Resultate:  1

Galerie Del Vecchio
  • © Berlinische Galerie / Wolfgang Wittrock
  • Repro: Berlinische Galerie
Transkription / Beschreibung
Weiterführende Links
Zugehörige Objekte
Weitere Abbildungen

DEL VECCHIO
PIETRO DEL VECCHIO
GALERIE DEL VECCHIO

Adresse: LEIPZIG, Sachsen, Markt 9/10 (bis 1900); Markgrafenstrasse 1 (1900-1943)
Inhaber: Andreas Fischer, ab 1904 Andreas Fischer-Thorer (1900-1953)
Bestand: 1799-1953
Charakteristik: Kunsthandlung, Kunstverlag, Auktionen, Rahmenhandlung
„Pietro Del Vecchio, Leipzig, Markgrafenstraße. Gegr. 1799. Inhaber: Andreas Fischer-Thorer. Unternehmensgebiet: Kunsthandlung, Ausstellung für Kunst aller Art und Zeit, Spezialität: Moderne Einrahmungen.“ (Dresslers Kunstjahrbuch 1907, S. 567);
„Galerie Del Vecchio, gegr. 1799 (Inh. Andreas Fischer-Thorer, Kgl. Hofkunsthändler). Ständige Ausstellung für Kunst aller Art und Zeit […] Vier große Ausstellungssäle, Graphisches Kabinett, Lese- und Schreibsaal […]“ {(Allgemeiner Kunst-Ausstellungs-Kalender. Jg. 33, 1911, S. 157);} „Galerie Del Vecchio (Inh.: Andreas Fischer-Thorer, Kgl. Hofkunsthändler) Gegründet 1799 Leipzig kauft und übernimmt zur Versteigerung ganze Sammlungen, sowie Einzel-Werke unter günstigen Bedingungen. Telegramm: Delvecchio Telephon: 511“ (Anzeige in: Kunstchronik und Kunstmarkt. Nr. 34 v. 23. 5. 1913, S. 295; Der Kunstmarkt. Nr. 36 v. 6. 6. 1913, S. 311; Internationale Sammler-Zeitung. Nr. 14 v. 15. 7. 1913, Umschlagseite 2; Der Kunstmarkt. Nr. 4 v. 17. 10. 1913, S. 34)

Ausstellungen:
1903: Hobbe Smith
1906: Carel Nicolaas Storm van 's-Gravensande (Marine-Radierungen); Werke von u. a. Carl O’Lynch of Town, Charles J. Palmié, Rudolf Poeschmann, M. Vollbehr-Gaffrau; Carl Ernst Morgenstern, Paul Weimann; Ludwig von Hofmann (Mappe „Tänze“)
1907: Kurt Haase; „Werke russischer Meister“ (dabei u. a. Abram Efimovic Archipoff, Konstantin Juljewitsch Klever, Isaak Iljitsch Levitan, Ilja Jefimowitsch Repin, Pjotr Petrowitsch Wereschtschagin)
1908: Gyula Tornai
1910: Hobbe Smith; Gustav Kampmann (Gemälde), Wilhelm von Scharfenberg (Plastik), Otto Goetze, Franz Hecker, Fritz Krostewitz, Max Liebermann, Georg Bernhard Müller vom Siel,
Hans Olde (Graphik)
1911: Künstlergruppe „Brücke“ (Gemälde und Graphik von Cuno Amiet, Erich Heckel, Ernst Ludwig Kirchner, Otto Mueller, Max Pechstein, Karl Schmidt-Rottluff); „Waidmannsheil“ (Jagdbilder); Leo Rauth; Katherine S. Dreier
1913: Leo Rauth (Nachlass); Georg von Hoeßlin (Gemälde); Franz Xaver Hoch, Friedrich Kallmorgen, Hans Licht (Gemälde); Paul Ehrenberg, Fritz Mühlbrecht, Marie Orthaus, Jenny Schweminski, Willy Tiedjen (Gemälde), Rudolf Dürrwang, Hermann Pampel, Anton Scheuritzel, Joseph Uhl (Graphik); Gottardo Segantini (Gemälde, Radierungen); Elfriede Jungk
Hans Klohß, Erich Thum [d. i. Elfriede Lauckner] (Gemälde), Mathilde von Freytag-Loringhoven, Gertrud Koerner (Graphik); „Erzgebirgischer Künstlerbund“; Elmar von Eschwege (Gemälde), Lilli Gödl-Brandhuber (Gemälde, Graphik); Herbstausstellung (dabei Gemälde von
