfgang Wittrock
  • Repro: Berlinische Galerie
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MOOS
GESCHWISTER MOOS
GALERIE MOOS

Adresse: KARLSRUHE, Baden (Baden-Württemberg), Kaiserstrasse 96 (1917 umnummeriert auf Kaiserstrasse 187)
Inhaber: Friedrich, Iwan, Babette und Max Moos, später Friedrich und Iwan Moos
Bestand: Gründung 1902 als Kunstverlag, 1914-1936 als Kunsthandlung
Charakteristik: Galerie, Kunsthandlung, Verlag, Auktionen
„Ständige Gemälde-Ausstellung. Verlag von Original-Graphik“ (Anzeige in: Katalog der Ausstellung von Kunstwerken aus Karlsruher Privatbesitz.- Karlsruhe 1922)

Ausstellungen:
1914: Eröffnungsausstellung April/Mai: Karlsruher Künstler stellten 106 Ölgemälde, Radierungen und Zeichnungen aus (dabei u. a. Hermann Baumeister, Karl Theodor Boehme, E. von Buchor, Ludwig Dill, E. Dörr, Willi Egler, Eduard von Gebhart, Hermann Göhler, Albert Haueisen, Rudolf Hellwag, Wilhelm Hempfing, Gustav Kampmann, Hermann Kupferschmid, Erwin Pfefferle, Salomon Sigrist, Hanns Sprung, Hans Thoma, Georg Tyrahn, Paul Josef Wehrle und Wladimir Zabotin; Albert Haueisen; Karlsruher Künstler
1915: Adolf Rheinboldt; Albert Haueisen; Georg Schreyögg
1917: Wladimir Zabotin
1918: Walter Conz, Adolf Rheinboldt, August Gebhard, Willi Egler, Hans von Volkmann Wilhelm Hempfing, Julius Rehder, Jacob Bollschweiler; Erich Krause; Arthur Grimm; Adolf Luntz; August Gebhard; Gemeinschaftsausstellung Karlsruher Künstler (dabei erstmals Ludwig Katz)
1919: Rudolf Schlichter, Wladimir Zabotin; Künstlergruppe „Rih“ (Walter Becker, Oskar Fischer, Egon Itta, Rudolf Schlichter, Eugen Segewitz, Wladimir Zabotin)
1920: Süddeutsche Landschafter (dabei u. a. Adolf Schinnerer, Peter Trumm); Erich Krause; Graphikausstellung Karlsruher Künstler (im Rahmen der „Karlsruher Herbstwoche“)
1921: Wilhelm Schnarrenberger, Emil Bizer, Karl Friedrich Zähringer, Leo Kahn
1922: E. Riffel, Wilhelm Volz, Albert Haueisen; Wilhelm Schnarrenberger
1923: Vera Joho
1924: Ferdinand Hodler
1926: Künstlerbund Karlsruhe; Wilhelm Schnarrenberger, Karl Hubbuch
1930: Graphik von Liebermann und Albert Fessler

Verlag:
Der „Postkartenverlag Geschwister Moos, Karlsruhe“ (auf manchen Karten mit der Angabe Karlsruhe-Genf) und der Fotoverlag finden hier keine Darstellung. Im Ersten Weltkrieg erschien „Kriegsgraphik“, beispielsweise von Wilhelm Süs und Hans Thoma. Im Verlag der „Galerie Moos“ erschienen Radierungen von Hermann Kupferschmid, die 1922 in einem illustrierten Katalog angeboten wurden. (Der Kunstwanderer. Juli 1922, S. 507)

