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Galerie Holbein
  • © Berlinische Galerie / Wolfgang Wittrock
  • Repro: Berlinische Galerie
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HOLBEIN
GALERIE HOLBEIN
„GALERIE HOLBEIN“ KOHN & LUNZER

Adresse: WIEN, Wien, Franz Josefs-Kai 41
Inhaber: Leopold Kohn, Fritz Lunzer
Bestand: 1923-1930
Charakteristik: Kunsthandlung, Galerie
„Galerie Holbein. Alte und moderne Kunst. Wien, I., Franz Josef Kai 41. Telephon Nr. 65069. Einkauf und Verkauf erstrangiger Gemälde. Wechselnde Ausstellungen alter und moderner Meister. Große Weihnachts-Verkaufs-Ausstellung alter Meister. Außerdem Stilleben von Prof. Pick-Morino.“ (Anzeige in: Internationale Sammler-Zeitung. Nr. 23/24 v. 15. 12. 1923, Umschlagseite 2); „Galerie Holbein. Inhaber: Leopold Kohn und Fritz Lunzer. Wien, I., Franz Josef-Kai Nr. 41. Telephon 65-0-69. Ein- und Verkauf alter und moderner Kunst. Geöffnet täglich von 9 bis 6 Uhr, Samstag geschlossen. Sonn- und Feiertage 9 bis 4 Uhr“ (Anzeige in: Das Zelt. H. 1 v. Januar 1924, Anzeigenseite)

Ausstellungen:
1923: David Kohn (Nachlass); „Weihnachtsausstellung alter und moderner Meister“ (dabei u. a.
Rudolf von Alt, Julius von Blaas, Johann Fischbach, Hilde Goldschmidt, August von Pettenkofen, Edmund Pick-Morino)
1924: Wiener Handzeichnungen und Aquarelle; Thomas Leitner, Hans Stalzer; Georg Jung;
Else Sternberger (Feinschmiedearbeiten)
1925: Richard Sochor (Nachlass); Hilda Berger
1926: Ferdinand Eckhardt
1928: Moshe (Moses) Ziffer
1929: Victor Bauer; C. V. Klima

Bemerkung:
Die „Galerie Holbein Kohn & Lunzer“ wurde als offene Handelsgesellschaft gegründet und ins Wiener Handelregister (Reg. A 11/45a) eingetragen. Betriebsgegenstand war der „Eigenhandel und Kommissionshandel, sowie die provisionsweise Vermittlung des Handels mit Bildern, Zeichnungen, Graphiken, Plastiken, Antiquitäten und Kunstgegenständen, insbesondere die Veranstaltung diesem Handel dienender Ausstellungen, erforderlichenfalls der Betrieb von Verlagsgeschäften“.
Die Gesellschafter waren der 1896 geborene Leopold Kohn (Sohn des Wiener Malers und Kunstschriftstellers David Kohn (1861-1922) und der 1896 geborene Fritz Lunzer. Während Lunzer in einer Notiz über die Eröffnung der Galerie als Kunsthistoriker bezeichnet wird (Das Zelt. H. 1 v. Januar 1924, S. 40), war sein tatsächlicher Beruf Sänger und Musiklehrer (Lexikon der Juden in der Musik 1940, Sp. 167; er selbst gab seinen Beruf nach 1930 mit „Gesangslehrer“ an.)
Die nach dem Maler Hans Holbein benannte Galerie wurde am 20. Oktober 1923 an der Adresse Franz Josefs-Kai 41 (gleichzeitig Wohnadresse von Fritz Lunzer) eröffnet.
Die erste Ausstellung wurde dem Nachlass von David Kohn gewidmet. „Die sehenswerte Ausstellung umfaßt 112 Nummern, über die ein von der Galerie Holbein herausgegebener reichillustrierter Katalog vorzüglich orientiert.“ (Der Kunstwanderer. November 1923, S. 75)
Gemäß dem Programm der Galerie „Wechselnde Ausstellungen alter und moderner Meister“ (Anzeige in: Internationale Sammler-Zeitung. Nr. 23/24 v. 15. 12. 1923, Umschlagseite 2) wurde in der ersten Sammel-Ausstellung Ende des Jahre 1923 eine „Weihnachts-Ausstellung alter und moderner Meister“ veranstaltet, in der neben Bildern von älteren Wiener Malern auch die
jüngeren Maler Edmund Pick-Morino (geboren 1877) und Hilde Goldschmidt (geboren 1897) gezeigt wurden.
In der Folge fanden von zahlreichen Künstlern in der Galerie Holbein ihre ersten Ausstellungen statt. Anlässlich der 1928 stattfindenden Ausstellung des Plastikers Moses Ziffer wurde die Galerie vom „Cicerone“ als Kunsthandlung bezeichnet, die „bereits eine Reihe begabter junger Künstler dem Publikum bekanntgemacht hat.“ (Der Cicerone. H. 22 v. November 1928, S. 738)
Die Partnerschaft von Kohn und Lunzer dauerte bis September 1930, zu welchem Zeitpunkt die Löschung der Firma ins Handelsregister eingetragen wurde. (Dank an Mag. Sophie Lillie, Wien für Hinweise auf das Handelsregister.)
Friedrich Lunzer war in der Folge als Gesangslehrer tätig, Leopold Kohn betrieb später eine Kunsthandlung in der Hebragasse 2.
Beide Kunsthändler wurden durch die Rassegesetze in die Emigration gezwungen: Fritz Lunzer emigrierte am 15. September 1938 nach Jugoslawien (wo er u. a. Lehrer der Sängerinnen Paula Bukovac und Zinka Milanov wurde), Leopold Kohn meldete sich am 20. August 1939 nach England ab.

Nachweise:
Archiv:
Wien: Archiv des Landes und der Stadt Wien; Österreichisches Staatsarchiv
Literatur:
Maecenas 1927; Maecenas 1930

Lexikon der Juden in der Musik […] Bearbeitet von Theo Stengel in Verbindung mit Herbert Gerick.- Berlin 1940
Werner J. Schweiger: Kunsthandel der Zwischenkriegszeit in Wien.- in: Galerie Würthle. Gegründet 1865.- Wien: Galerie Würthle 1995. S. 17-23; zu Holbein S. 20-21