u. a. Friedrich Wilhelm Bülow von Dennewitz, Egon Hofmann-Linz, Heinrich Hübner, Paul Lumnitzer, Hugo Müller-Mohr, Klara Werner, Oskar Ziegenfuß; Graphik von u. a. Paul Hermann, Magda von Lerch)
1914: Die Futuristen; Friedrich Fehr, Karl Leopold Voss, Evarist Adam Weber (Gemälde), Louis Moe, Joseph Penell, Robert F. K. Scholtz, Heinrich Vogeler (Graphik); Emanuel Bachrach-Barée, Herman Heyenbrock, Léon Riket (Gemälde); Franz Frankl, Franz Hochmann, Eugen Segewitz, Hermann Terstegen (Gemälde), Georges Gobo, Ferdinand Michl (Graphik)
1916: „Deutsche Expressionisten“
1917: Nikola Michailow
1919: Richard Müller; Frank Brangwyn, Guido Stella (Graphik)
1920: „Sammlung von Werken erster moderner Meister“; Paul Weimann; Albert Spethmann; „Münchner Künstlergenossenschaft“ (dabei u. a. Max Landschreiber; Alexander Weise); Graphik von u. a. Otto Greiner, Max Klinger, Käthe Kollwitz, Max Liebermann, Hans Meid, Adolf Menzel, Franz von Stuck
1921: Leonhard Sandrock; Carl Rodeck (aus dem Nachlass); Hans Niggemann; Albin Enders; Margarete Simrock-Michael; Josef Uhl (Graphik); Rudolf Schiestl (Graphik)
1924: Adolf Frey-Moock
1925: Maximilian Schultze-Bertallo, Heinrich Oeltjen, Erwin Knirr (Gemälde); Ferdinand Dorsch; Franz Frankl, Harald Tillberg
1926: Otto Pippel
1927: Rudolf Treumann, Colombo [Columbus Josef] Max, Otto Pippel; Luis Neu; Paul Sollmann (Bilder aus Spanien)
1928: Abel Pann; Emanuel Bachrach-Barée (Gemälde aus Sowjetrussland); Hermann Gradl (Rheinlandschaften)
1929: Karl Schlageter; Karl Felder, Maria Pfeiffer-Urspruch
1931: Max Schnabel (Flandern-Reise); Willy Kriegel
1932: „Geheimnisse der Inspiration“
1934: Nikola Michailow (Bildnisse)

Verlag:
Neben den im Verlag erschienenen Reproduktionen nach Kunstwerken in den verschiedensten Reproduktionstechniken übernahm Andreas Fischer-Thorer gelegentlich auch Originaldruckgraphik für seine Kunsthandlung: Beispielsweise 1914 Radierungen des Münchner Graphikers und Schülers von Peter Halm, Heinrich Haberl, die der Künstler bisher im Eigenverlag herausgegegeben hatte. 1918 übernahm der Kunsthändler 62 Originalgraphiken von Max Brüning, der als Radierer Schüler von Alois Kolb an der Leipziger Akademie war.
Heinrich Haberl: 18 Original-Radierungen, 1914 (dabei u. a. Abend in Holland; Einsame Birken; Gewitterwolke; Im Isartal; Am Kanal; Venedig; Märzschnee)
Max Brüning: 59 Radierungen, 3 Lithographien, 1918 (dabei u. a. Am Spiegel; Sehnsucht; Französin im Boudoir; Zigeunermädchen; Siesta; Tennisgirl; Wienerin; Theater; Tanzpause; Faschingstraum und zahlreiche radierte Exlibris)

Bemerkung:
Pietro Del Vecchio (1768-1829) gründete seine „Kunst- und kurze Waarenhandlung“ 1799 in Leipzig. Von 1829-1900 waren Mitglieder der Familie Süssmilch die Inhaber. Neben dem Kunsthandel bestand eine „Bilderrahmen- und Goldleistenfabrik“ und eine „permanente Kunstausstellung“ (Karsten Hommel 2004, wo die Geschichte der Kunsthandlung im 19. Jahrhundert ausführlich dargestellt ist).
