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Rheinischer Kunstsalon
  • © Berlinische Galerie / Wolfgang Wittrock
  • Repro: Berlinische Galerie
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RHEINISCHER KUNSTSALON

Adresse: KÖLN, Preussen/Rheinprovinz (Nordrhein-Westfalen), Hansaring 20
Inhaber: Otto Feldmann
Bestand: 1912-1914
Charakteristik: Kunstsalon, Galerie
„Der Rheinische Kunstsalon Hansaring 20 gestattet sich Ew. Hochwohlgeboren zum Besuch seiner Ausstellung ergebenst einzuladen. Werke von van Gogh, Cézanne, Courbet, Renoir, Braque, Dérain, van Dongen, Picasso, Vlaminck, W. Bondy, R. Levy, J. Pascin, H. Großmann“ (Anzeige in: Internationale Kunst-Ausstellung des Sonderbundes Westdeutscher Kunstfreunde und Künstler zu Cöln 1912. Anzeigenseite VI)

Ausstellungen:
1912: Gemälde von u. a. Walter Bondy, Georges Braque, Paul Cézanne, Gustave Courbet, André Derain, Kees van Dongen, Vincent van Gogh, Rudolf Großmann, Rudolf Levy, Jules Pascin, Pablo Picasso, Auguste Renoir, Maurice de Vlaminck; August Macke; Futuristen (Umberto Boccioni, Carlo Carrà, Luigi Russolo, Gino Severini); Pablo Picasso, André Derain, Werner Heuser; Jules Pascin
1913: Pablo Picasso; Rheinische Expressionisten; Jules Pascin
1914: Erich Heckel

Bemerkung:
„Seit kurzem hat Köln im ‚Rheinischen Kunstsalon’ des Herrn Otto Feldmann einen Ersatz [für den vor der Schliessung stehenden Kunstsalon  SCHULTE] und man muß sagen, daß der vielseitige Inhaber, den die Leser dieser Zeitschrift auch als Schriftsteller kennen gelernt haben, es versteht, anregende und stets intime Ausstellungen zu arrangieren.“ (Kunstchronik. Nr. 7 v. 15. November 1912, Sp. 97 f.)
Über Otto Feldmann, dessen Lebensdaten nicht bekannt sind, gibt es nur ganz wenige überlieferte Informationen. Er war Maler, Karikaturist, Kunstschriftsteller und schließlich Kunsthändler in Köln und Berlin. Als Maler ist Otto Feldmann 1907 in München genannt (Internationales Adressbuch 1907, S. 108), zwischen 1908 und 1913 sind eine Reihe von Ausstellungsbeteiligungen nachzuweisen: 1906 in Berlin (Große Kunstausstellung), 1908 und 1911 bei der „Vereinigung Kölner Künstler“, 1911 bei der Berliner Sezession, 1913 bei der „Kölner Sezession“ im Kunstverein und bei der bei -> COHEN in Bonn veranstalteten Ausstellung „Rheinische Expressionisten“. Einige wenige Werke des Künstlers sind im Museum Ludwig in Köln und im Kunstmuseum Bonn überliefert.
Feldmann war einer der zahlreichen bildenden Künstler, die sich auch als Kunsthändler etablierten. Beispiele sind Guido -> ARNOT in Wien, Willi Baumeister in Stuttgart -> NEUER KUNSTSALON AM NECKARTOR, Arthur Cechini in Berlin -> KUNSTSALON RIBERA, Richard -> HAIZMANN in Hamburg, Georg -> HINRICHSEN und Victor -> RHEINS in Berlin.
Feldmann eröffnete seine Galerie im Februar 1912 unter dem Namen „Rheinischer Kunstsalon“ am Hansaring 20 mit Werken von u. a. Paul Cézanne, Gustave Courbet, Paul Gauguin, Edouard Manet und Jules Pascin (Rheinische Zeitung. 15. 2. 1912; Kölner Stadt-Anzeiger. 18. 2. 1912).