Bemerkung:
Die Geschwister Moos, Friedrich (1889-1942), Iwan (1881-1971), Babette (geb. 1876) und Max (1880-1976), gründeten 1902 einen Verlag, der vorwiegend Postkarten und Fotos herausbrachte. Max Moos gründete später eine eigene Kunsthandlung in Genf ( --> MOOS, Genf), Babette ehelichte Léon Bollag, der mit seinem Bruder Gustav einen Kunsthandel in Zürich betrieb (--> BOLLAG, Zürich).
Am Standort Kaiserstrasse 96 wurde am 16. April 1914 unter dem Namen „Galerie Moos“ eine Kunsthandlung eröffnet, „die nun neben dem Kunstverein eine zweite offizielle Ausstellungsmöglichkeit bietet. Das künstlerische Leben in der badischen Residenz hat hierdurch eine nicht unbedeutende Bereicherung erfahren. Die neue Galerie will in monatlich aufeinanderfolgenden Sonderausstellungen dem Publikum einen Überblick über die gegenwärtigen Strömungen des In- und Auslandes geben.“ (Der Cicerone. H. 9,1914, S. 341). Die Eröffnungsausstellung vereinigte die Karlsruher Künstlerschaft, angekündigte Ausstellungen sollten Albert Haueisen, Rudolf Hellwag und vor allem schweizerischen Künstler gewidmet werden. Der Hinweis auf die Schweizer Künstler darf als geplante Zusammenarbeit mit der Galerie --> BOLLAG in Zürich und --> MOOS in Genf gesehen werden.
1917 erfolgte die Umnummerierung der Kaiserstrasse, weshalb ab diesem Jahr die Geschäftsadresse Kaiserstrasse 187 lautete. Der erste Weltkrieg unterbrach die Aufbauarbeit, aber bereits im August 1918 konstatierte die überregionale Kunstpresse, dass sich die Galerie Moos „immer mehr zu einem Sammelpunkte wirklich moderner Kunst herausgestaltet hat“. (Kunst für alle. H. 21/22 v. August 1918, Anzeigenseite S. V)
Mit der Januar-Februar-Ausstellung 1919 von Rudolf Schlichter und Wladimir Zabotin begann in Karlsruhe eine heftige Diskussion für und wider die moderne Kunst. Sowohl seitens des Publikums als auch der Kunstkritik gab es heftigste Ablehnung (und nur wenig, zögerliche Anerkennung). (20er Jahre 2005, S.78-80) Zum besseren Verständnis veranstaltete daraufhin die Galerie Moos während der Ausstellung zwei Vorträge von Wilhelm Fraenger, Heidelberg. Diese Ausstellung war der Anstoss zur Gründung der Künstlergruppe „Rih“, wo sich um Scholz und Zabotin fünf weitere befreundete Künstler scharten. Auch diese Ausstellung, mit der die „Moderne“ in Karlsruhe nun endgültig ihren Einzug hielt, wurde im April 1919 bei Moos gezeigt und mit Vorträgen von Wilhelm Fraenger begleitet. (Kunst in Karlsruhe 1981, S. 50-62; Südwestdeutsche Kunst 1993, S. 51-52; Ludwig 1994, S. 60-66; 20er Jahre 2005, S. 80-83)
Das weitere Ausstellungsprogramm konzentrierte sich vorwiegend auf badische und süddeutsche Künstler.
In den Zwanzigerjahren begann Moos mit Kunstversteigerungen. Vor der 4. Auktion am 7./8. Dezember 1927 schaltete Moos eine Anzeige in der Antiquitäten-Zeitung (1. 11. 1927), wo „bevorzugt Gemälde badischer Künstler“ für die Übernahme gesucht wurden.
Im 1933 erschienenen „Internationales Adressbuch des Altkunst- und Antiquitätenhandels“
ist die Galerie Moos nur mehr mit dem Eintrag „Auktionen: Gemälde, Perser-Teppiche, Kunstgegenstände“ enthalten.
Über weitere Aktivitäten fehlen derzeit die Unterlagen. 1936 werden die Brüder Moos gezwungen, ihre Galerie zu verkaufen. Iwan Moos und seiner Frau Lina gelingt die Flucht in die Schweiz, Friedrich Moos und seine Frau Clara wurden am 22. Oktober 1940 in das Internierungslager Gurs (Frankreich) und am 17. August 1942 von Drancy nach Auschwitz deportiert.

{Ich habe von XXXXXXXXX einen Tipp bekommen, der Sie möglicherwweise auch
interessiert: Es gibt im Generallandesarchiv in Karlsruhe Akten über das Wiedergutmachungsverfahren von Iwan Moss, die man einsehen kann.
In diesen Akten stecken angeblich viele sachliche Informationen.
XXXXXXX schloss nicht aus, dass da auch der (Vor-) Name von v. Nessel auftauchen könne, hielt es aber andererseits auch wieder für unwahrscheinlich, weil die Nessel-Moos-Zusammenarbeit schon vor dem ersen Weltkrieg war.

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Mit nochmals bestem Dank für Ihre Hinweise, und freundlichen Grüßen
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Nachweise:
Dressler 1923; Handbuch des Kunstmarktes 1926; Maecenas 1927; Maecenas 1930
Adressbuch 1933

Kunst in Karlsruhe 1900-1950.- Karlsruhe 1981
Josef Werner: Hakenkreuz und Judenstern. Das Schicksal der Karlsruher Juden im Dritten Reich.- Karlsruhe 1988
Südwestdeutsche Kunst zwischen Tradition und Moderne 1914 bis 1945.- Sigmaringen 1993
Annette Ludwig: Wladimir von Zabotin 1884-1967.- Karlsruhe 1994
Die 20er Jahre in Karlsruhe.- Karlsruhe 2005