Das neue Jahrhundert brachte auch einen neuen Besitzer: Seit dem 1. August 1900 (nach anderer Quelle seit 1. Oktober 1900) war der 1873 in Oldenburg geborene Andreas Johann Fischer, der sich nach seiner Heirat mit Gertrud Thorer im Jahre 1904 Fischer-Thorer nannte und der bereits seit 1899 als Prokurist bei Del Vecchio tätig war, Inhaber der Kunsthandlung, die er
vom Markt 9/10 in die Markgrafenstrasse 1 verlegte, wo er „neue, den modernsten Ansprüchen genügende Räume, und zwar 7 große Ausstellungssäle mit Graphischem Kabinett und Lesezimmer schuf.“ (Reichshandbuch 1931, S. 449) Bereits früher erwähnt werden „Oberlicht und Nordlichtsäle“ {Allgemeiner Kunst-Ausstellungs-Kalender. Jg. 33, 1911, S. 149) sowie} „Vier große Ausstellungssäle, Graphisches Kabinett, Lese- und Schreibsaal“ ({Allgemeiner Kunst-Ausstellungs-Kalender. Jg. 33, 1911, S. 157).}
Zur Eröffnung der neuen Räume auf zwei Etagen erschien eine Werbeschrift, deren Titel den
Umfang und die Ausrichtung signalisierte: „Kunsthandlung und ständige Ausstellung für Kunst aller Art und Zeit“ (Pietro Del Vecchio 1900). Ein Musterzimmer für Einrahmungen aller Art wurde eingerichtet und das Kunstgewerbe wurde „in grösserem Maßstabe“ angeboten. Dazu kam die Ankündigung, „periodisch separate Colletiv-Ausstellungen“ zu veranstalten.
1912 erweiterte Fischer-Thorer sein Geschäftsgebiet und begann, Auktionen zu veranstalten. Bis 1914 sind derzeit vier Auktionen nachzuweisen.
„Am 12. 6. 1913 verlieh der König von Sachsen F[ischer-Thorer] den Titel Hofkunsthändler, nachdem das Geschäft bereits seit 1881 den unpersönlichen Titel Hofkunsthandlung hatte führen dürfen.“ (Reichshandbuch 1931, S. 449)
Einige zeitgenössische Stimmen zur Charakterisierung des Angebots der Kunsthandlung seien hier wiedergegeben: Über die Neunziger Jahre des 19. Jahrhunderts schrieb Georg Witkowski: „Leipzig war gewiß keine Kunststadt zu nennen und ist es bis jetzt noch nicht geworden […] Was der Kunsthändler Del Vecchio am Markt zeigte, war immer nur billige Dutzendware, und solche wackre heimische Künstler wie der Aquarellist [Carl Friedrich Heinrich] Werner befriedigten nur das Bedürfnis nach gefälligen Bildern historischer Gebäude und anmutiger Landschaften.“ (Georg Witkowski 2003, S. 335) Aus dem ersten Jahrzehnt des 20. Jahrhunderts: „Bei Del Vecchio sieht es leider immer etwas bunt aus“ (Die Kunst für alle. H. 20 v. 15. 7. 1906, S. 478) und in den Zwanzigerjahren prägte Erich Kästner als Gegenstück zur „Unterhaltungsliteratur“ den Begriff der „Unterhaltungskunst“ und meinte, es wäre „ungerecht, sie abzulehnen, da sie einem gesellschaftlichen, wenn auch keinem künstlerischen Zweck vollauf genügen. Es sind Bilder, die den Zuschauer unterhalten sollen. Das Sujet ist wichtig; Farbe und Komposition brauchen nichts weiter als delikat und ansprechend zu sein.