Durch seine Paris-Aufenthalte hatte er - wohl durch den deutschen Künstlerkreis um das „Café Dôme‎“ - zahlreiche Kontakte nicht nur zu den dort verkehrenden Künstlern (von denen er beispielsweise 1912 Walter Bondy, Rudolf Levy, Jules Pascin und Rudolf Großmann ausstellte), sondern auch zu dem Sammler Alfred Flechtheim, den er bereits 1911 in einer Zeichnung portraitierte (Abb. in: August Macke 2002, S. 185) und zu dem Kunsthändler Daniel Henry Kahnweiler, der von Paris aus zahlreiche Leihgaben an deutsche Kunsthändler versandte. 1912 beispielsweise sind Werke von Georges Braque, André Derain, Kees van Dongen, Manolo, Pablo Picasso und Maurice de Vlaminck als Kahnweiler-Leihgaben bei Feldmann ausgestellt (Daniel-Henry Kahnweiler 1986, S. 113), und auch in der Folge war Kahnweiler für Ausstellungen (beispielsweise die Picasso-Derain-Ausstellung 1913) Mitorganisator. Die von Feldmann gezeigten Künstler und Ausstellungen sehen aus wie eine frühe Form, wie sie Alfred -> FLECHTHEIM ab Dezember 1913 in seiner Düsseldorfer Galerie ganz ähnlich verwirklichen sollte.
Während der vom April bis November 1912 währenden „Sonderbundausstellung“ (Internationale Kunst-Ausstellung des Sonderbundes Westdeutscher Kunstfreunde und Künstler zu Cöln 1912) stellte Otto Feldmann eine Reihe von Werken von Künstlern aus, die auch auf dieser Ausstellung vertreten waren. Dabei u. a. Vincent van Gogh, Paul Cézanne, Gustave Courbet, Auguste Renoir, Georges Braque, André Derain, Kees van Dongen und Pablo Picasso (Anzeige in: Internationale Kunst-Ausstellung des Sonderbundes Westdeutscher Kunstfreunde und Künstler zu Cöln 1912. Anzeigenseite VI).
Im Oktober 1912 wurde Köln erstmals mit dem Futurismus konfrontiert (Magdalena M. Moeller 1986), was nicht nur heftige Reaktionen der Presse provozierte, sondern auch die Beschwerde eines Gemeinderatsmitgliedes (Max Ernst in Köln 1980, S. 21). Die Ausstellung war vorher in Herwarth Waldens Berliner Galerie  DER STURM zu sehen, und Walden selbst, wie auch die beiden Künstler August Macke und Franz Marc beteiligten sich an der Hängung der Ausstellung (Die Rheinischen Expressionisten 1993, S. 107).
März/April 1913 wurde eine vorher in der Wiener Galerie  MIETHKE gezeigte Picasso-Ausstellung in Köln präsentiert (die dann im Dezember 1913 in Feldmanns Berliner Kunsthandlung  NEUE GALERIE gezeigt wurde). Bei Feldmann stellte auch gleichzeitig
André Derain und Werner Heuser aus. Im Herbst 1913 zeigte Feldmann „Rheinische Expressionisten“, die zuvor erstmals in der Bonner Galerie  COHEN gezeigt wurde. Da zu dieser Ausstellung (die 1914 auch in Feldmanns Berliner  NEUE GALERIE gezeigt wurde) kein Katalog vorliegt, ist die etwas geänderte Zusammenstellung derzeit nicht bekannt, es darf aber angenommen werden, dass dieselben Künstler wie in Bonn vertreten waren (Heinrich Campendonk, Ernst Moritz Engert, Max Ernst, Otto Feldmann, Franz Henseler, Franz Jansen, Josef Kölschbach, August Macke, Helmuth Macke, Carlo Mense, Heinrich Nauen, Marie [von Machalowski-]Nauen, Olga Oppenheimer, Paul Adolf Seehaus, William Straube, Hanns Thuar).
Max Ernst, der mit dem Organisator der Ausstellung, August Macke, bekannt war, lernte durch ihn im Rheinischen Kunstsalon Hans Arp kennen, mit dem ihn dann in der Folge eine lebenslange Freundschaft verband (Max Ernst 1962, S. 24).