“ Kästner wandte den Begriff auf die bei Del Vecchio ausgestellten Werke an und schrieb: „Es gehört zum Verdienst und es ist das Bestreben der Galerie Del Vecchio, daß sie qualitätsvolle ‚Unterhaltungskunst’ ausstellt.“ (Erich Kästner: Galerie Del Vecchio.- in: Neue Leipziger Zeitung. 27. 10. 1925; abgedruckt in: Erich Kästner 1989, S. 53-54) Anlässlich des Jubiläums des 130jährigen Bestandes beschrieb der seit 1908 für die Leipziger Neueste Nachrichten tätige Egbert Delpy, der auch 1912 für einen Auktionskatalog von Del Vecchio ein Vorwort verfasste, das Geschäftsprinzip der Kunsthandlung als „geschickt zwischen alter und neuer Kunst durchsteuernd, am liebsten doch bewährten Meistern dienend“ (Egbert Delpy: 130 Jahre Galerie Vecchio.- in: Leipziger Neueste Nachrichten. 1. 10. 1929). Weniger elegant hat es der Maler Max Schwimmer anlässlich des Jubiläums ausgedrückt, als er - ausgehend von der 1914 veranstalteten Futurismus-Ausstellung - schrieb: „Diese Ausstellung war eigentlich die letzte bemerkenswerte Ausstellung der Galerie Del Vecchio. Was sich danach tat und was sich bis heute noch tut ist im Grunde elend langweilig und ohne jede Bedeutung. Die übelsten Vertreter der Münchner Geschäftelhubermalerei geben sich ein Stelldichein; süßliche Kätzchenmaler, Bierdeckelporträtisten, Dirndl- und Buammaler, Stimmungsakrobaten und Rettichpinsler servieren ihre geleckten und characterlosen Malereien. Alles so Bilderchen, die sich Frau Studienrat Knulch über das behäkelte Sofa wünscht, die der kaisertreue und bierfeste Butterhändler William Prost für die einzige diskutable Kunstäußerungen überhaupt gelten läßt.“ (Leipziger Ausstellungen.- in: Leipziger Volkszeitung. 19. 9. 1929, gez.: M. S., zit. nach Karsten Hommel 2004, S. 109)
Zu dem so beschriebenen konservativen Angebot der Galerie gehörten auch die „Kunstdrucke“, die in den verschiedensten Reproduktionstechniken Werke bekannter Maler kostengünstig als Wandschmuck angeboten wurden. Dazu sind zwei undatierte Angebotskataloge nachweisbar: „Katalog über Wandschmuck. Verkaufskatalog von Pietro Del Vecchio, Königl. Hofkunsthändler, Leipzig“ (32 Seiten) und der mehr als 300 Seiten starke Katalog unter dem
Titel „Unser Heim im Schmuck der Kunst. Ein zuverlässiger Wegweiser bei der Auswahl eines Kunstblattes. Pietro Del Vecchio, Königl. Hofkunsthändler, Leipzig“.
Über Verkäufe an Sammler oder Museen sind keine Informationen bekannt, jedoch ist eine Verkaufsmeldung überliefert: Bei der Ausstellung 1926 des in München tätigen Landschafts- und Interieurmalers Otto Pippel, er stellte auch in München bei -> BRAKL, in Stuttgart bei -> HIRRLINGER und in Frankfurt bei -> GOLDSCHMIDT aus, „gingen nicht weniger als 16 Werke in Privatbesitz über“ (Antiquitäten Rundschau. Nr. 5, 1927, S. 74).
Wie die Kunsthandlung selbst zur „Moderne“ stand, ist nicht nur aus den derzeit belegbaren Ausstellungen abzulesen, sondern auch aus den Vorworten zu den Auktionskatalogen: Da wird die Sammlung Richard Buz charakterisiert, „daß hierbei der Sammler sich nicht auf bestimmte extreme Sonderbestrebungen der Moderne kapriziert hat, sondern jenseits von Partei und ‚ismus’ dem Guten nachgegangen ist, wo er es fand.“ (Auktion 22. 10. 1912) Zur Auktion der Sammlung Willy Francke und anderer Provenienz heisst es: „Extreme sind ausgeschaltet. Nur solche Werke fanden Aufnahme, die ein künstlerisch erbauender Geist adelt. Bilder, die Rätsel aufgeben, wird man vergebens suchen.“ (Auktion 18. 3. 1913) und im Vorwort zur Auktion am 14. 10. 1913 lesen wir: „Abirrungen vom guten Geschmack [… und] Extravaganzen, die sich gewisse Experimenteure auf dem Gebiet der Malerei geleistet haben, indem sie um jeden Preis Absonderliches herstellen finden keinen Platz“ und zur Auktion vom 25. 3. 1914: „Es ist schwer eine Kunst anzuerkennen, die ohnmächtig mit Ausdrucksproblemen ringt, oder durch die Stoffwahl, durch Manier der Ausführung, Verachtung technischer Fertigkeit u. s. w. unsere Sympathie erstickt. Welchem Mäzen kann ernstlich ein Vorwurf gemacht werden, wenn er nur das sinnenerfreuende Angenehme, das harmonisch Wohllautende […] in seine Sammlung aufnimmt, die ihm doch zur Erbauung dienen soll.“
Dass Del Vecchio aber nicht nur konservative Kunst präsentierte, belegen einige wenige Kollektionen, die allerdings als „Wanderausstellungen“ nicht von der Kunsthandlung selbst organisiert wurden, sondern denen Fischer-Thorer lediglich seine Geschäftsräume zur Verfügung stellte. Neben einer vom Vorgänger Fischer-Thorers 1894 veranstalteten Edvard Munch-Ausstellung (Jan Kneher 1994, S. 54-55) waren dies eine der Wanderausstellungen der Künstlergruppe „Brücke“ im Januar 1911 mit Werken von Cuno Amiet, Erich Heckel, Ernst Ludwig Kirchner, Otto Mueller, Max Pechstein und Karl Schmidt-Rottluff (Verzeichnis der Ausstellungen 2001, S. 403). Zur Beruhigung der üblichen Besucher der Kunsthandlung waren im Anschluss an diese Ausstellung unter dem Titel „Waidmannsheil“ Jagdbilder zu sehen.
1914 machte die durch Europa tourende Ausstellung „Die Futuristen“ Station bei Del Vecchio und liess, wie auch auf den anderen Stationen, die Besucher ratlos zurück. Noch 15 Jahre später erinnerte sich der Maler Max Schwimmer daran, als er 1929 schrieb: „Die Ausstellung erregte damals das ganze künstlerische Leipzig. Die Diskussionen wollten kein Ende nehmen, die Kunstbürger wackelten mit den leeren Köpfen und prophezeiten den Untergang des Geschmacks.“ (Leipziger Ausstellungen.- in: Leipziger Volkszeitung. 19. 9. 1929, gez.: M. S.)
1916 wurde eine von der Dresdner Kunsthandlung -> ARNOLD organisierte Ausstellung unter dem Titel „Deutsche Expressionisten“ in Leipzig gezeigt. „Ein bunt zusammengewürfeltes Häuflein Allerjüngster hat seinen Wigwam aufgeschlagen und vollführt seine gliederverrenkenden Tänze um den Götzen ‚Neue Kunst’ […] Sammelsurium von imitierter Kindlichkeit, Wildheit, Verrücktheit […] Weitaus die meisten Dinge dieser Ausstellung sind kaltherzig ausgeklügelte Imitationen futuristischer und kubistischer Rezepte, die wir vor Jahren bereits aus erster Hand (an gleicher Stelle!) sahen.“ (Egbert Delpy: Jahrmarkt.- in: Leipziger Neueste Nachrichten. 2. 11. 1916)
Erwähnenswert ist noch die Ausstellung von Katherine S. Dreier. Diese amerikanische Malerin, einer Bremer Auswandererfamilie entstammend, organisierte bei ihrem Deutschlandaufenthalt 1911 und 1912 eine Ausstellungsserie ihrer Arbeiten, die beispielsweise bei -> BANGEL in Frankfurt am Main und im September/Oktober 1911 bei Del Vecchio Station machte. Ihre grösste Bedeutung erhielt Dreier aber nicht als Malerin, sondern als Vermittlerin moderner Kunst (Societé Anonyme, New York) und als Schöpferin einer der bedeutendsten Sammlungen der europäischen Moderne in den USA (The Societé Anonyme 1984).