Anfang 1914 wurde Erich Heckel mit einer grösseren Ausstellung in Köln präsentiert: Ingesamt 64 Werke, davon 19 Ölbilder. Diese Ausstellung wurde in der Literatur bisher immer 1913 datiert, fand aber im Januar 1914 statt. Belege dafür sind beispielsweise zwei Rezensionen des aus Köln berichtenden Heinrich Willemsen: „Der Rheinische Kunstsalon vermittelte gleichzeitig die erfreuliche Bekanntschaft mit dem Berliner Erich Heckel durch eine größere Auswahl seiner Werke.“ (Die Kunst. H. 6 v. März 1914, Anzeigenseite S. VII). Etwas ausführlicher seine Kritik im „Cicerone“: „Im Rheinischen Kunstsalon fordert der junge Berliner Erich Heckel nachdrücklich Beachtung. Es ist in den 19 Ölbildern, die gezeigt werden, interessant zu beobachten, wie eine kräftige Individualität fremde Anregungen gleichsam verschlingt und aus ihnen heraus seine Ausdrucksmöglichkeiten steigert. Sichere Abstraktion aus der Vielfalt der Erscheinungen zu wenigen unverrückbare Formen und Linien, eine niemals bunte Farbigkeit von unglaublicher Kraft und eine Innerlichkeit, der Melancholie in den tiefsten Momenten nicht fernsteht, heben Heckel aus der Menge der Mitstreitenden als eine starke Hoffnung heraus.“ (Der Cicerone. H. 3 v. Februar 1914, S. 95) Heinrich Stinnes (1867-1932), der wohl bedeutendste Graphiksammler seiner Zeit, erwarb bei dieser Ausstellung die Pinselzeichnung „Bildnis eines bärtigen Mannes“ (Villa Grisebach Auktionen. Auktion 51, 1996, Nr. 338). Weitere Verkäufe der Galerie sind an das Wallraf-Richartz-Museum bekannt. Das Museum erwarb 1913 je zwei Aquarelle von Jules Pascin und dessen späterer Ehefrau Hermine-Lionette David (100 Arbeiten 1986, S. A 10, A 39). Dasselbe Museum nennt Feldmann auch als einen seiner Stifter (Hans F. Secker 1927, S. 130).
Wenig später dürfte die Galerie geschlossen worden sein, denn bereits im Februar 1914 lesen wir in der Kunstchronik: „Dieser Salon hat auch nicht in Köln die Sympathien gefunden, auf die er vielleicht gerechnet hatte“ (Kunstchronik. Nr. 23 v. 27. Februar 1914, Sp. 345).
Zu diesem Zeitpunkt hatte sich Otto Feldmann aber bereits ein zweites Standbein mit der im Oktober 1913 in Berlin eröffneten Kunsthandlung -> NEUE GALERIE geschaffen, wo er ein ganz ähnliches Programm vertrat, wie in seiner Kölner Galerie.

Nachweise:
Internationales Adressbuch von Bildenden Künstlern. Jahrgang 1907. Hrsg. v. Gerhard Klement.- Wien 1907
Internationale Kunst-Ausstellung des Sonderbundes Westdeutscher Kunstfreunde und Künstler zu Cöln 1912
Hans F. Secker: Die Galerie der Neuzeit im Museum Wallraf-Richartz. Hrsg. v. der Wallraf-Richartz-Gesellschaft in Köln.- Leipzig 1927
Max Ernst.- Köln: Wallraf Richartz Museum 1962
Vom Dadamax zum Grüngürtel. Köln in den 20er Jahren.- Kölnischer Kunstverein 1975
Max Erst in Köln. Die rheinische Kunstszene bis 1922.- Kölnischer Kunstverein 1980
Die Rheinischen Expressionisten. August Macke und seine Malerfreunde.- Recklinghausen 1980
100 Arbeiten auf Papier aus der Graphischen Sammlung des Museums Ludwig Köln mit Bestandsverzeichnis der Zeichnungen.- Köln 1986
Daniel-Henry Kahnweiler. Kunsthändler, Verleger, Schriftsteller.- Stuttgart 1986
Magdalena M. Moeller: Futuristen im Rheinischen Kunstsalon.- in: Köln. Nr. 1, 1986, S. 38-41
Die Rheinischen Expressionisten 1913. Der Schock der Moderne in Bonn. Hrsg. v. Verein August Macke Haus.- Bonn 1993
August Macke und die Rheinischen Expressionisten. Werke aus dem Kunstmuseum Bonn und anderen Sammlungen. Hrsg. v. Magdalena M. Moeller.- Berlin 2002