Vereinzelt sind - nach den bisher festgestellten Ausstellungen - auch lose Bindungen einzelner Künstler an die Galerie nachweisbar: So stellte beispielsweise der niederländische Maler und Radierer Hobbe Smith 1903 und 1920 aus, dem Leipziger Maler und Graphiker Leo Rauth wurde nach einer 1911 ausgerichteten Personale 1913 auch eine Nachlassausstellung gewidmet, der aus Schlesien gebürtige und in München wirkende Maler Emanuel Bachrach-Barée stellte 1914 und 1928 aus und der aus Bulgarien stammende Maler Nikola Michailow, der bereits 1917 bei Del Vecchio ausstellte, zeigte 1934 etwa 20 Bildnisse, darunter auch das Portrait von Magda Goebbels. Diese Ausstellung wurde anschliessend auch bei -> GERSTENBERGER in Chemnitz gezeigt.
Neben durchaus bekannten Künstlern, die bei Del Vecchio zu finden waren, stehen auch andere, die man in den Nachschlagewerken vergeblich sucht wie beispielsweise die in Düsseldorf wirkende Malerin Maria Pfeiffer-Urspruch (Ausstellung 1929, im selben Jahr auch bei -> BANGER, Wiesbaden) oder der Dresdner Maler und Graphiker Oskar Ziegenfuß (Ausstellung 1913), Schüler von Richard Müller (der 1919 ausstellte).
Ungeachtet der gelegentlich gezeigten Ausstellungen von moderner, zeitgenössischer Kunst blieb das Angebot der Galerie Del Vecchio dem bürgerlichen Zeitgeschmack verpflichtet.
Bei der Bombardierung Leipzigs am 4. Dezember 1943 wurde die Kunsthandlung vollkommen zerstört, an der Adresse Thorerstrasse 7 (Deutsches Kunstadressbuch 1950, S. 171) bestand sie bis 1953, ehe sie endgültig geschlossen wurde.

Nachweise:
Adressbuch des Deutschen Buchhandels, Müller, Adressbuch des Deutschen Buchhandels und verwandter Berufszweige; Jahrbuch der bildenden Kunst 1902, 1904; Seelig 1903; Dressler 1906, 1907, 1908, 1909; Pantheon 1914; Dressler 1923; Pantheon 1926; Handbuch des Kunstmarktes 1926; Maecenas 1927

Pietro Del Vecchio, Leipzig, Kunsthandlung und ständige Ausstellung für Kunst aller Art und Zeit.- Leipzig 1900
Reichshandbuch der Deutschen Gesellschaft. Das Handbuch der Persönlichkeiten in Wort und Bild.- Berlin 1931
The Societé Anonyme and the Dreier Bequest at Yale University. A Catalogue Raisonné.- New Haven 1984
Erich Kästner: Gemischte Gefühle. Literarische Publizistik aus der „Neuen Leipziger Zeitung“ 1923-1933.- Berlin 1989
Jan Kneher: Edvard Munch in seinen Ausstellungen zwischen 1892 und 1912. Eine Dokumentation der Ausstellungen und Studien zur Rezeptionsgeschichte von Munchs Kunst.- Worms 1994
Verzeichnis der Ausstellungen und Publikationen der Künstlergruppe Brücke 1905-1911. Zusammengestellt von Mathias Wagner [u. a.].- in: Die Brücke in Dresden 1905-1911. Hrsg. v. Birgit Dalbajeva und Ulrich Bischoff.- Köln 2001. S. 389-406
Georg Witkowski: Von Menschen und Büchern : Erinnerungen 1863-1933.- Leipzig 2003
Karsten Hommel: „Pietro Del Vecchio“. Zur Geschichte einer Leipziger Kunsthandlung 1799-1953.- in: Mitteldeutsches Jahrbuch für Kultur und Geschichte. Band 11, 2004, S. 89-112